Politik

«Eine Kuh wird aufgrund der Viehschau nicht besonders bevorzugt»

Martin Keller möchte mit seiner Kuh Joy an der Viehschau Fehraltorf den Titel «Miss Protein» gewinnen. Ob eine Kuh eiweissstark ist, hänge gemäss Keller von den Genen ihres Vaters, aber auch von der Fütterung ab.

«Eine Kuh wird aufgrund der Viehschau nicht besonders bevorzugt»

Den Schöneuterpreis, Miss Fehraltorf und Miss Protein: Diese Titel werden an der Fehraltorfer Viehschau am kommenden Samstag verliehen. Einer, der sehr gute Chancen auf einen Sieg hat, ist Martin Keller aus Fehraltorf mit seiner Kuh Joy. Der 54-jährige Landwirt möchte mit ihr den Titel «Miss Protein» abstauben – wie er es bereits schon mehrere Male getan hat – wenn auch mit verschiedenen Tieren.

Das Prinzip ist simpel: Die Kuh mit dem höchsten Gehalt an Eiweisskilogramm und mindestens 3.3 Prozent Protein in ihrer Milch erhält von der Viehschaukommission Fehraltorf den Titel Miss Protein – gemessen wird dies an den letzten zwei Laktationen, also Milchabgaben, des Tieres (siehe Box). 

Genügend Rohfasern benötigt 

Wie Martin Keller sagt, müssen alle Landwirte, die sich Chancen auf einen Miss-Protein-Sieg erhoffen, die Milchdaten ihrer Kühe zehn Tage vor der Viehschau bei der Kommission einreichen. «So viel mir ist, kämpfen dieses Jahr vier Bauern, ich eingeschlossen, um diesen Titel.» 

Ob eine Kuh proteinstark- oder  schwach ist, könne man ein Stück weit als Landwirt beeinflussen, sagt Keller. Zum Beispiel durch die Zucht. «Ein eiweisspositiver Stier, also ein Tier mit viel Protein in den Genen, vererbt diese Eigenschaft in den meisten Fällen.» Die Tochter eines eiweisspositiven Stiers sei dann später eine potenzielle Kandidatin für den Miss-Protein-Titel.

Auch durch das Futter könne man den Eiweissgehalt etwas steuern. «Genügend Rohfasern im  Futter der Kühe verbessern den Gehalt», so der Landwirt. Er betont, dass eine bestimmte Fütterung jedoch immer die gesamte Herde betreffen würde, nicht nur eine einzelne Kuh. «Man wählt dann aus der Herde die aus, mit der man sich die besten Chancen ausmalt.» Eine Kuh würde nicht anders behandelt, gefüttert oder besonders bevorzugt werden, nur weil man sie an der Viehschau präsentieren will. «Sie muss in der Herde integriert sein», fasst Keller zusammen. 

Eine Viehschau, kein Dorffest

Der Tag der Viehschau sei mit viel Aufwand verbunden. «Die Kühe werden gewaschen, zum Schauplatz transportiert und dort noch einmal gewaschen. Sie scheissen nämlich im Transporter, wenn sie nervös sind.» 

Es sei schade, dass Viehschauen immer mehr an Interesse verlieren. «In vielen Gemeinden wird der Anlass mittlerweile wie ein Dorffest organisiert und ein Umzug durchgeführt – nur so kommen Zuschauer.» In Fehraltorf sei das aber keine Option. «Das würde die Tiere zusätzlich stressen.»

Die Viehschau in Fehraltorf findet am Samstag, 25. Mai, ab 11 Uhr statt. Um 15.10 Uhr wird die Miss Fehraltorf gekürt. Weitere Informationen unter: www.vv-fehraltorf.ch.

So wird der Proteingehalt in der Milch gemessen

Der Proteinanteil der Milch einer Kuh wird in Eiweisskilogramm gemessen, anhand der letzten beiden Laktationen der Kühe. Als  Laktation bezeichnet man die Milchabgabe einer Kuh – zu dieser kommt es, sobald sie ein Kälbchen gebärt. Zwischen zwei Laktationen liegen meist 305 Tage. Ein Beispiel: Joy hatte ihre erste Laktation im Juni 2014, ihre zweite im Juli 2015. Die erste Laktation schloss Joy total mit 8258 Kilogramm Milch, darin 298 Eiweisskilogramm, ab. In der zweiten Laktation gab sie 10 024 Kilogramm Milch und 353 Eiweisskilogramm. Um den Wert für die Viehschau 2016 zu messen, hatte man die beiden Eiweisskilogrammwerte zusammengezählt und diesen Wert mit jenem der anderen Kühe verglichen. Die Kuh mit dem höchsten Wert hat dann den Titel «Miss Protein» gewonnen – Joy war es aber nicht. 

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