Herr Bazzana, Sie sind vor kurzem von einer Velotour von Athen nach Zürich nach Hause gekommen. Was hat Sie dazu bewogen, diese anzutreten?
Simon Bazzana: Letzten November fuhr ich mit dem Fahrrad von Zuhause nach Venedig, um von da mit der Fähre nach Patras in Griechenland überzusetzen. Danach fuhr ich in den Süden vom Peleponnes, wo ich einige Zeit in einem Landwirtschaftsprojekt tätig war. Es war klar für mich, auch den Rückweg so zu bestreiten. Diese Art zu Reisen entspricht meinem ökologischen Gewissen sowie meiner Überzeugung, verlangsamt zu leben. Ausserdem startete ich ein Crowdfunding, um die Flüchtlingsorganisation Khora in Athen zu unterstützen. Dort habe ich selber freiwillig mitgearbeitet. Ziel war es, pro gefahrenen der insgesamt 3000 Kilometer einen Euro einnehmen zu können.
Spenden für Flüchtlinge, eine Organisation in Griechenland – können Sie das noch weiter ausführen?
Mir ist aufgefallen, dass die Bewegung der Geflüchteten, welche vor einiger Zeit hochaktuell war, aus den Medien verschwunden ist. So fürchte ich, dass auch das gesellschaftliche Bewusstsein dazu neigt, dies zu vergessen. Dass nach wie vor hunderttausende Menschen an Europas Aussengrenze festsitzen, in Ländern welche überfordert und wo die Zustände desolat sind, scheint die Solidarität unter den Staaten und Politisierenden nicht zu fördern, im Gegenteil. Es sind kleine Organisationen wie Khora, bei denen Freiwillige auf Spendenbasis arbeiten, um die betroffenen Menschen den Mittelpunkt zu stellen und ihnen so adäquat wie möglich zu helfen. Ich würde sagen, diese halten die Fahne der Menschlichkeit für Europa hoch in dieser humanitären Krise.
Ihre Crowdfunding-Velotour hat in Griechenland gestartet, Sie haben diverse Länder durchfahren. Wo hat es Ihnen am besten gefallen?
Griechenland ist ein Traum, was die Kulisse anbelangt, die ich jeden Tag miterleben durfte. Von Serbien hatte ich keine Vorstellung und es war ein Land, welches mir ungemein gefiel. Ich kann das nicht an etwas Bestimmtem festmachen, es war das gesamte Erlebnis. Die Leute sind unglaublich freundlich, viele Menschen leben in kleineren Dörfern, die Stimmung ist entspannt und die Umgebung nett. Da das Land nicht in der EU ist, hat es noch etwas Wildes und ‹Nicht-standardisiertes›.
Wie haben Sie Ihre Route definiert?
Meist habe ich von Tag zu Tag entschieden, wie ich fahre. Von Athen bis Belgrad fuhr ich nie auf separaten Fahrradwegen, da diese inexistent sind. Danach gaben mir die Donau und der populäre Donauradweg die Richtung vor. Richtig gute Fahrradwege, welchen ich vertraue zu folgen, fand ich seit der Österreichischen Grenze.

