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Das sind die Gewinner und die Verlierer des neuen Finanzausgleichs

In einem Monat entscheidet die Synode der Reformierten Kirche des Kantons Zürich über einen neuen Finanzausgleich. Dieser würde die Ausschüttungen, die heute in die verschiedenen Kirchgemeinden fliessen, teils komplett auf den Kopf stellen. Kleine Gemeinden wie Kyburg oder Wildberg müssen bangen.

Die Kyburger Kirchgemeinde würde mit dem neuen Finanzausgleich nur noch 3100 statt 88'000 Franken erhalten, , Rudolf Morf sorgt sich um die Zukunft der Kyburger Kirchgemeinde. , Die Bäretswiler würden statt 200'000 Franken nur noch rund 123'800 Franken erhalten. , In Dürnten war man bisher nicht auf Ausgleichzahlungen angewiesen. Nun sollen 116'650 Franken in die Kasse fliessen., Die Kirchgemeinde Wald soll statt rund 228'350 Franken nur noch 110'880 Franken erhalten. , Die Kirchgemeinde Bauma-Sternenberg erhält mit dem neuen Finanzausgleich statt 293'350 nur noch rund 148'360 Franken. , Hittnau bekam bisher kein Geld, nun sollen es 89'220 Franken pro Jahr sein. , Basierend auf den Zahlen von 2017 sollte Turbenthal statt 166'670 nur noch 65'380 Franken erhalten. , Auch in Rüti soll es neu Geld geben: 58'700 Franken pro Jahr. , Auch Fischenthal soll mehr bekommen. Und zwar 183'500 statt 160'000 Franken. , Wila hätte aufgrund der Zahlen 2017, noch vor der Fusion mit Turbenthal, statt 70'000 nur noch 59'400 Franken erhalten. , In Gossau darf man sich über neu 57'910 Franken freuen. , Die Kirchgemeinde Wildberg gehört zu den Verlierern. Ihnen winken statt 166'670 nur noch 9270 Franken. , Der Kirchgemeinde Wetzikon sollen neu 82'410 Franken in die Kasse gespielt werden., Fehraltorf soll neu ebenfalls Geld erhalten: 17'860 Franken.

Archivfoto: Heidy Dietiker

Das sind die Gewinner und die Verlierer des neuen Finanzausgleichs

Eigentlich könnte das Jahr 2019 ein angenehmes Jahr für die Zürcher Reformierten werden. Die Landeskirche feiert immer noch 500 Jahre Reformation und erinnert in verschiedenen Aktivitäten an den ersten Zürcher Reformator Huldrych Zwingli.

Viele Kirchgemeinden packt allerdings die Angst, wie sie in der nächsten Generation noch bestehen können (siehe Infografik weiter unten im Text). Sie leiden unter Mitgliederrückgang und finanziellen Belastungen. Wie stark die Zerrkräfte an den Kirchgemeinden wirken, zeigt sich zum Beispiel an den vielen Zusammenschlüssen: Seit Neujahr bilden Turbenthal und Wila eine Kirchgemeinde, per Januar 2018 hatten die Kirchgemeinden Dübendorf und Schwerzenbach fusioniert, bereits per Januar 2015 die Kirchgemeinden Bauma und Sternenberg. Vier weitere Zusammenschlüsse  im Kanton wurden Ende März von der reformierten Kirchensynode genehmigt.

Selbständigkeit bedroht

Bisher hat der Finanzausgleich die reformierten Kirchgemeinden des Kantons Zürich vor grösserem Übel bewahrt. Der mit 4,2 Millionen Franken geäufnete Topf unterstützt die Kirchgemeinden, die auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind.

Ein Beispiel ist die Kirchgemeinde Kyburg. Obwohl sie nur 200 Mitglieder zählt, schaffte sie es in den letzten zehn Jahren irgendwie, finanziell durchzukommen. Dazu trug vor allem der Finanzausgleich bei: Durchschnittlich 88‘000 Franken flossen in das Gesamtbudget der Kirchgemeinde von etwa 200‘000 Franken.  Die bisherige Selbständigkeit sei nun bedroht, fürchtet Rudolf Morf, Finanzvorstand der Reformierten Kirchenpflege Kyburg.

Die Synode der Reformierten Landeskirche entscheidet am 2. Juli an einer ausserordentlichen Versammlung über einen neuen Finanzausgleich. Bereits per Januar 2018 trat eine Teilrevision der Finanzverordnung in Kraft. Von dieser Revision ausgeschlossen blieb jedoch der betreffende Abschnitt über den Finanzausgleich. Da die konkrete Ausarbeitung mehr Zeit benötigte als ursprünglich geplant, musste eine separate Revisionsvorlage ausgearbeitet werden, die ab Anfang 2020 gelten soll, heisst es im Bericht der Reformierten Kirche. So könne der neue Finanzausgleich erstmals 2021 nach der neuen Regelung erfolgen.

«Der neue Finanzausgleich enthält schwerwiegende Mängel, er ist nicht bedarfsgerecht und macht keinen Sinn.»

Rudolf Morf, Finanzvorstand Kirchenpflege Kyburg

Im Kern, so Kirchenpfleger Morf, gehe es dabei um «einen Wechsel von Mensch zu Computerprogramm». Bisher hätten die Kirchgemeinden einen Antrag beim Finanzausgleich einreichen müssen. Ein Gremium entschied dann über die Höhe der Ausschüttung. Neu sollen die Kirchengemeinden neben einem Steuerkraftzuschuss – basierend auf der individuellen Steuerkraft – zusätzlich pro Mitglied entschädigt werden.  

Nur noch 3100 Franken für Kyburg

Rudolf Morf hat den Algorithmus studiert, der hinter den Anträgebewilligungen steckt. Sein Fazit: «Der neue Finanzausgleich enthält schwerwiegende Mängel, er ist nicht bedarfsgerecht und macht keinen Sinn.» Sollte das neue Regime eingeführt werden, so Morf, erhielten viele Kirchgemeinden fast kein Geld mehr aus dem Finanzausgleich. Seine Gemeinde würde es hart treffen: Für Kyburg werden statt bisher 88‘000 Franken nur noch knapp 3100 Franken eingerechnet.

Wird eine Fusion für Kyburg bald Realität?

15.11.2018

Reformierte Kirchgemeinde

Die politische Gemeinden Kyburg und die Illnau-Effretikon haben fusioniert. Beitrag in Merkliste speichern Tatsächlich zeigt die aufgrund der Daten von 2017 erstellte Modellrechnung der Reformierten Kirche des Kantons Zürich viele weitere Oberländer Gemeinden auf, die bei einer Annahme der Revision deutlich weniger Geld aus dem Finanzausgleich erhalten werden. Neben Kyburg würde die Kirchgemeinde Wildberg zu den grossen Verlierern gehören. Sie erhielt bisher im Schnitt pro Jahr rund 166‘700 Franken. Mit dem neuen Finanzausgleich wären es noch knapp 9300 Franken.

Abstriche machen müssten unter anderem auch Bäretswil, Wald und Bauma-Sternenberg.

Vom neuen Finanzausgleich profitieren würden hingegen etwa die Kirchgemeinde Fischenthal, deren Zuschuss von rund 160‘000 auf rund 183‘500 Franken ansteigen würde. Die Kirchgemeinden Dürnten, Hittnau, Wetzikon und Rüti, die bisher gar keine Leistungen bezogen haben, würden neu ebenfalls Geld erhalten. Die Kirchgemeinde Dürnten würde plötzlich ganze 116‘650 Franken erhalten. Ein üppiger Betrag fürs Gesamtbudget: In der Jahresrechnung 2018 verzeichnete die Dürntner Kirchgemeinde Erträge von rund 960‘000 Franken.

Schrittweise Änderung

Da die Änderungen für viele Kirchgemeinden einschneidend sind, soll der Übergang vom bisherigen zum neuen Finanzausgleich durch ein stufenweises Vorgehen über sechs Jahre abgefedert werden. Im Beispiel von Kyburg würden die Beiträge aus dem Topf gemäss Modellrechnung folgendermassen sinken: 74‘100 Franken, 60‘000 Franken, 45‘700 Franken, 31‘510 Franken, 17‘300 Franken, 3100 Franken.

Kein Wunder, dass sich die Kyburger bereits in der Vernehmlassung kritisch über die Vorlage geäussert haben. So forderten sie etwa die Einführung eines Fixbetrages für kleine Kirchgemeinden. Auch die Gemeinde Wildberg übte Kritik, dass der Fixkostensockel zu wenig abgedeckt sei, die Demografie stärker berücksichtigt werden müsse und die Ungleichheit betreffend der Steuererträge juristischer Personen bestehen bleibe. Die Bäretswiler monierten das «Giesskannenprinzip», nach dem nun zusätzliche Gemeinden in den Genuss von Zahlungen kommen und dass das Gesamtvolumen des Augleichs von rund vier Millionen Franken dafür zu klein ist.

«Ein Finanzausgleich, der sich nicht am Bedarf orientiert, ist grundsätzlich falsch konzipiert.»

Rudolf Morf, Finanzvorstand Kirchenpflege Kyburg

Nicht alle betroffenen 30 Kirchgemeinden nahmen die Möglichkeit zur Stellungnahme wahr. Die Gemeinden Rüti, Hittnau und Dürnten, die Gewinner des neuen Systems, lobten hingegen die Erhöhung der Transparenz, die Nachvollziehbarkeit und Vereinfachung der Handhabung.

Notlösung Kirchenaustritt?

«Ein Finanzausgleich, der sich nicht am Bedarf orientiert, ist grundsätzlich falsch konzipiert», so das Fazit von Rudolf Morf. Dies führe in der Kirchgemeinde Kyburg dazu, dass sie aufgrund ihres Steuerertrages pro Mitglied unter eine der beiden Schwellen für die Komponenten des Finanzausgleichs fällt. Für Morf gibt es darum nur eine Lösung: Würden diese guten Steuerzahler aus der Kirche austreten, fliessen die Gelder wieder reichlich. «Im Beispiel Kyburg würden wir statt 3000 Franken plötzlich wieder 60‘000 Zuschuss erhalten. Es lohnt sich also für einige Kirchgemeinden, ihren besten Steuerzahler zu empfehlen, aus der Kirche auszutreten.»

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