Alle Schüler und Lehrer verabschiedeten die Sechstklässler in unserem Schulhaus mit einem berührenden Ritual. Nebst vorgetragenen Liedern, erhielten diese Schüler von ihren Klassenkameraden persönlich vorgetragene Wünsche für ihren neuen Weg an der Oberstufe. Mit ihrem Namen durften sie sich am Schluss auf dem Schulhofplatz mit Pinsel verewigen. Fast wie in Hollywood.
Auffallend: Während diesem kurzen Ablauf brauchte es zwei Lehrkräfte, welche sich um drei, nur schwer zu bändigende, Kinder kümmern mussten. Exklusivität in ungewohnter Form. Gleichzeitig eine Bestätigung für all die täglichen Schilderungen meiner beiden Söhne. Oft musste ich von ihnen in den letzten Jahren hören, wie mühsam es sei, wenn sich immer alles um die gleichen Störenfriede drehe.
An den Schulbesuchsmorgen bei meinen Kindern denke ich jeweils, mit der heutigen Unterrichtsform wäre ich überfordert gewesen. Frontalunterricht war früher Tagesprogramm. Zuhören, Hände aufstrecken, aufschreiben. Das hiess auch eine Lektion sitzen bleiben. An einen Mitschüler kann ich mich erinnern, der gerade damit grosse Mühe hatte. Er durfte zwischendurch aufstehen und eine Runde im Schulzimmer rumrennen.
« An den Schulbesuchsmorgen bei meinen Kindern denke ich jeweils, mit der heutigen Unterrichtsform wäre ich überfordert gewesen. »
Uns hat dies nicht weiter gekümmert. Wir haben einfach weitergearbeitet. Heute wird viel mehr in eine Lektion verpackt. Kinder haben mündliche Rechenaufgaben im Kreis zu lösen, dann aufstehen, an seinen Platz gehen und weiter im Heft arbeiten, während eine zweite Gruppe an einem Tisch zusammenkommt um andere Aufgaben zu erledigen. Viel mehr Abwechslung, alle Sinne werden miteinbezogen. Aber auch viel mehr Unruhe.

