«Man lernt am besten, wenn man sich selber tätowiert»
Tattoos, Piercings und bald auch Permanent-Make-Up: Mara Krauer betreibt das Tattoo-Studio «Maras Wonderland» in Hittnau. «Wer tätowiert ist, hat meist auch ein Piercing – und umgekehrt», sagt die 32-Jährige. Ihre Leidenschaft gilt jedoch dem Tätowieren. Während ihrer Ausbildung hat sie einen Raum zum Üben gesucht und ist in Hittnau fündig geworden. Obwohl sie eigentlich Kunst studieren wollte, absolvierte sie eine Ausbildung im Detailhandel, wo sie jedoch «immer unglücklich war». Jetzt kann sie ihre künstlerische Seite auf der Haut von anderen Menschen ausleben.
Frau Krauer, Ihr Geschäft ist seit letztem Mai geöffnet, Ihre Tätowierausbildung haben Sie aber erst im Herbst abgeschlossen – wie passt das zusammen?
Mara Krauer: Tätowierer ist kein anerkannter Beruf, für den es eine bestimmte Ausbildung braucht. Jeder kann eine Tätowiermaschine kaufen und ein Studio eröffnen. Darum gibt es in der Kosmetikwelt auch so viele schwarze Schafe. Das habe ich selber erlebt, als ich einen Anbieter für Permanent-Make-Up suchte. Darum habe ich einen Kurs in einem Studio in Hägendorf besucht. Dieser dauerte rund zehn Monate und zum Abschluss musste ich eine praktische Prüfung ablegen. In meinem Studio habe ich bereits vorher Kunden bedient, die jedoch eine Einverständniserklärung unterschreiben mussten.
«Tätowieren ist kein Wellness!»
Mara Krauer
Wer war die erste Person, die Sie tätowiert haben?
Ich selber. Das gehört zur Ausbildung. Man übt zwar auf Kunst- oder Schweinehaut aber Menschenhaut ist noch einmal etwas ganz anderes. Man lernt am besten, wenn man sich selber tätowiert, wenn man direkt spürt, ob man etwa zu viel oder zu wenig Druck mit der Nadel ausübt. Für meine Abschlussprüfung hat sich dann mein Mann als Model zur Verfügung gestellt.
Freiwillig?
So halb (lacht). Ich glaube, er hat sich dazu verpflichtet gefühlt und es darum freiwillig angeboten. Es war auch nicht sein erstes Tattoo. Doch es war schrecklich. Es fehlte an professioneller Distanz und er sagte mir darum ziemlich ungefiltert, dass ich ihm grosse Schmerzen bereite. Ich war zwar voll motiviert und traute mir das Sujet auch zu, aber seine Reaktion hat mich sehr verunsichert und ich fragte mich die ganze Zeit, ob ich etwas falsch mache. Doch Tätowieren ist kein Wellness! Mittlerweile durfte ich ihm doch einige weitere Tattoos stechen.
Haben die meisten Ihrer Kunden bereits Tätowierungen, wenn Sie zum ersten Mal zu Ihnen ins Studio kommen?
Das ist ganz unterschiedlich. Für viele ist es auch das erste Tattoo. Bisher sind es zudem vor allem Frauen, die zu mir kommen. Als weibliche Tätowiererin habe ich einen Vorteil – gerade bei Kundinnen, die noch etwas scheu sind und vor ihrem ersten Tattoo stehen. Da ist es wohl einfacher, zu mir zu kommen, als zu einem grimmigen, volltätowierten Bikertypen.
«Meiner Mutter musste ich versprechen, dass ich Gesicht und Hals unberührt lasse.»
Mara Krauer
Sie wirken auf den ersten Blick tatsächlich nicht wie die klassische Tätowiererin, Ihre Arme sind ja gar nicht tätowiert.
Ich stamme aus einer sehr konservativen, italienischen Familie. Als ich mir im Alter von 20 Jahren mein erstes Tattoo – eine Hundepfote am Bein – stechen liess, war das für meine Mutter schon sehr schlimm. Darum entschied ich mich, nur das eine Bein weiter zu tätowieren. Mittlerweile habe ich Tattoos an beiden Beinen, am Rücken, Schlüsselbein… Meiner Mutter musste ich jedoch versprechen, dass ich Gesicht und Hals unberührt lasse.
Gibt es ein bestimmtes Sujet, das Sie am liebsten stechen?
Mich faszinieren Frauengesichter, bei diesen Bildern kann ich mich am besten beweisen. Ich habe schon Kleopatra, Amazoninnen oder weibliche Totenköpfe tätowiert. Totenköpfe sind sowieso eine Leidenschaft von mir, ich trage selber einige auf der Haut. Da das Sujet fest mit der Tätowierbranche verknüpft ist, habe ich auch mein Logo um einen Totenkopf gestaltet. Bei mir zu Hause ist das Motiv ebenfalls überall zu finden. Ich sammle freundliche Totenköpfe – je farbiger und glitzeriger, umso besser.
Sie wohnen mit Ihrem Mann in Russikon, Ihr kleines Studio befindet sich relativ versteckt im doch etwas abgelegenen Hittnau – haben Sie überhaupt genügend Kunden, um von dieser Arbeit zu leben?
Der Raum ist zwar nicht an einer Hauptverkehrsachse, aber ich habe sogar Kunden, die aus Biel zu mir anreisen. Ich denke, gerade weil das Studio etwas versteckt ist, wird es von den Kunden geschätzt. Grosse Läden mit Glasfronten, wo jeder Passant reinschauen kann, mögen viele Kunden gar nicht. Man ist da so ausgestellt. Mein Studio läuft sehr gut, ich konnte meine Anstellung im Detailhandel bereits aufgeben, da ich oft ausgebucht bin. Und dies obwohl mir vorher von Hittnau gerade wegen der Lage abgeraten wurde. Doch gerade die Mund-zu-Mund-Propaganda funktioniert hier sehr gut – vielleicht gerade weil es ein ländliches Gebiet ist.
Weitere Informationen zum einjährigen Jubiläum von «Maras Wonderland» sind online zu finden unter www.maras-wonderland.com.
