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Politik

«Man muss nicht alles besitzen, nur weil es gefällt»

Kleider machen Leute – die Pfäffiker Styleberaterin Katrin Legandt erklärt, warum zu rigoroses Ausmisten kontraproduktiv ist und Trostkäufe langfristig negative Gefühle auslösen.

Einer der ersten Sätze, die man auf Ihrer Website liest, ist «Schönheit kommt von Innen». Müssten Sie sich als Stylingberaterin nicht mehr auf das Äussere fokussieren?
Katrin Legandt: Studien zeigen ganz klar: Der erste Eindruck zählt. Dies ist nicht nur im persönlichen Alltag sondern besonders auch bei Vorstellungsgesprächen essenziell. Aber es nützt nichts, sich für diesen Termin extra einen Blazer zu kaufen, wenn man sich darin nicht wohl fühlt. Wir verkörpern gegen aussen, wer wir im Innern sind. Diese beiden Komponenten müssen übereinstimmen. Man muss wissen, wer man ist und was man kann. So drückt man seine inneren Werte durch Kleidung aus. 

Wie würden Sie Ihren eigenen Stil beschreiben?
Einfach, sportlich und immer mit einer kleinen, verspielten Spezialität versehen. Ich war zwar schon immer modeaffin, aber ich hatte viele Kleidungsstücke und wusste doch nichts mit ihnen anzufangen. Da schwang auch eine gewisse Portion Neid auf gut gestylte, selbstbewusste Frauen mit. Mein Kleiderstil hingegen war eine Art Gulasch. Darum stellte ich mir konkret die Frage, wer ich eigentlich sein will und sortierte die Stücke aus meinem Schrank aus, die diese Person nicht repräsentierten. Auch wenn manche Komponenten wohl konstant bleiben, der persönliche Stil ist immer im Wandel.  

«Ich hatte schon Kundinnen, die wegen Marie Kondo so rigoros ausgemistet haben, dass nur noch Kleider übrig blieben, die nicht mehr zusammenpassten.»

Katrin Legandt, Styleberaterin

Und wie sieht es aktuell in Ihrem Kleiderschrank aus?
Er ist zwar sehr gross, aber nur, weil alle meine Kleider an Bügel hängen, damit ich sie immer im Blick habe. Von der Anzahl Teile her ist mein Kleiderschrank wohl durchschnittlich gross. Ich erlebe es oft, dass meine Kundinnen ihr Leben wie in Kuchenstücke aufgeteilt haben: in Beruf, Mutter, Ehefrau. Und für all diese Funktionen haben sie eine eigene Garderobe! Mein Ziel ist es, dass sie herausfinden können, wie sie diese Komponenten ihres Lebens zu einem Stil vereinen, mit dem sie sich jeden Tag wohl fühlen. Lieblingsteile darf man nicht irgendwo in einer Schublade verstecken, da man sie ja sowieso nur selten trägt. Man muss sie im Kleiderschrank in den Fokus rücken, dann zieht man sie auch eher an. 

Das heisst: Wenige, ausgewählte Stücke ersetzen einen prall gefüllten Schrank, wenn man sie nur ins Sichtfeld rückt?
Jein. Eine gut kuratierte Garderobe erlaubt viele Kombinationsmöglichkeiten. Und wenn man sein eigenes Konzept einmal zurechtgelegt hat und dieses auf der Shoppingtour im Kopf mitträgt, dann gibt es auch weniger Fehlkäufe. Denn wenn man sein Schema befolgt, dann passt alles im Kleiderschrank zusammen. Das ist besonders praktisch, wenn es darum geht, den Koffer für die Ferien zu packen. Aus diesem Raster-Konzept entstand auch der Name «the style grid» für meine Marke. 

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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