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Politik

ProBon oder so

Was haben ProBon-Marken und Silva-Bücher gemeinsam? Kolumnist Guy A. Lang taucht in die Vergangenheit ab und erinnert sich an die Zeit bei seiner Grossmutter.

«Wänd Si no d’ ProBon?» – Die Frage wird in Fachgeschäften oft gehört. Bei einem «Ja» klebt man diese dann in einen Kartonumschlag und kann bei voller Seite für zehn Franken einkaufen. Praktisch eigentlich. Und sympathischer als die elektronischen Karten der Grossverteiler, die nur wissen wollen, wie meine Einkaufsvorlieben – oder besser Gewohnheiten – sind, um mich gezielt zu bewerben. Zwar wollen die ProBon-Marken den Kundinnen und Kunden auch den jeweiligen Laden schmackhaft machen – man nennt das KundInnenbindungsprogramm –, aber die kleinen aufklebbaren Zettelchen wirken in unserer Zeit von Apps irgendwie altmodisch. Obwohl man sie nicht mehr mit der Zunge ablecken muss. Doch erinnern sie mich an meine Ferien bei meiner Grossmutter. Bei ihr gab es Silva-Bücher. 

Ich muss erklären: namhafte Schweizer Unternehmen wie Steinfels, Toni-Molkerei, Thomy & Franck AG oder Lindt & Sprüngli gründeten die Genossenschaft Silva-Verlag. Gemäss Statuten «eine Vereinigung von Fabrikationsunternehmen mit dem Zweck, in Verbindung mit dem Verkauf der von ihnen produzierten Waren künstlerisch und erzieherisch wertvolle Bilderwerke herauszugeben und zu propagieren». Dort konnte man die Bilderbücher ohne Bilder. beziehen. Dann konnte man «Silva-Punkte» sammeln, die auf die Verpackung der Ware gedruckt waren. Gegen die Einsendung genügender Punkte erhielt man dann die Bilder zum Buch. Also man sammelte ebenfalls kleine Papierchen, die einem Gegenwert entsprechen, ganz wie heute.

Es waren gezeichnete und kolorierte Bildchen, die irgendwelchen historischen, naturkundlichen oder märchenhaften Dingen ein Gesicht gaben. Es gab «Heidi», «Robinson Crusoe», «Vögel», «Rosen», «Uniformen», «Eisenbahnen» und dergleichen mehr. Die Bücher waren für mich als Bub äusserst spannend. Schliesslich gab es kein TV, die exotischen oder aus fernen Ländern stammende Illustrationen vermittelten mir eine neue Welt. Ähnliche Bücher wie Lexika oder so fanden sich nur in Bibliotheken oder bei ganz reichen Leuten. Mit den Silva-Büchern konnte ich viel lernen. Und habe stundenlang jedes Detail der Bildchen studiert.

Ganz vergessen ist das System noch nicht. Ich denke an die Sammelwut, die alle vier Jahre ausbricht: Panini-Alben mit den Tschuttistars. Altbewährtes scheint immer noch Konjunktur zu haben. (Guy A. Lang)
 

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