Haben Sie auch schon versucht, Ihre guten Beziehungen spielen zu lassen, um eine tolle, selbstverständlich grosszügig entlöhnte Stelle zu ergattern oder sonst mit Rückenwind und vor der Konkurrenz ans Ziel Ihrer Träume zu gelangen? Richten Sie Ihren Freundeskreis gar gezielt darauf aus, möglichst einflussreiche Personen «warm» zu halten, um diese bei passender Gelegenheit anzukicken und so die angebliche Freundschaft in materielle Vorteile umzumünzen? Suchen Sie den Kontakt zu erfolgreichen Geschäftsleuten in der Erwartung, dass diese Ihre Karriere beflügeln?
Niemand ist gefeit gegen die Tendenz, sich Vorteile zu verschaffen. Doch oft ist dieses Streben an Illusionen gekoppelt, wie wissenschaftliche Untersuchungen belegen. So ist eine britisch-amerikanische Studie anhand der nordamerikanischen National Football League (NFL) mit ihren 32 Teams höchst lehrreich und ernüchternd. Denn was hinter dem runden Leder gilt, dürfte – zumindest in groben Zügen – ebenfalls den Büroalltag bestimmen. Und hier sehen sich die Player immer zahlreicheren und aggressiver spielenden Mitbewerbern gegenüber, so dass sie gerne auf einen erfolgreichen Coach zurückgreifen im Glauben, dadurch rascher Karriere zu machen. Doch dieser Flankenschutz bildet keine Garantie für einen frühen Karriere-Sprung und ein müheloses Erklimmen der Hierarchiestufen, wie die erwähnte Untersuchung an NFL-Coaches zeigt. Und da die Erhebung einen Zeitraum von 31 Jahren umfasst, dürfte sie langfristig gültige Trends widerspiegeln.
« Doch dieser Flankenschutz bildet keine Garantie für einen frühen Karriere-Sprung. »
Werner Knecht
Wie nicht anders zu erwarten war, können Spieler, die als Trainer einen legendären Chefcoach «besitzen», anfänglich schneller mit Beförderungen rechnen. Doch sie müssen, quasi als Ausgleich dafür, langfristig mehr Karrieredämpfer einstecken. Die mit der Studie betrauten Forscher interpretieren das dahingehend, dass ein wettbewerbsintensiver Jobmarkt für Spitzenpositionen selbstkorrigierend wirkt. Gerade im Networking-Zeitalter haben gute Beziehungen und Netzwerke mit Hunderten, gar Tausenden angeblicher Freunde zwar einen entscheidenden Stellenwert.
Doch zumindest bei den NFL-Coaches erweist sich dies als Trugschluss. Denn wenn ein Jungtrainer beispielsweise unter die Fittiche des legendären Bill Belichick, Chef-Coach des Super-Bowl-Champions New England Patriots, genommen wird, garantiert dies noch keine Starkarriere. Ganz im Gegenteil scheint ein solcher «Schutzpatron» – seine Mannschaft hat auch die Superbowl LIII 2019 gegen Los Angeles Rams gewonnen – zur irrigen Annahme zu verleiten, dass der Nachwuchs, der sich in deren bequemem Windschatten befindet, weniger Anstrengungen unternehmen muss.

