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Das Pendel schwingt zurück

Es ist Wende und Rückkehr zugleich. Den Sitz, den die SVP vor vier Jahren zurückgewann, muss sie wieder abgeben. Jubeln können nun die Verlierer von damals: Grüne und Grünliberale ziehen für den Bezirk Pfäffikon wieder in den Kantonsrat ein.

In der Amtsperiode 2019 bis 2023 sieht die Sitzverteilung wieder gleich aus, wie von 2011 bis 2015., Die gewählten Kantonsräte im Bezirk Pfäffikon: René Truninger (SVP)..., Paul von Euw (SVP), Brigitte Röösli (SP), Thomas Vogel (FDP), Andreas Hasler (GLP) , Urs Dietschi (Grüne), Hanspeter Hugentobler (EVP)

PD

Das Pendel schwingt zurück

Urs Dietschi (Grüne) und Andreas Hasler (GLP) können aufatmen: Sie kehren nach vier Jahren Pause wieder in den Kantonsrat zurück. «Die Umwelt kam uns leider entgegen», so  Dietschi. Er ist sich sicher, dass die aktuelle Klimadebatte nicht wieder einschlafen wird. Denn die Probleme in der Klimapolitik löse man nicht innert weniger Jahre.  «Die Bevölkerung muss länger dranbleiben und sich nicht nur just nach Katastrophen für einen Wandel einsetzen.» Die Klimaschüler, die derzeit regelmässig auf die Strasse gehen, seien sich diesem Umstand bewusst. «Und viele davon sind noch gar nicht in einem Alter, in dem sie abstimmen dürfen. Wenn sie sich weiter einsetzen, haben wir schon neue Wähler für die Zukunft.»

«Ich musste vier Jahre warten, aber jetzt lege ich richtig los.»

Andreas Hasler, GLP

Auch GLP-Spitzenkandidat Andreas Hasler bezeichnet sich als «ordentlich zufrieden». «Die Prognosen waren gut und nun haben wir sie mit einem Plus von 4,35 Prozentpunkten sogar deutlich übertroffen.» Nachdem er von 2011 bis 2015 im Kantonsrat wirken konnte, wurde er wie Urs Dietschi vor vier Jahren abgewählt. Seiner Rückkehr sieht er freudig entgegen: «Dieses Mal bin ich noch besser vorbereitet. Die erste Legislatur gilt oft als ein Aufwärmen – ich musste vier Jahre warten, aber jetzt lege ich richtig los.» Und auch Hasler hat keine Bedenken, dass Umweltthemen bald wieder im politischen Alltag untergehen werden. «Wir haben bisher auf die Kosten der kommenden Generationen gelebt. Jetzt müssen wir politisch vieles neu aufgleisen.»

Paul von Euw (Präsident SVP Bezirk Pfäffikon) nimmt Stellung:

Grosse Verluste muss die SVP verzeichnen, trotzdem bleibt sie die wählerstärkste Partei im Bezirk Pfäffikon. Auf den ersten beiden Plätzen konnten sich der bisherige Kantonsrat René Truninger aus Illnau Effretikon und Bezirksparteipräsident Paul von Euw aus Bauma beweisen. Seine Stimmungslage bezeichnet der Baumer Hochbauvorstand als ambivalent – einerseits freue er sich über seine persönliche Wahl in den Kantonsrat, andererseits rege der Verlust von knapp über 5 Prozentpunkten Wähleranteil im Bezirk zum Denken an. In der Gemeinde Wila hat die SVP gar einen Rückgang von über 10 Prozent Stimmenanteil zu verkraften.

«Im Schatten der Klimadebatte konnte die SVP ihre Themen nicht forcieren.»

Paul von Euw, SVP

Ihren 2015 zurückgewonnenen dritten Sitz für den Bezirk Pfäffikon muss die SVP wieder abgeben. Damit nützt es Marco Hirzel nichts, dass er sich vom sechsten auf den dritten Platz vorkämpfen konnte. Bedanken kann er sich bei der treuen Pfäffiker Bevölkerung trotzdem – von seinen 4304 Stimmen kamen 1076 aus der Gemeinde.  

SVP-Wahlfeier in Illnau

«Im Schatten der Klimadebatte konnte die SVP ihre Themen nicht forcieren», sagt von Euw. Der Klimaschutz sei «nun mal kein Steckenpferd» der SVP, daher gelte es jetzt, die eigenen Schwerpunkte besser zu platzieren. Eine weitere kühne These ist, dass bürgerlich Gesinnte gar nicht erst wählen würden, da sie sich nicht ernst genommen fühlen. «Viele Themen, für die sich die SVP einsetzt, werden zwar angenommen, doch bei der Umsetzung, etwa der Masseneinwanderungsinitiative – hapert es. Warum soll man dann überhaupt noch mitentscheiden?» 

Die Verteilung der Kantonsratssitze ist mit dem Sitzverlust der SVP nun wieder auf dem Stand der Amtsperiode 2011 bis 2015. Dass dieses Pendel in vier Jahren erneut zurückschlagen wird, kann sich Paul von Euw gut vorstellen.  

SP-Bezirkspräsident Marc Grosspietsch im Videointerview:

Die SP verzeichnet im Bezirk Pfäffikon mit minus 2,29 Prozentpunkten den grössten Verlust an Stimmen im ganzen Kanton. Nun teilt sie sich mit der FDP mit genau 13,87 Prozent Wähleranteil hinter der SVP den zweiten Platz der wählerstarksten Parteien im Bezirk. «Wir konnten als grösste Oppositionspartei zu den Bürgerlichen den Schwung aus den Behördenwahlen vom letzten Jahr leider nicht mitnehmen», sagt Bezirkspräsident Marc Grosspietsch. Aber: «Das Minimalziel war es, den SP-Sitz zu verteidigen und das haben wir geschafft.» 

Dass die SP in der ganzen Klimadebatte im Kampf «Grün gegen Rechts» etwas aussen vor blieb, sieht Grosspietsch selbstkritisch. So habe die SP nicht richtig transportieren können, dass auch sie sich für dieses Thema einsetze. «Nun müssen wir unser Profil schärfen – und nicht einfach den Grünen nachlaufen.» Trost findet Marc Grosspietsch nun vor allem in den Ergebnissen der Regierungsratswahlen, wo SP-Mann Mario Fehr das beste Ergebnis erreicht hat.

Neben der SVP hat im Bezirk Pfäffikon auch die EDU einen Sitz verloren – ihren einzigen. Peter Häni aus Bauma, der seit dreieinhalb Jahren im Kantonsrat sitzt, wurde abgewählt. Für den EDU-Bezirkspräsidenten eine doppelte Enttäuschung: «Ausgerechnet im Bezirk Pfäffikon, wo unsere Partei den Wähleranteil um 0,28 Prozent steigern konnte, haben wir einen Sitz verloren.»

«Jetzt könnte für mich ein Mandat auf Gemeindeebene interessant werden.»

Peter Häni, EDU

Das enttäuschende Resultat sei auf das schlechte Abschneiden auf der kantonalen Ebene zurückzuführen, betont Häni: «Wir waren im Bezirk sehr aktiv und das gute Ergebnis zeigte uns, dass eine Partei wie die EDU gefragt ist.» Wegen seiner Abwahl werde er sich aber nicht aus der Politik zurückziehen. «Jetzt könnte für mich ein Mandat auf Gemeindeebene interessant werden.» 

Kein Wechsel in die Exekutive

FDP-Spitzenkandidat Thomas Vogel und EVP-Kantonsparteipräsident Hanspeter Hugentobler  fieberten als Kandidaten für den Regierungsrat und den Kantonsrat an zwei Fronten mit. Beide verpassten den Schritt in die Exekutive und bleiben dem Kantonsrat somit erhalten. 

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