Das Ende für zwei Pfäffiker Traditionsgeschäfte
«Als ich den Laden 1983 übernahm, hiess es, das Haus werde in zwei Jahren abgerissen. Nun stehen wir wieder an diesem Punkt. Doch dieses Mal ist wirklich fertig.» In Albert Gujers Stimme schwingt viel Wehmut mit. Denn aus seinem Velofachgeschäft an der Hochstrasse zieht er Ende September aus.
Das gleiche gilt für Silvia Erdin und ihren Secondhand-Buchladen Reviva. Sie übernahm vor 14 Jahren von Albert Gujer als Untermieterin den vorderen Teil der Ladenfläche, die einst ein Käseladen war. Heute stapeln sich in den ehemaligen Kühltruhen die Bücher. Besonders Bilderbücher haben es ihr angetan, die Sammlung wuchs mit den Jahren immer mehr.
Alternative unkündbarer Vertrag
Der aktuelle Mietvertrag der beiden läuft Ende September aus. Eine Verlängerung habe der Vermieter zwar angeboten, jedoch nur mit einem unkündbaren Vertrag bis im Frühling 2021. Denn dann soll die Liegenschaft abgerissen werden. «Aber wer weiss, was in zwei Jahren alles passieren kann – gerade in meinem Alter», sagt der mittlerweile 82-jährige Gujer.
«Wir haben immer gut zusammengearbeitet. Nun hören wir auch zusammen auf.»
Albert Gujer, Velo- und Töfflimechaniker
Gemeinsam hätten sie entschieden, dass nun der richtige Moment sei, ihre Läden zu schliessen. Alles andere hätte ein zu grosses Risiko geborgen. «Es war keine einfache Entscheidung, doch wir konnten sie nicht länger aufschieben», sagt er. «Wir haben immer gut zusammengearbeitet. Nun hören wir auch zusammen auf.»
Silvia Erdin hat bereits einen Raum gefunden, wo sie einen grossen Teil ihrer Bücher lagern kann. Den Rest bietet sie in einem Totalausverkauf in den nächsten Wochen an. Ganz aufhören kommt für sie nicht in Frage. «Ich werde weiterhin auf dem Pfäffiker Markt mit meinem Stand präsent sein und meine Website weiter bewirtschaften.»
«Bilderbücher zu lesen ist ein sinnliches Vergnügen, das man nicht einfach ersetzen kann.»
Silvia Erdin, Secondhand-Buchhändlerin
Denn auch wenn gebundene Romane und Sachliteratur immer mehr von E-Books abgelöst werden, ist sie sich sicher: «Bilderbücher werden nie verschwinden. Sie zu lesen – am besten zusammen mit den Eltern oder Grosseltern – ist ein sinnliches Vergnügen, das man nicht einfach ersetzen kann.»
Vorfreude auf Unabhängigkeit
Ihr Angebot wurde in den vergangenen Jahren auch immer wieder von Lehrpersonen oder Angestellten von Kinderkrippen genutzt. «Ich bin schon lange am Markt präsent. Er war immer die beste Werbung für mein Geschäft.» Die Arbeit im Laden mit den fixen Öffnungszeiten sei zwar «sehr bestimmend» gewesen, hätten ihr aber immer viel zurückgegeben. Nun freue sie sich auf mehr Unabhängigkeit, solange es die Gesundheit erlaubt.
Am 15. September ist ihr Buchtreff zum letzten Mal geöffnet. Danach wird sich Silvia Erdin, die eigentlich schon einige Jahre pensioniert ist, ihren «vielfältigen Interessen», etwa dem Bridge-Spiel, widmen. Zudem werde Ende Jahr auch ihr Ehemann pensioniert. Über ihre Website www.buchtreff.ch stehe sie weiter für Beratungen zur Verfügung.
In der Werkstatt von Albert Gujer sind noch keine gepackten Kisten zu sehen. Nichts deutet darauf hin, dass auch er seinen Laden per Ende September räumen muss. «Viele meiner Kunden kommen seit Jahren oder gar Jahrzehnten zu mir», erzählt er. Er arbeite noch nach alter Schule – reparieren gehe über neu kaufen. «Wer soll denn jetzt die Pfäffiker Velos und Töfflis flicken?» Gerne hätte er alles zusammen einem Nachfolger übergeben, doch Interessenten gebe es keine.
«Ich habe Freude an den Menschen und an der Arbeit.»
Albert Gujer, Velo- und Töfflimechaniker
Die Suche nach einem neuen, passenden Lokal, wo er in verkleinerter Form weitermachen könnte, hat er noch nicht aufgegeben. «Im Zentrum müsste es schon sein», sagt der ehemalige Militärmechaniker. Er wolle nicht aus Pfäffikon weg. Und auch seine verspätete Pension anzutreten, habe er eigentlich nicht vor. «Ich habe Freude an den Menschen und an der Arbeit.»
Sollte es mit einer neuen Lokalität nicht klappen – so hofft er zumindest seine Werkzeuge weiterverkaufen zu können. «Am ehesten an einen Anfänger oder Liebhaber.» Für die moderne Logistik sei seine Ausrüstung nicht mehr geeignet. Doch noch seine eine kleine Hoffnung da, dass es mit seinem «Budeli» irgendwie weitergehe.
