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Mädchen als «Östrogenfreundinnen», Jungen als «Spermien-Geheimagenten»

Die Pfäffiker Schülerinnen und Schüler werden ab 2020 die Workshops eines neuen sexualpädagogischen Präventionsprojektes besuchen. Ein grosser Vorteil sei die neutrale Kursleitung.

Ab nächstem Jahr wird der sexualkundliche Unterricht in Pfäffikon mit dem MFM-Projekt ergänzt.

Archivfoto: Seraina Boner

Mädchen als «Östrogenfreundinnen», Jungen als «Spermien-Geheimagenten»

Unerwünschte Berührungen, aufdringliche Kommentare – laut einer kürzlich veröffentlichten Studie von Amnesty International Schweiz haben über die Hälfte aller Frauen schon sexuelle Belästigung erfahren. 22 Prozent berichten gar von Geschlechtsverkehr gegen den eigenen Willen. 

«Nur was ich schätze, kann ich schützen!» So lautet der Leitgedanke des sexualpädagogische Präventionsprojekt «MFM-Projekt». Die Idee stammt ursprünglich aus Deutschland und steht für «Mädchen-Frauen-Meine Tage» oder «Mission-For-Men». Mit Begriffen wie «Östrogenfreundinnen» und Spermien als «Geheimagenten» lernen damit nicht nur Schülerinnen sondern auch Schüler der Mittelstufe bereits in vielen Schweizer Gemeinden in den Workshops auf spielerische Weise den verantwortungsvollen Umgang mit Gesundheit, Sexualität und Fruchtbarkeit.

«Das­ ausführliche Besprechen der Menstruation bereitet die Mädchen auf ihre monatliche Blutung vor, schenkt Vertrauen und weckt Stolz.»

MFM-Projektpräsentation

Das Präventionsprojekt basiert auf der Überlegung, über den eigenen Körper Bescheid zu wissen und ihn zu schätzen. «Dies hat einen grossen Einfluss auf das Selbstwertgefühl der Kinder und ihre Selbstbejahung als Mann sowie als Frau», sagt Dominique Dubs, Leiter der Pfäffiker Schulverwaltung. Darum hat die Schulpflege die Durchführung von MFM-Projekten in den 5. Primarklassen an der Schule Pfäffikon bewilligt. 

In Rolle der Hormone schlüpfen 

Die Kurse werden nach Geschlechtern getrennt durchgeführt. Der Workshop für Mädchen trägt den Titel «Die Zyklus-Show». «Dabei nehmen die Mädchen die Rolle der Hormone ein und erleben, was diese in ihrem Körper jeden Monat wieder neu bewirken», heisst es in der Projektpräsentation. Dabei entdecken sie die Zeichen, die ihnen verraten, wie sich ihr Körper vorbereitet und was im Zyklus momentan geschieht. «Das ausführliche Besprechen der Menstruation bereitet die Mädchen auf ihre monatliche Blutung vor, schenkt Vertrauen und weckt Stolz.»

Analog dazu geht es im Jungenworkshop, der wie der Mädchenkurs eintägig ist, um das Zeugungs- und Befruchtungsgeschehen sowie um die körperlichen und seelischen Veränderungen während der Pubertät . In einem Stationenspiel schlüpfen sie in die Rolle der Spermien. «Auf ihrer Reise durch den männlichen Körper besuchen sie ein Spezialausbildungscamp und erhalten die Ausrüstung für ihren Geheimauftrag als Agenten», heisst es in der Präsentation. Schliesslich gelangen sie durch das «Gebärmutterhotel» ans Ziel ihrer Reise. Hier erfahren sie auch, warum Mädchen einen immer wiederkehrenden Zyklus haben. 

Eltern werden miteinbezogen

Die Workshops, die von Kursleiterinnen und Kursleitern des Vereins MFM-Projekt Deutsche Schweiz durchgeführt werden, richten sich in erster Linie an die Schülerinnen und Schüler der 5. Klasse im Alter zwischen 10 und 12 Jahren. Die Eltern als wichtige Bezugspersonen werden ebenfalls in separaten Vorträgen umfassend informiert. «Sie werden ermutigt, ihren Söhnen und Töchtern einen positiven Zugang zu ihrem Körper zu vermitteln und mit ihnen im Gespräch zu bleiben», heisst es seitens der Projektverantwortlichen. In Städten wie Uster oder Illnau-Effretikon werden die Kurse schon seit längerer Zeit durchgeführt, andere Gemeinden wie beispielsweise Weisslingen oder Wetzikon haben mitgezogen. 

«Wir haben zwar gewusst, dass umliegende Schulen ebenfalls Interesse am Projekt zeigen oder dieses bereits lanciert haben», sagt Dominique Dubs von der Pfäffiker Schulverwaltung. «Doch für den Besuch eines Kurses bot sich terminlich eine Schule im Zürcher Unterland an, wo Susanne Kirov, die Schulleiterin des Schulhauses Steinacker, schliesslich einen Augenschein nehmen konnte.»

«Die Verantwortung für die Sexualerziehung liegt in erster Linie bei den Eltern.»

Dominique Dubs, Leiter der Pfäffiker Schulverwaltung

Grundsätzlich ist sexualkundlicher Unterricht Gegenstand der kantonalen Volksschullehrpläne und Teil des Lehrplan 21 im Fachbereich «Natur, Mensch, Gesellschaft». Gemäss Lehrpersonalgesetz müssen die obligatorischen Lehrmittel und -materialien verwendet werden. «Darüber hinaus gilt die Methodenfreiheit für die Lehrpersonen», sagt Dubs. «Die Verantwortung für die Sexualerziehung liegt aber nach wie vor in erster Linie bei den Eltern.»

Standard über die ganze Schule

Der Anstoss für ein MFM-Projekt in Pfäffikon kam den auch seitens der Elternmitwirkung. «Sie wollten Anfang Jahr in Erfahrung bringen, ob die Schule wie in anderen Gemeinden bereit wäre, dieses Projekt zu prüfen, oder ob sie privat Kurse organisieren sollen», sagt Dominique Dubs. An der Schulleitungskonferenz im Februar sei das Thema dann besprochen und für sinnvoll befunden worden. «Insbesondere wurde  hervorgehoben, dass neutrale, nicht zum Kind oder Erziehungsverantwortlichen in Abhängigkeit stehende Personen den Workshop durchführen.» Zudem würde ein Standard über die ganze Schule gesetzt, welchen allen Kindern von Pfäffikon zu Gute komme.

Die Kosten über 10’500 Franken werden regulär in das Budget 2020 aufgenommen. Die ersten Pfäffiker Kurse finden im ersten Semester des Schuljahres 2020/21 statt. 

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