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Symbolische Mietpreise, die vorerst nicht bezahlt werden müssen

Es ist Halbzeit in der Bauzeit auf der Pfäffiker Seestrasse. Im unteren Teil der neuen Begegnungszone kommt das neue Raumnutzungskonzept bereits zum Einsatz.

Ende Oktober soll die Seestrasse fertiggestellt sein. , Bereits seit Mitte Juni gilt das neue Konzept für die Nutzung der öffentlichen Flächen. , Im unteren Teil der Seestrasse, der bereits fertig gepflästert ist, nutzen erste Gewerbler das Angebot. , So etwa der Wirt des Restaurants Brauerei, der seinen Aussensitzplatz vergrössert hat.

Seraina Boner

Symbolische Mietpreise, die vorerst nicht bezahlt werden müssen

Die Bauarbeiten an der Pfäffiker Seestrasse laufen seit Anfang März auf Hochtouren. Auf der neuen Pflästerung im unteren Teil der Strasse sind bereits Parkfelder eingezeichnet, am einen oder anderen Ort stehen wieder Sonnenschirme vor den Läden. Für die Gewerbetreibenden war und ist die Bauzeit vor dem eigenen Geschäft kein Zuckerschlecken. Sie sind während den Bauphasen Lärm und Schmutz ausgesetzt, die Zugänge zu den Läden sind teilweise blockiert und Umsatzeinbussen nicht auszuschliessen. «Kurz und schmerzhaft», bezeichnete Bauvorstand Lukas Steudler (FDP) das Strassenprojekt für die Pfäffiker Gewerbler im letzten Herbst, als die Pläne öffentlich auflagen. 

Arbeiten im Zeitplan

«Sowohl Anwohner als auch Gewerbetreibende zeigen viel Verständnis», fasst Gemeindeschreiber Hanspeter Thoma die aktuelle Lage zusammen. «Die Baustelle fasziniert auch viele Passanten, die stehen bleiben und dem Treiben zusehen.» Nicht alles laufe immer reibungslos, doch bisher sei «alles gut gegangen» und man liege nach wie vor im Zeitplan. 

Ende Oktober soll die neue Begegnungszone auf der ganzen Seestrasse fertiggestellt sein. Mit ihr bieten sich neue Nutzungsmöglichkeiten für den öffentlichen Raum. Darum hat der Pfäffiker Gemeinderat nun ein entsprechendes Konzept verabschiedet. «Ein separates Nutzungsregelement ist zwar nicht erforderlich, aber wir mussten überhaupt erst einmal erfassen, welche Nutzung an welcher Stelle möglich wäre», so Hanspeter Thoma. 

Gartenwirtschaft erweitert

Bereits haben einzelne Gewerbetreibende vom neuen Nutzungskonzept, das seit Mitte Juni in Kraft ist, Gebrauch gemacht. So etwa der Wirt des Restaurants Brauerei, der seine Gartenwirtschaft erweitert hat. «Die kleineren Läden entlang der Seestrasse werden wohl sukzessive nachziehen», sagt Thoma. Grundsätzlich müsse man aber kein Geschäft an der Seestrasse betreiben, um den öffentlichen Grund der Begegnungszone zu nutzen. «Ob das Gesuch dann bewilligt werden kann, ist eine andere Frage.» So müssen etwa die Zugänge für Lieferanten oder die Zufahrt zum Parkplatz beim Dorfmärt jederzeit gewährleistet bleiben. 

Der Gemeinderat erhofft sich durch eine verstärkte Nutzung der Flächen eine Steigerung der Attraktivität des Dorfzentrums. Im neuen Konzept hat er auch Gebühren festgelegt – diese sind aber mit monatlich einem Franken pro Quadratmeter während der Öffnungszeiten sowie zwei Franken für die uneingeschränkte Nutzung überschaubar. «Es geht nicht darum, viel Geld einzunehmen, darum die tiefen Ansätze», sagt Gemeindeschreiber Hanspeter Thoma. Sie sollen eher dazu anregen, den Raum zu gestalten.

Die Gebührentarife müssen die Gewerbetreibenden an der Seestrasse die nächsten zwei Jahre allerdings noch gar nicht kümmern.  Als «Geste der Anerkennung dieser schwierigen Situation» verzichtet der Gemeinderat in dieser Zeit darauf, die Mietgebühren in Rechnung zu stellen.

Studie zur Situation des Detailhandels:

Im Auftrag des Gemeinderats Pfäffikon untersuchte die Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten, Abteilung Wirtschaft, die Situation des Detailhandels im Dorfzentrum. Die Studie basiert auf Befragungen von Kunden, Detailhändlern und Gewerbetreibenden. Ihr Fokus lag auf dem veränderten Kundenverhalten. Ausgeführt wurde die Studie von vier Studentinnen im Rahmen einer Semesterarbeit. Der Bearbeitungszeitraum betrug rund drei Monate.

Unter anderem ergaben die Befragungen und Recherchen, dass das Zentrum insgesamt als unattraktiv empfunden wird. Diese Einschätzung bezieht sich neben dem Geschäftemix auch auf den Strassenlärm und die Verkehrssituation. Kritisiert werden die schmalen Trottoirs, zu wenige Parkplätze, fehlende Sitzgelegenheiten, mangelnde Sauberkeit auf Wegen und Strassen sowie eine schlechte alters- und behindertengerechte Infrastruktur.

Der Gemeinderat erkennt darin einen Appell, das Zentrum baulich aufzuwerten. Langfristig strebe man weniger Verkehr im Zentrum und attraktivere Verbindungen für Fussgänger und Velofahrer an. Als ein richtiger Schritt wird der Umbau der Seestrasse gewertet. Wünschenswert wäre eine baldige bauliche Erneuerung und Verdichtung im Gebiet zwischen Bahnhof und Hochstrasse. Hier seien Grundeigentümer und Investoren gefordert.

Laut der Befragung legt die Bevölkerung nach wie vor Wert auf den Einkauf vor Ort. Während Bekleidung und Elektronik vorwiegend online gekauft werde, erledigen viele Pfäffiker den Wocheneinkauf am Ort – bevorzugt beim Grossverteiler. Verbesserungsbedarf sieht die Studie in neuen Geschäftsmodellen wie Pop-up-Stores und Online-Dienstleistungen. Ausbaufähig sei das lokale Sortiment auch im Bereich von Nischenprodukten. (jöm)

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