Abo

Politik

Wenn die holden Winde wehen

Was unter Menschen als unangenheme Nebenerscheinung der Verdauung wahrgenommen wird, dient im Tierreich der Kommunikation: Die Rede ist, wissenschaftlich gesprochen, von den Gasentweichungen. Guy A. Lang hat nachgeforscht.

Es ist ein delikates, für viele ein unappetitliches, aber natürliches Thema, das mir unter gekommen ist – es geht ums Flatulieren. Sie wissen schon: einen fahren lassen, furzen, pupsen. Es handelt sich um ein Phänomen der Verdauung, im Darm entsteht ein Gemisch verschiedener Gase wie Sauerstoff, Stickstoff, Kohlendioxid, Wasserstoff und Methan.

Diese sind geruchlos. Doch dazu kommt ein Prozent Gase, die stinken: Schwefelwasserstoff, erinnert an faule Eier, Dimethylsulfid, riecht wie gekochter Kohl, und Metylmercaptan, duftet wie faules Gemüse. Übrigens, jede Person hat pro Tag etwa zehn bis zwölf Gasentweichungen – mal laut mal leise – was Ärzte als normal bezeichnen. Aber nicht nur wir Menschen furzen. Tiere sind wahre Meister darin.

Dabei gibt es spannende Aspekte, wie das neue Buch «(p)oops! Erstaunliches zur tierischen Flatulenz» beschreibt. So schlägt etwa die Arizona-Korallenschlange ihre Feinde in die Flucht, indem sie einen kräftigen Knall ertönen lässt, der auch noch stinkt. Das scheint bequemer zu sein, als sich mit den Giftzähnen in das Gegenüber zu verbeissen.

Seekühe nutzen die Gase im Darm zum Auftrieb, so können sie ohne Anstrengung an der Oberfläche dümpeln. Elefanten, Nashörner und Pferde sollen arg die Luft verpesten. Das wohl einzige Tier, das sich der Vergasung der Umwelt enthält, ist das Faultier. Es bewegt sich ebenso langsam wie es verdaut. So nimmt es die entstehenden Gase im Blut auf und atmet das Gas schliesslich aus.

Heringe kommunizieren gar mittels Gasabgabe in hohen Frequenzen. Etwas, was einige Menschen auch können. Sie können die Tonhöhe ihrer Abwinde modulieren und ganze Melodien produzieren. Einige haben diese Fähigkeiten kultiviert und zur Vollendung gebracht und sich das Leben als sogenannte «Kunstfurzer» auf Jahrmärkten, Rummelplätzen und im Moulin Rouge verdient.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?