« Er ist eben einer von uns » , hört man die Leute auf der Schulanlage Meiliwiese in Hinwil immer wieder sagen. Und kaum einmal hat dieser Satz wohl besser gepasst. Ueli Maurer ist am Nationalfeiertag in seine Heimatgemeinde zurückgekehrt und lebt vor, was er später in seiner Rede sagen wird: « Man trifft sich abends im Dorf, man schwatzt ein bisschen miteinander, isst und trinkt. Das ist unser 1. August. »
Und so stellt sich auch der Bundespräsident höchstpersönlich in die lange Schlange, um eine Bratwurst zu ergattern, spricht mit Gross und Klein und geht zu guter Letzt auch noch ohne Skript zum Rednerpult. « Ich weiss gar nicht recht, was ich sagen soll, weiss gar nicht recht, was ihr hören wollt. Aber ich kann es ja mal versuchen. » Solche Bescheidenheit kommt gut an.
« Ich weiss gar nicht recht, was ich sagen soll »
Ueli Maurer, Bundespräsident
Dass er aber dann doch nicht ganz einer von uns ist, wird einem auch schnell klar. Denn da spricht einer von Bundesratsjets und wie der Herr Trump so ist. Und was Ueli Maurer über die Schweiz sagt, könnte man durchaus auch auf ihn übertragen. Unser Nationalheiligtum Rütli hätte an anderen Orten wohl einen Palast aus Marmor drauf und würde überwacht, meint er. « Bei uns weiden die Kühe. Wir sind einfach anders als die anderen. Wir sind bescheiden, aber wir sind eben trotzdem auch gut. »
Anders vor allem deshalb, weil sich unser Land immer mit der Frage konfrontiert sah, ob wir eine Chance haben neben all den Grossen anderen. « Die Frage "klein oder gross" ist der rote Faden der Schweizer Geschichte » , meint Maurer, bevor er zur Analogie die Geschichte von David und Goliath aus dem Alten Testament zitiert. « Seit 700 Jahren setzten wir uns mit der Frage auseinander: Kann die Schweiz unabhängig sein, oder muss sie sich einem grossen Gebilde anschliessen? »

