Dort, wo früher mechanische Webstühle ratterten – in der alten Boller Winkler-Fabrik – dreht heute eine Mechanik, die weit wohltuendere Klänge zu erzeugen vermag. Und wie schon das hier entwickelte Jersey-Fixleintuch 1974 eine Weltneuheit war, so ist es diese, etwas neuere Erfindung: Ein Stück, bei dem Schallplattenliebhaber und Technikaffine gleichermassen glänzende Augen bekommen – der «Thales».
Im Januar zog die Hi Fiction AG in die altehrwürdigen Hallen an der Tösstalstrasse. Im lichtdurchfluteten Raum, in welchem einst Baumwollstaub und der Geruch von Maschinenöl die Luft erfüllten, ist es ruhig. Der alte Parkett glänzt. Entlang der Fensterfront sind Arbeitsplätze eingerichtet. Doch nicht Mac-Books und Papierkram verteilen sich auf den Tischen. Ein paar junge Leute sind in ihre Arbeit versunken, wickeln über Mikroskope gebeugt haarfeine Drähte um winzige Spulen, sitzen schultertief an ihrer Werkbank und montieren mit Feinwerkzeug kaum sichtbare Teile.
Hi Fiction ist eine Manufaktur für Plattenspieler der höchsten Güteklasse. Ihr Gründer, Micha Huber, lancierte 2005 einen Tonarm – den Tonarm –, auf den die analoge Musik-Welt gewartet hatte. Denn dieser «Thales» ist ein Meisterwerk feinster Mechanik und löst auf elegante Weise das Problem, an welchem Gerätehersteller seit der Erfindung der Schallplatte nagten: Den Spurfehlwinkel.
Die Sache mit dem Spurfehlwinkel
Falls man nicht Hi-Fidelity-Aficionado oder ein Geometrie-Ass ist, kann es gut sein, dass einem bei diesem Begriff kein Lichtlein aufgeht. Micha Huber hingegen beschäftigte sich schon als Teenager mit dieser Knacknuss. Der Spurfehlwinkel entsteht, weil die Matrize – die Mutterplatte – bei der Herstellung über eine gerade laufende Bahn geschnitten wird, hingegen sich der Winkel der Nadel beim Abtasten der LP verändert. Diese Diskrepanz verursacht eine unharmonische Verzerrung.

