Seit das kleine tessiner Dörfchen Lavertezzo vor zwei Jahren durch einen Medienhype als «mediterrane Seele der Schweiz» oder als «Malediven von Mailand» bekannt wurde, strömen an schönen Tagen hunderte von Selfie-Knipsern und Möchtegern-Influencern ins Verzascatal, um sich vor der «Ponte dei salti» und dem kristallklaren Wasser abzulichten. 700 Höhenmeter weiter oben am Berg liegt Odro. Nur durch eine zweistündige Wanderung erreichbar, ist man hier vor Hashtags und Gucci-Täschli sicher.
Odro ist das Reich von Tobias Bührer. Vor zwei Jahren hat der Effretiker seine Zelte im Unterland abgebrochen und seinen Beruf als Musikpädagoge an den Nagel gehängt, um als Bergbauer einen Neustart zu wagen. «Seit der Übernahme kamen schon ein paar Mal Zweifel auf, ob es doch die richtige Entscheidung war», sagt er. «Die Komplexität des Ganzen hatte ich unterschätzt.»
«Ich habe mehr Berufe, als man an zehn Fingern abzählen kann.»
Tobias Bührer, Bergbauer und vieles mehr
Das Ganze – das sind neben einem Biobauernhof, einer kleinen Gastwirtschaft, einem Agrotourismusbetrieb mit 23 Schlafplätzen und einem grossen Gemüsegarten auch Hahn Caruso mit seinen fünf Damen, zwei Esel sowie 17 Ziegen. «Ich habe mehr Berufe, als man an zehn Fingern abzählen kann», meint der 47-Jährige. «Einer Besucherin habe ich sogar schon die Schuhe geflickt.» Alles unter einen Hut zu bringen, sei schwierig. «Da kommt man manchmal schon ins Rudern.»

