«Es war immer mein Traum, die Frau eines Bauern zu werden, sechs Kinder zu haben und in einem hübschen Haus am Vierwaldstättersee zu leben.» Barbara Grunder lächelt verschmitzt. «Es ist dann nicht ganz so gekommen», fügt sie an.
Die 76-Jährige lebt mittlerweile zwar seit 44 Jahren auf einem Bauernhof – jedoch in Bisikon bei Effretikon, nicht am Vierwaldstättersee. Den Tierlihof, wie er offiziell heisst, teilt sie sich mit einem Pferd, einem Pony, fünfAmerican Miniature Horses, einem Esel, einem Hund, einer Katze und einigen Hühnern. Neben den Ställen mit grossen Auslaufplätzen befindet sich das Wohnhaus. Dahinter zieren grosse Weiden die Landschaft. Die Tiere, abgesehen von Hund und Katze, sichern das Einkommen von Barbara Grunder: Sie bietet pferdegestützte Therapien für körperlich und geistig sowie seelisch beeinträchtige Kinder und Erwachsene an (siehe Box).
Pferd für menschlichen Erfolg missbraucht
Ursprünglich lernte Grunder Kindergärtnerin. Schon bald nach der Ausbildung wechselte sie jedoch die Branche und war als medizinische Laborantin tätig, ehe sie die Welt der Medien und Werbung entdeckte. «Ich wollte in allen Bereichen Erfahrungen sammeln.» Schliesslich landetet die damals 30-Jährige bei der Organisation Pro Infirmis – und kam dort zum ersten Mal in Kontakt mit beeinträchtigen Menschen.
Zeitgleich war das Reiten eines von Grunders grössten Hobbys. «Meine Geschwister waren Reiter und mein Vater war Offizier bei der Schweizer Armee, die damals teilweise noch beritten war. Der Pferdevirus lag also in der Familie.» Sie habe die Möglichkeit gehabt, ihre Reitausbildung in guten, anerkannten Ställen zu erlangen.

