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«Sich Gedanken auf Vorrat zu machen, ist verschwendete Zeit»

Rosmarie Quadranti (BDP) gab im Sommer ihre Kandidatur für den Regierungsrat bekannt. Mittlerweile ist die ehemalige Volketswiler Schulpräsidentin über die Bezirksgrenze nach Illnau gezogen, wo sie ihr «zweites Leben» begonnen hat.

Rosmarie Quadranti erzählt im Interview von ihrer «Fluchtaktion» und von ihrer Art, Wahlkampf zu betreiben.

Seraina Boner

«Sich Gedanken auf Vorrat zu machen, ist verschwendete Zeit»

Sie sitzt seit 2011 für die BDP im Nationalrat, war von 2000 bis 2018 Volketswiler Schulpräsidentin, ist seit 2017 Präsidentin der BDP Kanton Zürich, präsidiert seit Sommer 2018 den Musikrat Schweiz, dazu kommt rund ein Dutzend Engagements in Stiftungsräten und Vorstandsgremien diverser Organisationen – doch wer ist eigentlich die Privatfrau Rosmarie Quadranti?  «Ich bin keine gespaltene Persönlichkeit», sagt die 61-Jährige und lacht. «Ich muss immer mich selber bleiben können, um meine Arbeit gut zu machen: Neugierig, an Menschen interessiert, lösungsorientiert.»

Nach dem Tod ihres Mannes zog Quadranti aus dem gemeinsamen Haus in Volketswil aus. «Er hatte dieses Haus gebaut, ich hielt es nicht aus, dort weiter zu leben.» Heute wohnt dort ihre Tochter. Sie selber ist in eine Wohnung keine zwei Minuten entfernt gezogen. «Das war für mich eine Art Übergangszeit, doch die Wohnung mit dem kleinen Balkon gefiel meinem Hund nicht.» Es folgte eine «Fluchtaktion», wie Quadranti es ausdrückt. «Ich wusste, ich brauchte wieder festen Boden unter den Füssen.» 

«Den Titel Unternehmerin finde ich angeberisch und abgehoben.»

Rosmarie Quadranti

In Illnau wurde sie schliesslich fündig: Eine Wohnung mit Terrasse, mit der auch ihr Berner Sennenhund zufrieden ist. Zudem habe sie nach dem Tod ihres Mannes begonnen, täglich in ein Tagebuch zu schreiben. «Auf der ersten Seite habe ich darum auch ‹mein zweites Leben› geschrieben.» Anfangs habe es ihr zur Verarbeitung des «massiven Einschnittes» geholfen. Heute kann sie damit abschalten. «Mittlerweile entstehen zum Teil sehr banale Einträge», sagt sie. «Jeder Eintrag beginnt mit dem aktuellen Wetter – als Hundebesitzerin hat dieses natürlich einen hohen Stellenwert.» Dazu kommen Gedanken, Ärger oder die simple Erzählung von Erlebnissen. 

«Vor dem letzten Tag graut mir jetzt schon»

08.06.2018

Volketswiler Schulpräsidentin

Ende Juli wird Rosmarie Quadranti (BDP) ihr Amt als Schulpräsidentin nach 18 Jahren ablegen. Beitrag in Merkliste speichern Nachdem sie im Sommer ihr Amt als Schulpräsidentin abgelegt hatte, folgte die Gründung einer Einzelfirma. «Ich will mein Wissen weitergeben, Schulbehörden unterstützen und Architekten bei der Schulraumplanung beraten.» Gegen die Berufsbezeichnung Unternehmerin wehrt sich die gelernte Kauffrau Quadranti jedoch vehement. «Diesen Titel finde ich angeberisch und abgehoben.» Politikerin als Hauptberuf anzugeben, widerstrebt ihr aus den gleichen Gründen. «Zum Glück habe ich jetzt eine eigene Firma – ich bin einfach selbstständig.» 

Der Abschied von Volketswil sei ihr überhaupt nicht schwer gefallen. «Nicht Orte sind wichtig, sondern die Menschen an diesen Orten», sagt Quadranti. «Und die Menschen sind zehn Minuten entfernt. Ich hätte in Volketswil bleiben können und hätte die gleiche Distanz zu meinen wichtigen Personen wie jetzt.» Auch vom politischen Umfeld her sei der Wechsel nicht mit grossen Veränderungen verbunden. «Bei Regierungs- oder Nationalratswahlen kommt es schliesslich nicht auf den Bezirk an. Und gerade als Präsidentin der BDP Kanton Zürich spielt es keine grosse Rolle, wo ich wohne, da ich bereits gut vernetzt bin.» Zudem sei die BDP auch nicht «die grösste Partei», man kenne sich. 

Vom Wohnort Volketswil konnte sie sich zwar gut lösen, dem Amt der Schulpräsidentin trauere sie aber noch nach. «Und zwar nicht nur manchmal sondern jeden Tag – das ist auch gut so!» Dies zeige, dass sie mit Herzblut bei der Sache gewesen sei, sagt Quadranti. 

Dezente musikalische Fähigkeiten

Ein grosser Teil der Zeit, die sie früher für die Arbeit in der Volketswiler Schulpflege aufgewendet hat, ist mittlerweile auch durch ihr Engagement als Präsidentin des Schweizer Musikrates kompensiert worden. «Dazu gehören neben Sitzungen auch Besuche von hochkarätigen Konzerten – für so etwas habe ich mir früher die Zeit nicht genommen.» Ihre eigenen musikalischen Fähigkeiten hätten nach der obligaten Blockflöte keine grösseren Sprünge mehr gemacht. «Ich wollte Gitarre lernen, um als Leiterin der Samariterjugendgruppe am Lagerfeuer Lieder begleiten zu können. Aber die Musiklektionen waren eine Qual – sowohl für mich als auch meinen Lehrer. Darum brachen wir die Übung bald ab.»

«Es wird schwierig werden, beide Ämter zu vereinbaren»

28.08.2018

Volketswiler Nationalrätin will in den Regierungsrat

Am 24. März finden die Neuwahlen für den Regierungsrat statt. href=”/flag/flag/np8_favorites/2645959?destination=batch&token=tku9HqYakC2royJ3POLN8iF-K_huCg5URAbbHrmbgbo” title=”” class=”no-tts use-ajax flag flag-np8_favorites flag-np8_favorites-2645959 action-flag”>Beitrag in Merkliste speichern Am 24. März steht die nächste Prüfung an. Doch das Antlitz von Rosmarie Quadranti ist inmitten der Wahlplakatwäldern entlang stark befahrener Strasse ein seltener Gast. «Es hat irgendwo ein paar», sagt sie fast beiläufig. «Aber diese Art des Wahlkampfes – möglichst freie Flächen in der Natur prominent mit überdimensionierten Plakaten zuzupacken – sagt mir sowieso nicht zu.» Sie investiere vor allem Zeit, konzentriere sich auf die Teilnahme an Podien, Standaktionen und Interviewtermine. «Man bleibt ja auch realistisch.» Dass sie sich bisher noch nicht damit auseinandergesetzt hat, wie die Arbeit im Regierungsrat mit dem Nationalrat vereinbar wäre, habe jedoch nichts mit ihren dezenten Wahlchancen zu tun. «Es macht einfach keinen Sinn, sich Gedanken auf Vorrat zu machen. Das ist verschwendete Zeit.» 

Ihre Agenda sei permanent gut gefüllt. Aber ein volles Programm sei in ihren Augen nichts Negatives. «Das stresst mich nicht, sondern gefällt mir so.» Zeit, um am Wochenende rund zehn Kilometer mit dem Hund zu spazieren, sei da schliesslich auch mit eingerechnet. «Und Zeit, um ein Buch zu lesen, gibt es auch immer – auch wenn es am Abend im Bett ist und ich nach drei Seiten einschlafe.» 

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