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«Alles was fliegt, fasziniert mich»

Susi Huber hat den Pfäffiker Natur- und Vogelschutzverein 25 Jahre als Präsidentin geprägt. In dieser Zeit veränderte sich nicht nur der Verein, sondern auch die Natur, die er schützen will.

Eine ungebremste Neugier treibt Susi Huber an, immer mehr über die Natur wissen zu wollen.

Seraina Boner

«Alles was fliegt, fasziniert mich»

Es war ein Riedpflegeeinsatz, der Susi Huber Ende der 80er-Jahre die Tür in den Natur- und Vogelschutzverein Pfäffikon (NVV) öffnete. «Es war für mich etwas Neues, mich abseits der Wege im Naturschutzgebiet bewegen zu können», blickt die heute 64-Jährige auf ihre Anfänge im Verein zurück.

Es folgten zahlreiche Teilnahmen an Exkursionen und weiteren Arbeitseinsätzen. «So fiel ich natürlich schnell auf und bald folgte die Anfrage für einen Posten als Vorstandsmitglied», sagt Huber.

«Noch immer haben viele Menschen Angst vor Fledermäusen und denken, sie seien gefährlich und würden Krankheiten übertragen.»

Susi Huber, Präsidentin NVV Pfäffikon

Die Faszination der Natur liegt für sie im Versteckten. «Wenn man sich Zeit nimmt, einfach mal hinsitzt und gut auf das achtet, was um einen herum passiert, kann man erstaunlich vieles entdecken.»

Seien es Details an Pflanzen, die man sieht, oder der Ruf eines Vogels, den man hört. «Zuerst fragt man sich dann, was ist das für ein Vogel? Doch die Neugier geht weiter – was braucht dieser Vogel, um hier zu leben? Was macht er im Winter?»

Begegnung am frühen Morgen

Um diesen Wissensdurst zu stillen, absolvierte Susi Huber Anfang der 90er-Jahre den Grundkurs in Vogelkunde, anschliessend den Feldornithologiekurs und die Ausbildung zur Exkursionsleiterin. Als sie 1994 das Präsidium des NVV übernahm, widmete sich voll und ganz dem Naturschutz.

Dazu gehört bis heute die Mitarbeit in der Freiwilligengruppe, die jedes Frühjahr die Brutvögel am Pfäffikersee kartiert, also zählt und protokolliert. Bei einem solchen Einsatz machte Huber eine Begegnung mit einem Tier, das fortan ihr Leben mitprägen sollte.

«Als ich morgens am See war, flog irgendetwas um die Bäume herum – für einen Vogel war es zu dieser Uhrzeit definitiv noch zu früh.» Diese Beobachtung einer Fledermaus weckte in ihr erneut die Neugier. «Alles was fliegt, fasziniert mich.»

Rücksicht bei Sanierungen

Es folgte die Ausbildung zur lokalen Fledermausschützerin. Der Kanton beschäftigt einige wenige Personen, an die man sich bei Problemen mit den Tieren wenden kann.

«Doch ohne Unterstützung aus den lokalen Vereinen können die diversen Anfragen aus der Bevölkerung nicht abgedeckt werden», sagt Huber. «Noch immer haben viele Menschen Angst vor Fledermäusen und denken, sie seien gefährlich und würden Krankheiten übertragen.»

«Genauso wie der Mensch Recht auf Lebensraum hat, sind auch die Fledermäuse auf ihren Platz angewiesen – und das schon seit Millionen von Jahren.»

Susi Huber, Präsidentin NVV Pfäffikon

Meist würden sich die besorgten Personen, die sich via Fledermaus-Nottelefon melden, jedoch primär ab den Hinterlassenschaften der Tiere ärgern. «Dabei ist der Kot von Fledermäusen ein idealer Dünger», sagt Susi Huber. «Wenn sich eine Fledermaus in den Kasten des Rolladens einnistet und es auf dem Fensterbrett in der Folge oft ‹Chegeli› hat, stellt man am besten direkt einen Blumentopf darunter.»

Zur Beratung gehört es auch, Hauseigentümern Tipps zu geben, zu welcher Jahreszeit man Haussanierungen oder Dachstockausbauten durchführen soll. Dies, um Rücksicht auf die Tiere zu nehmen, die in den Ritzen des Hauses wohnen. «Genauso wie der Mensch Recht auf Lebensraum hat, sind auch die Fledermäuse auf ihren Platz angewiesen – und das schon seit Millionen von Jahren.»

«Zeit für eine Veränderung»

Ihr grosses Interesse an Fledermäusen und Vögeln liess Susi Huber immer wieder in das Jahresprogramm des NVV einfliessen. «Doch mir war es stets wichtig, dass das Angebot ausgewogen ist», sagt sie. «Das ist das Schöne an diesem Verein, es geht nicht nur um Tiere oder Pflanzen, man kann selber Akzente setzen.»

Dies gelte auch für die nächste Präsidentin oder den nächsten Präsidenten. Susi Huber wird ihr Amt im nächsten Frühling nach 25 Jahren abgeben. «Es ist Zeit für eine Veränderung», sagt sie. Zwar habe man die Mitliederzahl von rund 400 Personen über die Jahre halten können, das Durchschnittsalter sei jedoch markant gestiegen.

«Naturschutz betrifft auch die Jungen. Ein jüngerer Präsident oder eine jüngere Präsidentin würde wohl auch jüngeres Publikum anziehen – das hoffe ich zumindest.» Sie werde dem NVV nach wie vor als Mitglied erhalten bleiben. «Doch ohne den ständigen Organisationsdruck im Hinterkopf.» Zurzeit führt sie aber noch einen Vogelgrundkurs durch.

Gezwitscher hat abgenommen

Heute höre man markant weniger Gesänge der Vögel als noch vor 30 Jahren. «Der Lärm, den die Menschen verursachen hat stetig zugenommen und überdeckt das Vogelgezwitscher.» Dazu komme, dass auch die Vögel, wie die Fledermäuse und viele andere Lebewesen, Stück für Stück ihren Lebensraum verlieren.

«Ich habe viele Telefone von besorgten Einwohnern erhalten, die sich wunderten, warum im Winter keine Amseln an ihre Futterstellen kommen.»

Susi Huber, Präsidentin NVV Pfäffikon

Nach unzähligen Vogelbeobachtungen hat Susi Huber nach wie vor einen Lieblingsvogel: den Mauersegler. «Beim Schulhaus Obermatt konnten wir bereits in den 90er-Jahren zwölf Nistkästen anbringen, die nach rund drei Jahren dann auch bezogen wurden.»

Über die Jahre folgten weitere Installationen, so dass heute 44 Kästen den Tieren einen Ort zum Nisten bieten. «Es ist wunderschön zu beobachten, wie diese Vögel elegant durch die Luft segeln, und ihren Rufen zu lauschen», sagt Huber. «Das ist nicht mehr selbstverständlich.»

Mit Informationen zum Erfolg

Dazu tragen auch Krankheiten bei, wie etwa das Amselsterben im letzten Jahr. «Ich habe viele Telefone von besorgten Einwohnern erhalten, die sich wunderten, warum im Winter keine Amseln an ihre Futterstellen kommen», erzählt Huber. «Doch das Usutu-Virus hatte die ganze zweite Brut im letzten Jahr dahingerafft.»

Die Bevölkerung mit genügend Informationen zu versorgen, sei für sie ein wichtiger Bestandteil des Naturschutzes. «Es ist eine schöne Sache zu zeigen, was es in der eigenen Umgebung alles gibt, und vor allem, was es braucht, damit man es bewahren kann», sagt Susi Huber. «Gerade hier um den Pfäffikersee gibt es so viel zu entdecken – und das kann man nicht einfach in einem Video anschauen, das muss man erleben.»

Auskunft über die Tätigkeit im Vorstand erteilen Präsidentin Susi Huber, 044 950 23 01, oder Vizepräsidentin Edith Küpfer, 043 288 85 70.  Oder via E-Mail an nvvpfaeffikon@gmail.com.

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