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Politik

«Eine Antwort auf die zunehmenden psychischen Probleme»

Mindestens jeder zweite Mensch in der Schweiz erleidet einmal im Leben eine psychische Erkrankung. Nun können Interessierte in Uster lernen, was zu tun ist, wenn ein Kollege oder ein Familienmitglied Hilfe benötigt. Möglich gemacht hat das der gebürtige Sternenberger Roger Staub.

Roger Staub, Sie haben ermöglicht, dass in der Schweiz Ensa-Kurse angeboten werden. Für was steht «Ensa»?
Roger Staub: Ensa ist keine Abkürzung und nicht belastet mit irgendwelchen Vorstellungen oder Vorurteilen. Ensa kommt in einer der zahlreichen Sprachen der australischen Ureinwohner vor und heisst «Antwort». Mit Ensa sagen wir: Erste Hilfe ist Teil der Antwort auf die zunehmenden psychischen Probleme. Und wir stellen einen Bezug zu Australien her.

Dem Land, in dem Ensa entwickelt wurde?
Genau. Dort wurde das Programm «Mental Health First Aid», kurz MHFA, Im Jahr 2000/2001 entwickelt. Die Idee war, analog zu physischen Nothelferkursen einen Erste-Hilfe-Kurs zu schaffen, der sich bei psychischen Erkrankungen anwenden lässt. Der Kurs soll Laien befähigen, psychische Erkrankungen früh zu erkennen und Erste Hilfe leisten zu können.

Und das funktioniert?
Ja. Der Kurs wird inzwischen in 27 Ländern angeboten. Rund drei Millionen Menschen haben ihn weltweit bereits absolviert. Ein Grund für den Erfolg dürfte sein, dass der Kurs auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert und nicht auf Grund von «Meinungen» entwickelt wurde. Das Fachwissen der Kursteilnehmenden über psychische Gesundheit konnte nachweislich verbessert werden, was zur Folge hat, dass psychische Erkrankungen weniger stigmatisiert werden. Zudem steigert der Kurs das eigene Selbstvertrauen, weil man weiss: Ich kann helfen. Ich kenne kein Präventionsprogramm, dessen Wirkung so gut wissenschaftlich belegt ist wie MHFA.

Wie sieht die Hilfe aus?
Im Kurs wird Grundwissen zu den häufigsten psychischen Störungen vermittelt. Man lernt, wie man ein Gespräch führt. Welche Fragen man stellen muss. Wie man Erste Hilfe leisten kann. Und man erfährt auch, welche Angebote und Therapieformen dem psychisch Kranken helfen können. Ein Laie kann ja auch einen Armbruch erkennen und den Betroffenen zum Fachmann, in diesem Fall zum Arzt, schicken. Dieses Prinzip funktioniert auch im Bereich der psychischen Erkrankungen. Nach dem Besuch des Kurses hat man etwas in der Hand, das einem in solchen Fällen weiterhilft.

Wie lange dauert ein Kurs?
In der Regel besteht er aus vier Modulen, die jeweils drei Stunden dauern. Teilnehmen können Personen ab 18 Jahren.

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