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«Es ist schwierig nachzuweisen, was Bedrohung und Verlust bedeutet»

Ernst Ott hat Ende März das Präsidium der Vereinigung Pro Pfäffikersee abgegeben. Im Interview blickt er auf seine Amtszeit und die Entstehung des Naturzentrums Pfäffikon zurück, für das er sich über Jahre an vorderster Front einsetzte.

Ernst Ott setzt sich seit Jahrzehnten für den Naturschutz ein. , Am Wochenende vom 13./14. April wird das Naturzentrum Pfäffikersee seine Türen öffnen. Noch laufen letzte Vorbereitungen. , Ernst Ott ist Präsident des Vereins Naturzentrum. Hier mit Zentrumsleiterin Antonia Zurbuchen. , Er trieb das Projekt mit der VPP weiter, bis es im Sommer 2018 zum Spatenstich kam. , Beim Spatenstich mit dabei waren auch Vertreter der Gemeinde und des Kantons. , Ende Oktober konnte das Naturzentrum Aufrichte feiern. , Der Neubau des Naturzentrums und die Finanzierung von Projekten und Ausstellungen kosten insgesamt rund 2,8 Millionen Franken.

PD

«Es ist schwierig nachzuweisen, was Bedrohung und Verlust bedeutet»

Ernst Ott, Sie sind seit über dreissig Jahren Mitglied der Vereinigung Pro Pfäffikersee (VPP), die sie die letzten acht Jahre auch präsidiert haben. Was waren für Sie die einschneidendsten Veränderungen rund um den See in dieser Zeit?
Ernst Ott: Die Nutzung des Gebiets als Naherholungsarena hat sich unglaublich intensiviert. Der Drang der Menschen, sich am Pfäffikersee aufzuhalten, ist auch absolut nachvollziehbar. Doch heute geht es nicht mehr nur um Verweilen und Geniessen. Die Menschen sind rund um die Uhr aktiver, wollen etwas machen, sich bewegen, baden, paddeln. An schönen Tagen halten sich bis zu 6000 Personen fast gleichzeitig am Pfäffikersee auf – und das funktioniert eigentlich erstaunlich gut. Aber all diese Aktivitäten mit Naturschutz vereinbaren zu wollen ist schwierig und Beschränkungen stossen nicht überall auf Verständnis. 

Lebensraum für Fledermäuse statt Parkplätze

11.02.2019

Baustelle des Naturzentrums Pfäffikon

Die Bauarbeiten am neuen Naturzentrum Pfäffikon sind in vollem Gang, in zwei Monaten soll es eröf Beitrag in Merkliste speichern Und kann dann wohl schnell zu einer emotionalen Angelegenheit werden. 
Wenn die Leute ausrufen, dann steckt dahinter oft die Angst oder die Befürchtung, dass etwas gefährdet wird, das einem wichtig ist. Aber wenn eine Diskussion entbrannt, ob nun eine Mutter mit ihrem Kinderwagen oder ein brütender Vogel mehr Wert hat, kommt man nicht weiter. Ich habe es oft erlebt, dass die Leute dann einfach blockieren und gar nicht mehr richtig zuhören. Darum war es mir immer wichtig, das Zuhören zu fördern – auch innerhalb der VPP. Man muss die Meinung des Anderen nicht immer akzeptieren, aber stets respektieren. So gelang es uns auch, eine neue Schutzverordnung zu erarbeiten, hinter der heute auch die Fischer stehen können, obwohl sie zuerst dagegen waren. Ganz ohne Emotionen kann man wiederum auch nichts bewegen. Das ist eine der Hauptaufgaben der Vereinigung und auch des neuen Naturzentrums am Pfäffikersee: Gute Gefühle wecken aber Emotionen nicht manipulativ schüren. 

«Ich bin zwar nicht der Vater des Zentrums, aber sicher der Motor – mit Zuckerbrot und Peitsche.»

Ernst Ott, ehemaliger Präsident der VPP

Das Naturzentrum wird am Wochenende zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert (siehe Box). Dieses war zu Beginn ja viel kleiner angedacht, als es heute da steht.
Die Idee zum Naturzentrum kam ursprünglich von der VPP und fand beim Pfäffiker Gemeinderat Unterstützung. Am Stogelenweg war ein erstes Bistroprojekt geplant und darin sollte es einen kleinen Raum geben, den der Gemeinderat der VPP angeboten hatte, um dort eine kleine Ausstellung einzurichten – sozusagen als Satellit der Naturstation Silberweide am Greifensee. Als das Projekt dann nicht zustande kam, trieb die VPP die Ursprungsidee weiter mit den zusätzlichen Trägerorganisationen Birdlife und Pro Natura. Der Kanton hatte zwar mit der Zeit Befürchtungen, wir würden die Silberweide konkurrenzieren, doch wir sehen in unserem Angebot eine passende Ergänzung.  

Am Wochenende vom 13. und 14. April feiert das Naturzentrum Pfäffikersee Eröffnung. Am Samstag von 10 bis 17 Uhr und am Sonntag von 10 bis 16 Uhr können Interessierte die neue Ausstellung mit einem interaktiven Relief erkunden sowie an zahlreichen Ständen die Lebensräume rund um den Pfäffikersee mit seinen Bewohnern spielerisch kennenlernen. Für Verpflegung sorgt eine Festwirtschaft im Festzelt am Seequai. Parkplätze stehen bei der Firma Huber&Suhner an der Ecke Tumbelen- und Pilatusstrasse zur Verfügung. Das neue Naturzentrum ist fortan von April bis Oktober jeweils am Mittwoch von 14 bis 18 Uhr und am Wochenende von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Besuch der Ausstellung ist kostenlos. 

Sie haben sich seit Jahren für dieses Angebot eingesetzt, sind auch Präsident des Vereins Naturzentrum Pfäffikersee – man darf Sie wohl mit gutem Gewissen als Vater des Naturzentrums bezeichnen?
Sagen wir es so: Die Idee ist mir eingefahren und nie mehr raus. Ich war begeistert und konnte weitere Leute damit anstecken.  Seit sieben Jahren arbeite ich mit dem Team auf den Moment der Eröffnung hin. Kürzlich haben sich sogar rund 80 Helfer dazu bereit erklärt, sich ehrenamtlich für das Naturzentrum einzusetzen. Das freut mich fast am meisten. Ich bin zwar nicht der Vater des Zentrums, aber sicher der Motor – mit Zuckerbrot und Peitsche. (lacht)

Hatte das Naturzentrum einen Einfluss darauf, dass Sie das Präsidium der VPP Ende März abgegeben haben?
Auf jeden Fall. Am Anfang war das Naturzentrum eines von vielen Projekten der VPP. Doch mittlerweile hat es eine unglaubliche Dimension erreicht. Und auf diese Arbeit will ich mich konzentrieren. In den Statuten der VPP ist als Hauptaufgabe die Koordination aller Bestrebungen zum umfassenden Schutz des Pfäffikersees festgehalten. Da kann ich weiterhin mithelfen – unter anderem da ich immer noch im Vorstand bin. Ich wollte meine Spuren hinterlassen und ich denke, das konnte ich auch. Zudem bin ich unterdessen Grossvater geworden und habe an der Kunstschule Wetzikon ein Projekt begonnen. Für dies und anderes will ich mir auch wieder mehr Zeit nehmen können.

«Naturschutz bedeutet nicht, die Natur einfach sich selber zu überlassen.»

Ernst Ott, ehemaliger Präsident der VPP

Blicken wir zu den Anfängen zurück – Sie wurden in den 80er-Jahren Mitglied der VPP, als Sie von Effretikon nach Seegräben umgezogen sind. 
Ich habe damals eine Velotour von Effretikon nach Bubikon für etwa 30 ETH-Kollegen des Holzkundeinstituts organisiert. Als wir irgendwann in Seegräben für eine Pause anhielten, wollte gar niemand mehr weiter. Ich kannte die Gegend zwar schon, da ich als Biologielehrer am Dübendorfer Gymnasium – das mittlerweile nach Uster umgezogen ist – mit meinen Klassen auch Exkursionen an den Pfäffikersee unternommen habe. Doch auf der Velotour hat es dann auch bei mir Klick gemacht. Eine Woche später sah ich per Zufall ein Inserat in der Zeitung, dass in Seegräben ein Haus zum Verkauf stand und noch einmal eine Woche später war es meins. Darauf trat ich bald in die VPP ein. Mittlerweile wohne ich aber in Uster – in einer altersgerechteren Wohnung. 

Welche Erfolge neben dem Naturzentrum konnten Sie bisher feiern?
In den 90er-Jahren vertrat ich Seegräben als Gemeinderatsdelegierter im Vorstand der Vereinigung. Damals ging es um die bereits genannte Überarbeitung der Schutzverordnung. Und daneben gründete ich eine kommunale Naturschutzkommission. Es galt, ein Inventar zu erstellen mit allem, was überhaupt schützenswert war. Zu dieser Arbeit gehörten auch viele Diskussionen mit Landwirten. Doch Landwirtschaft und Naturschutz muss nicht zwingend ein Widerspruch sein. Ich glaube an Kompromisse und gute Lösungen und ich denke, da habe ich einen guten Rank gefunden. Schliesslich waren es denn auch die Bauern, die mir einige Jahre später das Präsidium der VPP nahelegten. Damals war ich frisch pensioniert und hatte ein grosses Netz, so fiel mir nach meiner Wahl der Start ins Amt einfach und ich bin schnell in die neue Arbeit hineingewachsen. 

«Es geht nicht an, dass eine Gruppe privilegiert wird»

02.10.2018

Mehr Bootsplätze am Pfäffikersee?

Die FDP Wetzikon fordert mit einem Vorstoss einen Ausbau für Badegäste, Boote und Wassersportler href=”/flag/flag/np8_favorites/2687224?destination=batch&token=SNpWUb1rCUel9FgkkW7ohV1bolEl6WtzjcxbreNnxhU” title=”” class=”no-tts use-ajax flag flag-np8_favorites flag-np8_favorites-2687224 action-flag”>Beitrag in Merkliste speichern Wie wichtig ist der Bevölkerung der Naturschutz heute in Ihren Augen?
Das Bewusstsein steigt stetig weiter an, das ist ein Grund zur Freude. Der Mensch braucht die Natur. Sie ist ein Wert für sich, den man nicht begründen muss. Doch Naturschutz bedeutet nicht, die Natur einfach sich selber zu überlassen. Die Vielfalt, die von Menschenhand erschaffen wurde, muss erhalten werden und auch was unter Schutz steht, braucht Pflege. Sonst würde das Riet rund um den Pfäffikersee etwa schnell verbuschen, wenn man die Gehölze nicht zurückschneiden würde. Aber es ist wie bei der Klimadebatte, die momentan ein riesiges, wichtiges Thema ist: Es ist wahnsinnig schwierig, wissenschaftlich nachzuweisen und der Gesellschaft aufzuzeigen, was Bedrohung und Verlust bedeutet. Gewisse Themen sind auch viel zu gross und zu komplex, um sie intellektuell als Ganzes erfassen zu können. Und es gibt viele kleine Bereiche hier an Ort und Stelle, die von der Wissenschaft gar nicht mehr als so spannend angesehen werden. 

«Ich bin nicht unentbehrlich und das ist gut so.»

Ernst Ott, ehemaliger Präsident der VPP

Und hier kann die VPP helfen?
Wir haben in den letzten 50 Jahren diverse Studien in Auftrag gegeben. Zum Beispiel Untersuchungen zu Grossmuscheln, Kieselalgen oder Schmetterlinge – was nun gerade im Zusammenhang mit dem Naturzentrum sehr interessant ist. Auf relativ niederer Stufe aber ebenso wissenschaftlich eng lokalisierte, präzise Untersuchungen durchzuführen, ist eine wichtige Aufgabe für die VPP. Um zu zeigen, wie wertvoll das Gebiet ist. Nur schon für Nachtfalter! Über 300 verschiedene Arten leben rund um den See. An dieser Bestandesaufnahme 2010 bis 2014 wurden im Robenhauser Riet ganze 28 Arten gefunden, die in der Schweiz alle selten und gefährdet sind. 

Das Präsidium konnte an der Generalversammlung von Ende März nicht neu besetzt werden und ist darum vakant. Wie geht es weiter?
Es wird eine Findungskommission geben, die sich auf die Suche nach meinem Nachfolger machen wird. In der VPP sind Vertreter von Gemeinden und Kanton, sowie Organisationen wie Birdlife oder Pro Natura und Vereinen wie dem Segelklub oder dem Fischerverein. Dieses Netz muss jetzt genutzt werden. Gut wäre natürlich, wenn jemand gefunden werden könnte, der das Gebiet bereits gut kennt und womöglich sogar Behördenerfahrung hat. Die Rolle des Präsidenten ist vor allem die des Koordinators und Mediators. Für dieses Jahr ist an Aktivitäten bereits alles aufgegleist. Ich kann mich gut von den Aufgaben abgrenzen, die nun nicht mehr in meinen Bereich gehören. Ich bin nicht unentbehrlich und das ist gut so. Aber ich lahs sicher nöd in Chabis userössele! (lacht)

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