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Politik

Von Wasser- und anderen Fachkennern

Ein unverständlicher Werbespruch stösst bei Kolumnist Guy A. Lang eine ganze Gedankenkette an: So erfährt er, dass Wasser zu degustieren heute im Trend ist und dass an Genuss-Schulen gelehrt wird, welches Wasser zu welcher Speise passt. Und dazu braucht es auch Fachleute.

«So geht heute Wasser» – ein Plakat, darauf eine Flasche. Ich habe nicht verstanden, was das soll: «So geht heute Wasser». Der Spruch lässt mich nicht los. Ich grüble und grüble. Dass es nichts mit Bewegung zu tun hat, ist klar, Wasser fliesst und geht nicht. Und sicher, es gibt Salzwasser, Süsswasser, Hahnenwasser, Mineralwasser und … Aber wie Wasser funktioniert, weiss ich nicht. Ich trinke es gern, vor allem direkt aus dem Hahn. Jetzt ist mir ein Zeitungsartikel untergekommen, der mir klar vor Augen geführt hat, welch simpler Banause ich bin.

«Wasser degustieren» war sein Titel. Er beschrieb, dass Wasser nicht gleich Wasser ist, dass je nach Herkunft grosse Unterschiede in Geschmack und Geruch gibt, dass es eine ideale Trinktemperatur gibt, dass je nach Speise eine ganz bestimmte Mineralwassersorte getrunken werden muss. Tönt logisch. Dass man sich alles Know-how aneignen kann, dafür braucht es Schulen. Und wie ich recherchieren konnte, gibt es einige. In der deutschen «Genussschule» bei München beispielsweise kann alles Wissenswerte über Genuss studiert werden. Auch über Wasser. Hat man das Diplom bestanden, ist man Wasser-Sommelier. 

Bis jetzt kannte ich nur den Wein-Sommelier in den teuren Lokalen, die ich nur frequentiere, wenn ich eingeladen bin. Dort ist es er Kellner für Getränke. Der Name kommt aus dem Provenzalischen «saumalier», was «Führer der Saumtiere» bedeutet. Dieser war für den Proviant im Haus zuständig. Wein mussten die Maulesel schon bei den Römern in Fässern über die Berge schleppen, damit die Legionäre im kalten Norden etwas zu trinken hatten.

Wenn mit Sommelier die Zuständigkeit etwas Schluckbares auf den Tisch zu bringen, machen ein Wasser- Wein-, Bier- oder Schnapssommelier. Und weil Trinken alleine nicht glücklich macht, braucht man auch noch was zwischen die Zähne. Und so gibt es Käsesommeliers, Brotsommeliers, Fleischsommeliers, Tee- und Kaffeesommeliers. Selbstverständlich ebenfalls die entsprechenden Sommelières. Von Salat- und Kräutersommelièren habe ich nichts gehört und gelesen.

Bin ich jetzt ein Salzsommelier, weil ich den Salzstreuer schreibe? Quasi «So geht Salzstreuer heute»? (Guy A. Lang)

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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