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Politik

Regenwurmapokalypse

Regenwürmer dienen zahlreichen Vogelarten als Sonntagsbraten. Zum Glück ist ihr Regenerationsvermögen besonders ausgeprägt, wie Kolumnist Guy A. Lang anschaulich beschreibt.

Munter bohrt und gräbt sich der Regenwurm durchs Erdreich, mümmelt Erdkrumen und vermodertes Pflanzenmaterial in sich rein und geniesst das Leben. Der «rege Wurm» – daher soll sein Name stammen – ist einer von 46 Arten, die sich in der Schweiz durch den Boden wühlen. Er hat sich unseren Garten als Bleibe auserwählt.

Wir freuen uns, dass er hier lebt, denn der beliebte Gast hinterlässt kalziumhaltige Ausscheidungen. Und diese neutralisieren die säurehaltigen Bodeninhaltsstoffe und verbessern so die Bodenqualität auf natürliche Weise. So quasi ein biologischer Düng-Apparat, der keinen Lärm verursacht.

Nicht nur wir, auch andere Gartenmitbewohner – Marder, Igel, Spitzmäuse, Ameisen und Käfer – schätzen den länglichen, braunen Lebensgenossen. Diese allerdings, weil sie Hunger haben und sich nicht mit Erdkrumen und Moder zufriedengeben wollen. Die besonderen Feinde des Wurms sind allerdings zahlreiche Vogelarten. Da stechen besonders die Amseln alias Merlen hervor. Bei ihnen dient der Bodenbohrer nicht nur als Nahrungsquelle, sondern als Spezialität. Nur ist es so, dass die Begehrten nicht einfach so vor ihren Schnabel tanzen, sondern sich unter dem Boden tummeln.

Wie kommt also die Merle zu dem Leckerbissen? Sie hüpft über die Wiese, bleibt stehen, hüpft weiter und – zack – zieht sie den Wurm aus dem Boden. Da gibt es Forscher, die behaupten, die Bodenerschütterungen durch den Vogel würden den Wurm aufschrecken. Auf seiner Flucht käme er aus dem Boden.

Andere haben beobachtet, dass die Amsel den Kopf ab und zu schräg hält, so als ob sie die Ohren spitzte und lauschte. Weil es erwiesen ist, dass Vögel ein ausserordentlich gutes Gehör haben, schliessen sie daraus Folgendes: Die Amsel hört den Bohr-, Kratz- und Fortbewegungslärm und weiss genau, wo sie zupicken muss.

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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