Der SVP droht die grüne Welle
«Die ‹grünen› Themen scheinen die Leute nicht zu bewegen.» So das Fazit von Urs Dietschi am Wahlsonntag 2015. Der bisherige grüne Kantonsrat musste nach der Wahlschlappe seinen Sitz räumen. Der Wähleranteil der Grünen im Bezirk Pfäffikon war von den 10,8 Prozent im Jahr 2011 auf 5,9 Prozent eingebrochen. Damals war der «Fukushima-Effekt» von 2011 bereits verpufft, doch mit der aktuellen Debatte um den Klimawandel und die zahlreichen Demonstrationen haben die grünen Themen wieder mehr Gewicht erhalten.
Kompass Behördenwahlen?
Davon profitieren könnte am 24. März aber nicht nur Urs Dietschi, sondern auch der Spitzenkandidat der Grünliberalen, Andreas Hasler, der 2015 ebenfalls seinen Platz im Kantonsrat aufgeben musste. Er erreichte vor vier Jahren ein deutlich besseres Resultat und ist allgemein bekannter als Dietschi, der im Sommer 2014 für die zurückgetretene Esther Hildebrand nachgerückt ist und sich ausser einem Postulat und einer Anfrage noch keinen grossen Namen im Rat machen konnte. Hasler ist zudem Geschäftsleiter von Pro Natura Zürich und hat sich auch als Gemeinderat von Illnau-Effretikon einen Namen gemacht.
Rund die Hälfte der Kantonsratskandidaten stammt aus Illnau-Effretikon. Dort verlor die SVP sowohl im Grossen Gemeinderat als auch im Stadtrat an den Behördenwahlen im Frühling einen Sitz, die GLP gewann in beiden Gremien je einen dazu. Die Vermutung, dass am Wahlsonntag die Resultate der einzigen Stadt im Bezirk widerspiegelt werden, liegt nahe. Nicht zuletzt deshalb, weil die Anzahl potenzieller Wähler in Illnau-Effretikon sogar noch höher ist als im Bezirkshauptort Pfäffikon.
Urbanisierungstrend als Gefahr für die SVP
Dass die SVP ihre dreiköpfige Vertretung im Kantonsrat halten kann, dürfte tatsächlich schwierig werden. Zwar legte sie im Bezirk Pfäffikon in den vergangenen zwölf Jahren stetig leicht zu (2007 35,5 Prozent, 2011 35,8 Prozent und 2015 36,2 Prozent) und konnte so an den letzten Wahlen den verlorenen Sitz von 2011 wieder zurückerobern. Doch der Urbanisierungstrend, der sich bereits bei den Behördenwahlen deutlich abzeichnete, mag diesen Bewegung nun wohl bremsen.
SVP-Spitzenkandidat René Truninger sollte sich um seine Position jedoch keine allzu grossen Sorgen machen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Truninger abgewählt wird ist unter anderem darum sehr klein, da der Illnau-Effretiker Gemeinderat als einziger bisheriger SVP-Kantonsrat noch einmal zu den Wahlen antritt und dadurch keine Konkurrenz durch einen Bisherigen aus den eigenen Reihen gegenübersteht. Auf dem zweiten Listenplatz steht der Baumer Hochbauvorstand Paul von Euw. Durch seine Position als Bezirksparteipräsident sollte er sich gegen eifrige Kandidaten auf hinteren Listenplätzen durchsetzen und den zweiten SVP-Sitz einnehmen können.
Zweiter Sitz als Traum
Die SP gewinnt seit 2007 stetig kleine Tranchen Wählerstimmen dazu, so waren es 2015 schliesslich 16,2 Prozent Wähleranteil. Dass der Erfolgszug der SP seit den Behördenwahlen im April derart weiter Fahrt aufgenommen hat, dass sogar ein zweiter Sitz im Kantonsrat dabei herausspringen könnte, bleibt wohl dennoch rote Träumerei. Die bisherige SP-Kantonsrätin und Illnau-Effretiker Gemeinderätin Brigitte Röösli sitzt aber fest im Sattel. Sie ist vor einem Jahr für Fabian Molina nachgerückt, betreibt viel Wahlkampf und ist bekannt im Bezirk. Zudem ist sie trotz ihrer relativ kurzen Zeit im Zürcher Rathaus bereits mit einigen Vorstössen aktiv in Erscheinung getreten.
Während die FDP vor vier Jahren hinter ihrem Zugpferd Thomas Vogel mit dem Illnau-Effretiker Stadtrat Philip Wespi und dem Pfäffiker Gemeinderat Lukas Steudler zwei erfahrene aber eher jüngere Kandidaten ins Rennen schickte, setzt sie nun auf rund 20 Jahre ältere Politiker. Katharina Morf, Ortsparteipräsidentin und 1. Vizepräsidentin des Grossen Gemeinderates Illnau-Effretikon, und Hans-Jürg Schneider, Präsident der Rechnungsprüfungskommission und ehemaliger Präsident der Pfäffiker Ortspartei, dürften von der Wahlkampflokomotive Vogel profitieren. Dieser sitzt seit 2003 im Kantonsrat, macht derweil jedoch fast ausschliesslich Wahlkampf für seine Kandidatur für den Regierungsrat, deren Erfolg parteiübergreifens als fast unbestritten eingeschätzt wird. Davon profitiert wohl die FDP im ganzen Kanton. Die Avancen auf einen zweiten FDP-Bezirksvertreter dürften jedoch wie bei der SP ins Leere laufen. Hierfür wäre ein deutlich grösserer Schub nötig.
Kantonsratssitz als Trost
Den Regierungsrat nimmt auch der amtierende EVP-Kantonsrat Hanspeter Hugentobler ins Visier. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Pfäffiker Schulpräsident den Sprung in die Exekutive schafft, ist jedoch äusserst gering. Dass er sich mit der Wiederwahl in die Legislative trösten kann, ist trotzdem absehbar. Nach dem Nachrücken für Walter Schoch kurz nach den Wahlen vor vier Jahren konnte sich der Präsident der EVP Kanton Zürich bereits mit zahlreichen Vorstössen seinen Sitz festigen.
2015 ging die EVP mit 8,3 Prozent Wähleranteil hinter SVP, SP und FDP als viertstärkste Partei im Bezirk aus den Wahlen heraus – ganz im Gegensatz zu den Nachbarbezirken Uster und Hinwil, wo sich die EVP ins Mittelfeld einreihen musste.
Das Zuteilungsverfahren «doppelter Pukelsheim» dürfte primär der EDU Sorgen bereiten. Sie profitierte vor vier Jahren vom Restmandat und zog mit Peter Meier in den Kantonsrat ein. Sie setzt nun weiter auf Peter Häni, der im Januar 2016 für Peter Meier nachrückte. Angesichts der Wähleranteile von 2015 dürften BDP (3 Prozent), CVP (2,9 Prozent) und AL (0,8 Prozent) auch am 24. März einmal mehr nicht als Spielverderberinnen auftreten.
Egal welcher Partei der «doppelte Pukelsheim» in die Hände spielen wird, die Vertretung aus dem Bezirk Pfäffikon im Zürcher Kantonsrat wird sich weiter mit einer tiefen Frauenquote auszeichnen – sogar wenn neben Brigitte Röösli (SP) auch Katharina Morf (FDP) den Sprung in das Gremium schafft. Während die Zürcher Stadtkreise 1 und 2 mit einem Frauenanteil von 52,2 Prozent herausstechen, ist der Bezirk Pfäffikon mit 36,2 Prozent Frauen auf den Wahllisten im Vergleich der Männerwahlkreis im Kanton schlechthin.
