Neuer Anlauf für Bauprojekt am Pfäffiker Seequai
Das Wichtigste in Kürze
- Seit Jahren plant das Winterthurer Architekturbüro Cerfeda Architekten AG eine Überbauung auf dem ehemaligen Bietenholz-Areal am Pfäffiker Seequai
- Derzeit wird das Areal von der Brauerei Brüllbier aus Tageswangen als Biergarten zwischengenutzt
- Nun liegt ein neues Bauprojekt auf
Es ist ein Bild, das sich in Pfäffikon bereits vor sieben Jahren schon einmal zeigte: Am Seequai stehen Bauvisiere auf dem Areal des Biergartens. Damit nimmt das Winterthurer Architekturbüro Cerfeda Architeken AG einen neuen Anlauf, auf dem Gelände der ehemaligen Schreinerei Bietenholz eine Überbauung zu realisieren.
Nachdem das Bauamt ein erstes Projekt 2012 nicht bewilligte, da das Vorhaben nicht den Richtlinien des Gestaltungsplans entsprach, kündigte Architekt Giovanni Cerfeda einen neuer Anlauf mit den nötigen Anpassungen und geplantem Baubeginn im Herbst 2015 an – doch nichts geschah (siehe Box). Erst jetzt liegt in der Pfäffiker Gemeindeverwaltung wieder ein Projekt auf.
Zwei grosse Gebäude statt fünf Einfamilienhäuser
«Ein Verkauf des Geländes ist kein Thema – ebenso wenig wie ein neues Bauprojekt.» So äusserte sich Cerfeda noch im Frühjahr 2013, als er sich daran machen wollte, das ursprüngliche Projekt an die Vorgaben anzupassen. Die Baupläne zeigen nun doch ein anderes Bild. Statt der fünf Einfamilienhäuser und dem Restaurant, die sich aneinanderreihen sollten, sind zwei Gebäude geplant. Der zweigeschossige Neubau enthält sechs Wohnungen, der Ersatzneubau ein Restaurant plus eine grosse Wohnung in den Obergeschossen.
Einst wollte die Besitzerfamilie das 4500 Quadratmeter grosse Areal der ehemaligen Schreinerei Bietenholz am Seequai komplett überbauen. Obwohl der Gemeinderat das Vorhaben vor rund 30 Jahren unterstützte, durchkreuzten die Stimmbürger diese Pläne. In mehreren Abstimmungen zwangen sie die Gemeinde dazu, das Areal zu kaufen. Im Jahr 2004 verlangte die Gemeindeversammlung per Initiative, dass auf einem Teil des Geländes ein Park entstehe. Dieser steht seit 2007 als naturbelassene Ruderalfläche der Bevölkerung offen. Die restlichen knapp 1300 Quadratmeter erwarb der Winterthurer Architekt Giovanni Cerfeda.
Ein erster Projektentwurf für das Bauprojekt am See hatte er 2012 eingereicht. Dieser wurde jedoch vom Pfäffiker Bauamt nicht bewilligt, da er noch nicht dem Gestaltungsplan entsprach, der einst von der Gemeindeversammlung festgesetzt worden war. Auch einige Nachbarn hatten ihre gute Mühe mit dem Projekt. Daraufhin war die Rede von einer Überarbeitung der Pläne, damit im Herbst 2015 mit den Bauarbeiten begonnen werden könnte. Doch erst jetzt nimmt das Projekt wieder Fahrt auf. Als Zwischennutzung hat sich im Sommer 2014 die Tagelswanger Brauerei Brüllbier mit ihrem Biergarten auf dem Gelände niedergelassen.
«Aus zeitlichen Gründen konnten wir das Bauprojekt erst jetzt wieder vorantreiben, da andere Projekte Priorität hatten », sagt Giovanni Cerfeda. «Und mit den Jahren, einer neuen Teamkonstellation u nd frischen Entwurfsgedanken, kamen auch andere Ansätze für das Projekt.» Durch die neue städtebauliche Lösung, dem Gesamtensemble « welches situativ auf die verschiedenen Gegebenheiten des Ortes reagiert » , soll eine höhere städtebauliche und architektonische Qualität erzielt werden.
Eine Tiefgarage verbindet die beiden Gebäudeeinheiten, die Zufahrt erfolgt über einen Fahrzeuglift. Damit ist auch die Erschliessung im neu entstehenden, nachbarschaftlichen Hof gelöst, welche im ursprünglichen Projekt über eine an am Nachbargrundstück angrenzenden Rampe geplant war. «Dies wäre zwar bauzonenkonform gewesen, hätte im Innenhof zwischen den zwei Gebäuden jedoch viel Platz beansprucht», sagt Cerfeda. «Der Entscheid für einen Autolift hat darum weniger mit den Nachbarn zu tun als mit der Gestaltung dieses Raumes.»
Termin des Baustartes zweitrangig
Geplanter Baustart ist bereits im nächsten November. Giovanni Cerfeda und Tochter Melina Cerfeda sind sich sicher, dass dieses Bauprojekt erfolgreich sein wird. «Wir halten uns an den Gestaltungsplan und haben dafür viele Gespräche mit den Gemeindeverantwortlichen geführt. Ebenso konnten wir unser Projekt vor diversen Fachstellen und kantonalen Kommissionen präsentieren und städtebauliche und architektonische Kritiken einfliessen lassen. » Ob die Bagger tatsächlich bereits im November oder erst Anfang 2020 auffahren, sei dabei zweitrangig.
« Uns war von Anfang an bewusst, dass der ‹Tag X› irgendwann mal kommen wird. »
Andreas Brüllmann, Bierbrauer aus Tagelswangen
So oder so würde eine Baubewilligung grosse Auswirkungen auf den Biergarten haben – die aktuelle Saison wäre damit die letzte. Doch mit dem geplanten Restaurant im Neubau würde es mit einem Gastro-Angebot am See weitergehen. «Sobald wir vom Bauamt grünes Licht haben, werden wir die Pächtersuche anpacken», so Cerfeda.
Für den Betreiber des Biergartens Andreas Brüllmann ist es «zwar schade, so ein Gastro-Projekt aufgeben zu müssen». Aber: « Als wir mit Brüllbiers Garten angefangen hatten, waren wir von einem Zeithorizont von zwei bis drei Jahren ausgegangen – m ittlerweile sind es bereits sechs. » Ihnen sei von Anfang an bewusst gewesen, dass der « Tag X » irgendwann mal kommen würde. « Umso bitterer, wenn es dann tatsächlich soweit ist. » Derzeit sei man auf der Suche nach einem neuen Standort, um mit dem gleichen Konzept an den Erfolg der letzten Jahre anzuknüpfen.
