Kürzlich fand ich beim Aufräumen ein altes SBB-Billett. So eins aus braunem Karton, das der Kondukteur – er trug eine grosse rote Tasche – mit einer schweren Zange gelocht und entwertet hatte. Dann erinnerte ich mich, wie mein Grossvater sofort zum Bahnhof eilte, sobald das neue Kursbuch erschienen war. Er studierte es sorgfältig und plante die Ferien.
Ich weiss, das ist eine Geschichte aus längst vergangenen Zeiten. Bestätigt wurde mir dies von einem Teenie, der das braune Billett sah und mich fragte, wie man so etwas denn ausdrucke. Da wurde mir bewusst, dass für mich ganz viele Dinge selbstverständlich sind, die der jüngeren Generation nicht mehr bekannt sind.
Bandsalat ist so etwas. Das ist kein Sommeressen mit Öl und Essig. Sondern ein Ärgernis hervorgerufen von einer Musikkassette. Endlich durfte ich von einem Kollegen eine Single – Durchmesser 17.5 cm, 45 Umdrehungen pro Minute – mit dem Recorder aufnehmen. Und dann das!
Das dünne Band verhaspelte sich und der damalige Nummer 1 Hit «Das ist die Frage aller Fragen» von Cliff Richard ertönte nicht mehr. Also versuchte ich den Kollegen telefonisch zu erreichen. Ich drehte die Wählscheibe – meine wichtigen Telefonnummern kannte ich selbstverständlich noch auswendig – seine Mutter nahm ab und beschied mir, dass er nicht daheim sei.
Ihm ein Telegramm zu schicken war zu teuer, der Anlass auch zu nichtig. Schliesslich waren Telegramme nur für Hochzeitsgratulationen, runde Geburtstagen ab 60 oder so üblich. Zudem hat das mit dem Telefon ja geklappt, Apparat und Telefonleitung waren in unserer Wohnung. Besser als bei meinen Grosseltern. Die teilten eine Leitung mit einem Nachbarn, der etwa 150 Meter weit weg wohnte. Wenn sie telefonieren wollten mussten sie erst zu ihm. Dafür konnten wir Kinder das Gespräch am Radio mithören – Rediffusion. Meine Grossmutter wurde immer fuchsteufelswild und wir freuten uns diebisch.

