Wer sich hier Vanille wünscht, sucht vergeblich
«Gerne einmal Kaffee und einmal Pistache im kleinen Becher.» Bei Manuela Ivone bestellt man das Glacé nicht pro Kugel, sondern pro Portionengrösse – somit sind mehr Geschmacksrichtungen pro Bestellung möglich. Kugeln formt die Pfäffikerin aus ihrem Angebot sowieso nicht, sondern türmt die süsse Masse mit einem Spachtel auf die Waffelcornets oder in die Kübeli. «So wie es in Italien auch gemacht wird», sagt die 41-Jährige. «Die meisten bestellen trotzdem pro Kugel.»
In solchen Fällen belehrt Manuela Ivone ihre Kunden aber nicht – im Gegenteil: Sogar dem Herrn, der Pistache bestellt und sich im gleichen Atemzug danach erkundigt, ob es denn Nüsse im Glacé habe, gibt sie ohne das Gesicht zu verziehen ruhig und sympathisch Antwort.
Puschlaver Gelati
Der Anstoss dafür, dass die Pfäffikerin in dieser Saison ihr Glacé aus ihrem umgebauten «Ape Classic» anbietet, gab ihr Mann. «Er monierte, dass es am Pfäffikersee keine wirklich gute Adresse für Glacé gibt.» Da das Ehepaar Ivone seit Jahren Ferien im Puschlav macht, sind sie mit dem Wirt des Hotels Semadeni in Poschiavo befreundet – und sich gute Glacé aus dessen Gelateria gewohnt. «Letztes Jahr habe ich ihm aus Jux angekündigt, dass ich seine Kreationen diesen Sommer in Pfäffikon verkaufen wolle», erzählt Ivone.
Der anfängliche Scherz entwickelte sich schnell zur konkreten Idee. «Ende Jahr klärte ich mit meinem Arbeitgeber die Reduktion meines Arbeitspensums und ab Januar machte ich mich auf die Suche nach einem geeigneten Verkaufswagen», sagt sie. «Als Bürogummi hatte ich schon lange das Gefühl, dass mir ein kreativer Ausgleich gut tut.»
Fior di Latte statt Vanille
Als es darum ging, einen Namen für ihr kleines Business zu suchen, hatte Manuela Ivone klare Vorstellungen. «Er sollte weder in Abhängigkeit zu mir noch zu Pfäffikon stehen und möglichst italienisch und gleichzeitig herzig tönen, damit er zum Wägeli passt.» Schliesslich fiel die Wahl auf «Walterino» – die herzige, italienische Form von Walter, dem Wirt aus Poschiavo. «Er hatte zwar Freude, meinte aber auch, dass ich wohl etwas spinne», sagt Ivone und lacht.
Zusammen haben sie besprochen, welche Sorten den Weg ins Zürcher Oberland finden sollen. Entstanden ist ein Mix aus Milchglacé, entstanden aus Puschlaver Bio-Milch, und Sorbetti, darunter auch einige vegane Varianten – zum Beispiel Schoggi. Doch wer sich Vanille wünscht, sucht vergeblich. «Um für genügend Italianità zu sorgen, habe ich die Sorte Fior di Latte ausgewählt, das ähnlich wie Vanille schmeckt», sagt Ivone. «Und nach anfänglicher Skepsis mögen es auch die Kinder.»
Kompostierbare Servietten und Löffeli
Seit Mitte Mai steht sie nun mit ihrem «Walterino» am Freitag jeweils an der Seepromenade in Pfäffikon und am Wochenende an der Baumenstrasse, wo sie wohnt. Bereits erreichen sie viele Anfragen von Personen, die das Wägelchen für private Veranstaltungen wie Hochzeiten mieten wollen. «Doch diese würden ja genau an den Daten stattfinden, an denen ich mein Glacé in Pfäffikon verkaufen will.» In diesem Jahr kommt ein solches Engagement deshalb nicht in Frage – für nächstes Jahr schliesst Manuela Ivone solche Einsätze des «Walterino» nicht aus und hat schon Anfragen.
«Walterino» ist aber nicht nur gefragt, sondern auch ökologisch: «Meine Servietten, Becher und Löffeli sind alle kompostierbar», so Ivone. Neben dem «Ape Classic» steht dafür extra ein Abfallkübel, in dem ausschliesslich dieses verwertbare Material gesammelt wird. «Den Inhalt verwertet die Kompostieranlage Fehraltorf für mich.»
