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Politik

«Mit Hotels alleine kann man die Wildbienen nicht retten»

Immer wieder ist die Rede vom Bienensterben, das auch für die Menschen fatale Folgen haben könnte. David Szalatnay vom Lindauer Strickhof erklärt im Interview, warum gut gemeinte Schutzräume zur Todesfalle werden können.

Herr Szalatnay, der Film «More Than Honey» hat vor ein paar Jahren den Fokus auf das Bienensterben gelegt und vielen Menschen die Augen geöffnet. Wie steht es heute um unsere Bienen?
David Szalatnay: Der Film hat tatsächlich viel ausgelöst und wohl einige aufgerüttelt. Szenen die zeigen, wie etwa in China Menschen mit Pinseln Blüten bestäuben müssen, machen Eindruck. Trotzdem widerspiegelt dies nur einen kleinen Teil der Wahrheit, denn ich konnte 2014 die grössten Apfelanbaugebiete in China selber besuchen. Dort habe ich gesehen, wie auch chinesische Obstbauern mit Wild- und Honigbienen arbeiten. Der Film nimmt Extreme, die zwar nicht falsch sind, zeichnet aber ein Bild, das ausschliesslich in schwarz und weiss gemalt ist und mit der Art der Imkerei in der Schweiz nur sehr wenig zu tun hat. Es gibt über 500 Bienenarten in der Schweiz und es sind nicht alle bedroht. Gerade von der Honigbiene gibt es zum Beispiel im Kanton Zürich fast zu viele Völker.

« Der Gedanke, man stellt ein Bienenhotel auf und damit ist die gute Tat getan, ist nicht zu Ende gedacht. »

David Szalatnay

Was sind die Folgen dieser Übervölkerung?
Bei zu vielen Bienen auf engem Raum können sich Krankheiten und die gefährliche Varroamilbe besser verbreiten. Zudem ist das Nahrungsangebot beschränkt. Wenn zum Beispiel im Frühsommer der Raps verblüht ist und die blumenreichen Wiesen gemäht sind, finden blütenbesuchende Insekten ausserhalb der Siedlungsgebiete oft nur noch wenig Futter. 

Gibt es im Obstbau genügend Insekten für die Bestäubung der Kulturen?
Eigentlich ja, aber es braucht genügend Bestäubung zur richtigen Zeit. Hier kommen Wildbienen und Hummeln ins Spiel. Sie fliegen schon bei tieferen Temperaturen los, wenn die Honigbienen noch im Stock bleiben. Wildbienen und Hummeln fungieren als Puffer und so ergänzen sich die verschiedenen Arten im System gegenseitig.

Zur Person: 
David Szalatnay leitet den Bereichs Spezialkulturen am Strickhof. Seit 2011 ist er als Obstbauberater tätig und beschäftigt sich unter anderem mit Pflanzenschutzfragen und mit Bienen. Der 40-Jährige lebt in Schlatt (TG), hat selber die Imkerausbildung absolviert und über mehrere Jahre eigene Völker betreut. 

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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