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Politik

«Die Unruhe hat sich gelegt»

Seit der Freistellung des ehemaligen Stiftungsleiters Marcel Jenni letzten November ist das Gehörlosendorf in Turbenthal auf der Suche nach einem neuen Gesamtleiter. Wie Stiftungsratspräsidentin Franziska Herold betont, möchte man nichts überstürzen – bis jetzt wurde keine Nachfolge gefunden.

Wir haben mit Stiftungsratspräsidentin Franziska Herold über die aktuelle Situation des Gehörlosendorfes und die Suche nach einem neuen Stiftungsleiter gesprochen. 

Martin Näf ist gegenwärtig interimistisch Stiftungsleiter. Hat man bereits jemand neues in Aussicht?
Franziska Herold: Das Auswahlverfahren für die Stelle als Gesamtleiterin oder Gesamtleiter läuft. Es sind zahlreiche Bewerbungen eingegangen, darunter viele von Personen, die die von uns und vom Kanton verlangten Anforderungen erfüllen. Wir sind zuversichtlich, dass wir die Stelle bald besetzen können. Da Martin Näf den Betrieb sehr gut kennt und die Geschäftsleitungsmitglieder alle ihre Aufgaben vollumfänglich wahrnehmen können, müssen wir aber nichts überstürzen.

Was muss ein guter Stiftungsleiter Ihrer Meinung nach mitbringen?
Wir suchen keinen neuen Stiftungsleiter, sondern eine Gesamtleiterin oder einen Gesamtleiter, die oder der zusammen mit den anderen Geschäftsleitungsmitgliedern, die jeweils einen Bereich führen, das Gehörlosendorf leitet. Diese Person muss neben einer Ausbildung im agogischen beziehungsweise sozialagogischen Bereich auch über betriebswirtschaftliche Kenntnisse verfügen. Wichtig sind Führungsqualitäten sowie auch die Bereitschaft, mit Menschen zu arbeiten, die eine andere als die lautsprachliche, manchmal auch eine sehr individuelle, Kommunikation nutzen. Das Gehörlosendorf ist in dieser Form einmalig und deshalb braucht es an allen Stellen Menschen, die mit viel Herzblut dabei sind.

Marcel Jenni wurde letzten November freigestellt; Sie sprachen von Führungsdifferenzen, welche zum Abgang geführt hätten. Die Rede war von einem neuen Führungsmodell, welches man einführen wollte, bei dem man sich aber nicht einig geworden sei. Können Sie dies ein wenig ausführen?
Neu für uns ist das Geschäftsleitungsmodell, in welchem die Verantwortungen und Zuständigkeiten auf mehr Personen verteilt werden. In den letzten Monaten haben die Geschäftsleitungsmitglieder zusammen mit dem Gesamtleiter ad interim damit begonnen, dieses Modell in der täglichen Arbeit umzusetzen und zu verfeinern. Wir sind überzeugt, dass wir mit dieser Führungsstruktur die vielseitigen Anforderungen und zukünftigen Herausforderungen gut werden angehen können.

Reto Casanova verliess zur selben Zeit wie Jenni das Gehörlosendorf,wie es hiess, aus gesundheitlichen Gründen. Können Sie dazu etwas sagen?
Herr Casanova ist seit über einem Jahr krank. Seine Aufgaben mussten von anderen Angestellten übernommen werden. Als klar wurde, dass er nicht mehr an seinen Arbeitsplatz zurückkehren kann, musste sich der Stiftungsrat deshalb die Frage stellen, wie die Aufgabenverteilung und das Führungsmodell in Zukunft aussehen sollen. Das Gehörlosendorf hatte in der Vergangenheit schon Phasen mit Einer-, Zweier- und Dreierleitungen. Wir prüften, welches Modell aufgrund der heutigen Aufgaben und zukünftigen Entwicklungen am besten passen würde. Der Entscheid fiel auf ein Geschäftsleitungsmodell, das die Rolle der bisherigen Bereichsverantwortlichen aufwertet. Das war eine wohlüberlegte Entscheidung des Stiftungsrats und der Stiftungskommission, für die auch die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angehört wurden.

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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