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Wenn sogar der Bademeister im WC mit anpackt

Die Hitzewelle der letzten Wochen hat zu riesigen Anstürmen auf die Schwimmbäder der Region geführt. «Alle Hände an Deck» lautete das Motto, um die grossen Besucherzahlen zu bewältigen – und die Sicherheit zu gewährleisten.

Seraina Boner

Wenn sogar der Bademeister im WC mit anpackt

Morgens um halb 10 in der Badi am See in Pfäffikon. Noch ist alles ruhig. Betriebsleiterin Colette Keller und ihr Team bereiten sich auf das Tagesgeschäft vor. Es ist Mittwoch, für den schulfreien Nachmittag ist der Ansturm garantiert. «Letzte Woche kamen 3600 Personen am Mittwochnachmittag in die Badi», so Keller. «Als wir im Mai in Faserpelzjacken hier vergeblich auf Gäste warteten, konnten wir von solchen Bedingungen nur träumen.»

«Wenn das Wetter endlich stimmt – dann macht es plötzlich Peng!»

Colette Keller, Betriebsleiterin Badi am See in Pfäffikon

Der Ansturm in der Hitzeperiode der letzten zwei Wochen sei absehbar gewesen, so habe man das Personal gut einteilen können. «Wenn es lange Zeit eher kühl war, strömen umso mehr Gäste in die Badi, wenn das Wetter endlich stimmt – dann macht es plötzlich Peng!»

Die Bademeister würden darum zeitweise von zusätzlichen Aufsichtspersonen mit Rettungsbrevet unterstützt. «So etwa beim Sprungturm, der in diesem Jahr wieder installiert werden konnte», sagt Keller. «Dort ist immer jemand zur Aufsicht eingeteilt, da der Ansturm der Jugendlichen besonders riesig ist.»

Im Badebereich am Pfäffikersee sei es zudem oft nötig, auch Erwachsene in den Nichtschwimmerbereich zu verweisen. «Viele unterschätzen die Gefahr, die der trübe See bergen kann», sagt die Betriebsleiterin. «Etwa Eltern, die ihre Babys und Kleinkinder freudig in die Höhe werfen – da kann ich manchmal gar nicht richtig hinschauen wenn ich mir ausmale, was alles passieren könnte, wenn das Baby plötzlich nicht richtig aufgefangen wird.»

Handy als Gefahr

Wie Colette Keller in Pfäffikon beobachtet auch Beat Bielmann, Betriebsleiter des Schwimmbad Neuguet in Turbenthal, immer wieder Eltern, die sich fragwürdig verhalten. «Das grösste Problem sind Mütter oder Väter, die an ihren Handys kleben und ihre Kinder alleine lassen.»  So sei es auch schon zu Situationen gekommen, in denen Verwarnungen ausgesprochen werden mussten, die gesamte Familie aus der Badi zu verweisen, sollte sich die Situation nicht bessern. «Wir können nicht auf alle kleinen Kinder aufpassen.»

Um den Ansturm der letzten Wochen zu bewältigen, mussten auch in Turbenthal zusätzliche Kräfte mobilisiert werden. Er selber habe diverse Arbeiten wie etwa den Sanitätsdienst oder die WC-Kontrolle übernommen. «Wir kennen zudem viele unserer Gäste und wissen, wer beruflich etwa als Rettungssanitäter arbeitet, sodass wir im Ernstfall auch auf diese Ressourcen zurückgreifen könnten.»

«Da ist man natürlich schon im Seich»

In Pfäffikon konnte die Badi am See im letzten Sommer dank des guten Wetters schwarze Zahlen im fünfstelligen Bereich schreiben. «Damals verzeichneten wir pro Tag meistens Eintritte im 2000er- Bereich», sagt Colette Keller. «Da es damals über sehr lange Zeit schön war, gab es keine so grossen Ausreisser wie in diesem Sommer bisher.»

Die hohen Besucherzahlen der letzten Wochen konnte man mit den vorhandenen Ressourcen zwar decken, aber: «Trotzdem heisst es an solchen Tagen für die Gäste anstehen im Restaurant, beim Sprungturm und bei den Toiletten.»

«So einen guten Monat gab es schon seit Jahren nicht mehr.»

Corsin Camenisch, Abteilungsleiter Sport der Stadt Wetzikon

Der Besucherrekord der letzten Jahre liegt bei 4700 Gästen an einem Tag. «Am letzten Sonntag waren es rund 4300 Personen. Da ist man natürlich schon im Seich und das bedeutet alle Hände an Deck.» So könne es sogar sein, dass der Bademeister mit anpackt, wenn es darum geht, WC-Papier aufzufüllen. «Bewältigen können wir alles – nur wenn jemand ausfällt, kommen wir ins Schwitzen.»

Jahresrekord in greifbarer Nähe

Eine offizielle Kapazitätsgrenze hat die Badi Pfäffikon nicht. «Wir können gar nicht sagen, wie viele Personen sich zu einem bestimmten Zeitpunkt auf dem Gelände aufhalten, da wir zwar die Eintritte, aber nicht die Austritte der Badegäste kontrollieren», so Colette Keller.

Auch in den Wetziker Bädern gibt es keine obere Limite an Badegästen, die es einzuhalten gilt. Sowohl in der Badi Meierwiesen als auch im Strandbad Auslikon konnten am Wochenende Spitzenwerte von je rund 2400 Eintritte verbucht werden. «Im Juni waren es insgesamt 20’000 Besucher – so einen guten Monat gab es schon seit Jahren nicht mehr», sagt Corsin Camenisch, Abteilungsleiter Sport der Stadt Wetzikon. 2018 wurden für die gesamte Saison 43’000 Eintritte verbucht. «Diese Saison könnten wir einen neuen Jahresrekord erreichen, wenn es mit dem Wetter so weitergeht.»

Die Wetziker Badeanlagen verzeichnen im Vergleich zu Pfäffikon einzeln deutlich weniger Eintritte. Thomas Krauer, Bereichsleiter der Wetziker Bäder und Sportanlagen, erklärt sich dies so: «Wenn man die Zahlen der beiden Wetziker Bäder zusammenzählt, ist man wieder etwa gleichauf.» Die Pfäffiker Badi biete zudem alle Angebote auf kleinem Raum – Restaurant, See, Pool, Rutschbahn. «In Wetzikon haben wir mit Auslikon und den Meierwiesen zwei verschiedene, getrennte Welten.»

«Die Disziplin in Auslikon ist viel grösser.»

Thomas Krauer, Bereichsleiter Bäder und Sportanlagen Wetzikon

Das Strandbad werde eher von Gästen aufgesucht, welche die Nähe zur Natur schätzen. «Dies zeigt sich unter anderem beim Thema Littering», so Krauer. «Während wir in den Meierwiesen die – vor allem jüngeren – Gäste immer wieder darauf hinweisen müssen, dass sie keinen Abfall hinterlassen, ist die Disziplin in Auslikon viel grösser.» Dies, obwohl das Badigelände am See über Nacht nicht abgeschlossen wird.

Streckenschwimmer in Bedrängnis

Was aber sowohl in Auslikon als auch in den Meierwiesen fehlt: Eine grosse Rutschbahn. Wie wichtig eine solche ist, zeigt die Petition, die im Frühling an den Wetziker Stadtrat eingereicht wurde: 900 Unterschriften kamen zusammen, die eine «richtig tolle Rutschbahn» fordern. Abteilungsleiter Camenisch: «Ein Sprungturm ist schon einmal gut, eine Rutsche macht die Badi bestimmt noch attraktiver. Die Badi Meierwiesen bietet Raum für Spass.»

Jugendliche fordern Wasserrutschbahn für Wetziker Badi Meierwiesen

01.05.2019

900 Unterschriften gesammelt

Eine Wasserrutschbahn wie in der Badi Pfäffikon: Das fordern Jugendliche für die Wetziker Badi Me Beitrag in Merkliste speichern Dies zeigt sich unter anderem auch darin, dass die Streckenschwimmer zeitweise in Bedrängnis kommen können. «Vor allem an Nachmittagen und Wochenenden mit hoher Belegung befinden sich manchmal so viele Badegäste zum Planschen im Wasser, dass die Schwimmbahnen nicht zu jedem Zeitpunkt frei zu halten sind», sagt Thomas Krauer. «Doch die Aufgabe der Bademeister ist primär, die Sicherheit zu gewährleisten und nicht in erster Linie, Polizist zu spielen. Man soll sich ja auch austoben dürfen.» So richten die Aufsichtspersonen – auch das Kassenpersonal hat das nötige Brevet – ihr Hauptaugenmerk auf die Gewährleistung der Sicherheit im Wasser. «Insbesondere auf die kleinen Gäste im Nichtschwimmerbereich.»

Marco Weiss, Betriebsleiter des Gossauer Schwimmbad Tannenberg, mahnt vor Vorsicht bei der Beurteilung der hohen Besucherzahlen der letzten Wochen: «Wir haben am Wochenende über 1200 Eintritte verzeichnen können – doch das sind die Besucher über einen ganzen Tag verteilt. Es sind nie gleichzeitig tausend Badegäste im Wasser.»

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