Es tropft und tropft beharrlich. Der Regen hat das Tösstal übernommen. Zwar ist es noch nicht kalt, doch die triefende Nässe scheint die Temperaturen zu drücken. Die Welt ist unfreundlich und wenig einladend. Es ist nicht der Regen, der im Sommer heiss ersehnt ist, der Garten und Seele nach Hitzetagen erfrischt.
Nein, es ist der lähmende Regen, der ohne Hoffnung auf einen noch so winzig kleinen Sonnenstrahl unerbittlich schüttet und schüttet und schüttet… Vögel haben sich verzogen, Hunde und Katzen verkriechen sich. Alles ist trostlos.
Ich starre hinaus, meine Tatkraft scheint weggespült, meine Ideen verwässert. Doch dann realisiere ich, dass nicht die Aussenwelt in Tristesse versinkt, sondern ich. Dass ich am üblichen Herbst-Blues leide, dass ich mich von diesem bisschen Wasser einschüchtern, lähmen und in ein Loch jagen lasse.
Das darf nicht sein. Denn was gibt es Schöneres, als im Trockenen zu sitzen, dem Regen zuzuschauen und nicht in den Schiff hinaus zu müssen. Der Garten kann Garten bleiben, die ungewollten Pflanzen können wuchern, Giessen fällt aus. Wenn dann noch ein duftender Kaffee, ein gutes Buch oder schöne Musik dazu kommen, ist das Leben beinahe perfekt.
Herbst – es sei Zeit, der Sommer sei sehr gross gewesen, schreibt Rainer Maria Rilke in seinem berühmten Gedicht «Herbsttag». Und zum Herbst gehören nun mal Regen und Winde. Und selbstverständlich wunderbare Gerichte mit Pilzen, Kürbis oder Wild, Früchte wie Äpfel und Birnen, Getränke wir Most und Sauser. Genuss pur, die Freude am neuen Wein, die bunt bemalten Laubwälder und die längere Abende bestimmen diese Jahreszeit.

