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Politik

«Wildheit gehört zur Fankultur»

Wieso haben Fankurven eine so grosse Anziehungskraft auf Jugendliche? Wie tickt die Szene und was bewirken strengere Kontrollen? Ein Fan- und ein Jugendarbeiter antworten.

Herr Vecko, Sie befassen sich in der kantonalen Kinder- und Jugendförderung speziell mit der Fankultur. Auf die Anfrage für dieses Interview haben Sie gezögert. Wieso?
Christoph Vecko: In den Medien werden Jugend- und Fankultur oft mit Gewalt gleichgesetzt und unter Generalverdacht gestellt.

Aber es gibt doch immer wieder Vorfälle am Rande von Fussballspielen. Und wie neuste nationale Zahlen zeigen, verursachen GC- und FCZ-Fans am meisten Probleme.
Vecko: Klar, das darf man auch nicht schönreden. Aber das Problem ist, dass nach jedem Vorfall nach Repression geschrien wird. Ebenso wichtig ist der Dialog und die Sensibilität für Fankultur. Sie ist für viele junge Menschen ein bedeutender Teil ihrer Lebenswelt - nicht nur am Spieltag.

Herr Wandeler, Sie sind Geschäftsleiter von Fanarbeit Schweiz. Was zieht Jugendliche in diese Fan-Welt?
Christian Wandeler: Das Fussballstadion ist das grösste Jugendhaus: Ein sozialer Raum, wo man sich mit Gleichaltrigen und Gleichgesinnten trifft, wo man sich zugehörig fühlt und seine Emotionen ausleben kann - eine grosse Bühne, wo etwas passiert, wo es bunt ist und laut.

Wieso gerade Fussball?
Wandeler: Der Sport ist populär, er bewegt die Massen und man kann sich in einem anonymen Umfeld auslassen. Der Einstieg ist easy, die Hemmschwelle tief und der Eintrittspreis relativ günstig. Sich für einen Club zu entscheiden, dessen Farben zu tragen, ist ein Statement: ‹Ich bin einer von denen, einer der Coolen.› Das ist wichtig für die eigene Identität und die Abgrenzung.

Abgrenzung wovon?
Vecko: Von der Erwachsenenwelt und von anderen Jugendlichen. Die eigene Kultur, die eigenen Wünsche und Bedürfnisse, manifestieren sich bei Jungen vor allem in der Abgrenzung zu einer anderen Kultur oder Clique. Das ist ein wichtiger Prozess in der Entwicklung jedes Jugendlichen.In einer individualisierten und pluralistischen Gesellschaft ist es heute immer schwieriger geworden, sich als Individuum abzugrenzen und gleichzeitig ein Gemeinschaftsgefühl und Zugehörigkeit zu erleben. In einer Fangruppe ist diese Abgrenzung möglich. Im Idealfall mündet sie in Kreativität, in originellen Choreos oder Fangesängen. Es gibt dabei auch jene, die nahe an die Grenzen des Erlaubten oder darüber hinaus gehen.

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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