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Kino Orion will mehr Geld – Stadtrat sagt Nein

Der Verein Kino Orion ist nach wie vor auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Dem Stadtrat ist der beantragte Betrag allerdings viel zu hoch. Und auch im Gemeinderat dürfte es das Anliegen schwer haben, hat das Parlament die Betreiber doch bereits einmal angewiesen, wirtschaftlicher zu geschäften.

Das Kino Orion an der Neuhofstrasse: Die Betreiber wollen und können nicht mit den Grossen mithalten.

Archivfoto Thomas Bacher

Kino Orion will mehr Geld – Stadtrat sagt Nein

Die Einigkeit im Dübendorfer Parlament an diesem Montagabend im Juni 2016 war für einmal gross: Mit 36 zu 0 Stimmen genehmigte der Gemeinderat einen gestaffelten Unterstützungsbeitrag für das Kino Orion in der Höhe von 100‘000 Franken.

An der Sitzung wurde jedoch auch einiges an Kritik laut. Der damalige Stadtpräsident Lothar Ziörjen (BDP) etwa stellte die finanzielle Unterstützung des Vereins Kino Orion nicht grundsätzlich infrage, er zeigte sich aber wenig erfreut darüber, dass der Verein nach der auf drei Jahre verteilten Anschubhilfe von insgesamt 150‘000 Franken erneut ein Gesuch um Unterstützung gestellt hatte. Dies sei gegen die frühere Abmachung gewesen.

Zwar gab es aus dem Rat auch Lob für den Einsatz des Vereins für die Kultur in Dübendorf, mehrere Votanten monierten jedoch, dass die Verantwortlichen dem betriebswirtschaftlichen Aspekt zu wenig Beachtung schenkten. Deshalb wurde der Unterstützungsbeitrag am Ende auch gesplittet – auf 50‘000 Franken im ersten Jahr und in den folgenden zwei Jahren auf je 25‘000 Franken. Der Verein sollte lernen, finanziell selbstständiger zu agieren.

25‘000 Franken sollen reichen

Nun scheint sich die Geschichte zu wiederholen. Denn der Verein Kino Orion hat für die Jahre 2019 bis 2021 erneut ein Gesuch für Unterstützungsbeiträge eingereicht, und das in den Varianten 50‘000, 75‘000 und 100‘000 pro Jahr. Zu jedem Betrag ist aufgelistet, was mit dem Geld möglich ist – und was nicht.

Dem Stadtrat ist die Summe zu hoch. In seinem Antrag an den Gemeinderat knüpft er an die Diskussion im Parlament vom Juni 2016 an und kritisiert die betriebswirtschaftlichen Defizite und verweist insbesondere auf den weiteren Ausbau des Angebots und die damit verbundenen Personalkosten. Den Unterstützungsbeitrag bis 2021 will er auf 25‘000 Franken jährlich beschränken.

«Würde man die Personalkosten und den Mietanteil korrekt abziehen, dann wäre der Barbetrieb für sich gesehen gerade mal ein Nullsummenspiel.»

Marcel Berli, Gemeinderat SVP

Ausserdem macht der Stadtrat einen Widerspruch aus. So gebe der Verein in seinem Finanzplan bis 2022 stets von einen kleinen Gewinn aus, und das bei einem budgetierten städtischen Unterstützungsbeitrag von 25‘000 Franken. Im Gesuch selber schreibe der Verein aber, dass die Planungssicherheit erst mit einem jährlichen Betrag von 50‘000 Franken gewährleistet sei.

Alles korrekt verrechnet?

Gemeinderat Marcel Berli (SVP) hatte als Vertreter einer Mehrheit der Geschäftsprüfungskommission (GRPK) bereits in der Diskussion im Juni 2016 gemahnt, der Verein müsse mehr finanzielle Verantwortung übernehmen. Und das sieht er auch heute noch so. «Ich bin nicht gegen das Kino Orion, im Gegenteil, doch das Angebot wurde dermassen stark ausgebaut, dass das Ganze mittlerweile eher einem Unternehmen gleichkommt.» Dies zeige etwa der hohe Personalbestand, der mit einer für Vereine typischen Freiwilligenarbeit so gar nichts mehr zu tun habe.

Berli kritisiert denn auch vor allem den Personalaufwand. «Der Anteil an den Gesamtkosten beträgt 55 Prozent, damit kann kein Betrieb überleben.» Dass der Verein argumentiere, dadurch eine Bar betreiben zu können, deren Einnahmen das Kino finanziell unterstützten, lässt Berli nicht gelten. «Würde man die Personalkosten und den Mietanteil korrekt abziehen, dann wäre der Barbetrieb für sich gesehen gerade mal ein Nullsummenspiel.» Es verwundere deshalb nicht, dass vergleichbare Kinos in Rapperswil und Bülach auf einen Kiosk setzten, der in der Pause vom Operateur betrieben werden könne.

Blockbuster würden helfen

«Dass die Stadt mit dem Unterstützungsbeitrag das Gastroangebot des Kinos mitfinanziert, ist unfair gegenüber allen anderen Gastronomen in Dübendorf, die keine Subventionen erhalten», sagt Berli. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass andere Restaurantbetreiber einen Sonntagsbrunch für 25 Franken anbieten können, ohne drauflegen zu müssen.»

In Anbetracht der finanziellen Lage müsse man auch die Ausrichtung des Kinos auf Arthouse-Filme hinterfragen, betont Berli. So seien die Budgetziele regelmässig weit unterschritten worden – nur nicht in dem Jahr, in dem das Kino einige Blockbuster gezeigt habe. Ebenso hält es Berli für angebracht, über die Erhöhung des Mitgliederbeitrags von derzeit 40 Franken pro Jahr nachzudenken, wie dies auch der Stadtrat in seinem Antrag vorschlägt.

Die Grenze der Kommerzialisierung

Erwartungsgemäss eine andere Sicht auf die Dinge hat Thomas Meier, Vize-Präsident des Vereins Kino Orion. Er räumt ein, dass man zuweilen optimistisch budgetiert habe. «Unter dem Strich sind wir aber immer davon abhängig, was an Filmen auf den Markt kommt, und das lässt sich in einem Businessplan nun einmal nicht auf Jahre hinaus festmachen.» Der Widerspruch, den der Stadtrat im Unterstützungsgesuch ausgemacht habe, sei deshalb gar keiner.

«Gerade jüngere Leute wollen nicht mehr nur einfach einen Film anschauen, sondern suchen nach einem Erlebnis.»

Thomas Meier, Vize-Präsident Verein Kino Orion

Auch könne und wolle man nicht mit einem Multiplexkino wie dem Pathé in Dietlikon konkurrieren. Ein Film wie «Honig im Kopf» etwa sei ein Glücksfall, weil er künstlerischen Anspruch und kommerziellen Erfolg verbinde, sagt Meier. «Die Grenze der Kommerzialisierung ist bei uns der James-Bond-Film, den auch Arthouse-Kunden gerne schauen.»

Kinobesuche schweizweit rückläufig

Ohnehin hat das «Orion» gemäss Meier das gleiche Problem, wie andere Kinos: Die Zuschauerzahlen gehen zurück. Dem versuche man mit Specials wie Matinées oder Themenabenden entgegen zu wirken, so Meier. «Gerade jüngere Leute wollen nicht mehr nur einfach einen Film anschauen, sondern suchen nach einem Erlebnis.»

Zudem habe man von Anfang an ergänzend zum Kinoprogramm ein breites Kulturangebot mit Lesungen, Konzerten oder Kinderfilmen aufgebaut. «Dazu gehört auch eine Bar, in der die Leute vor- und nachher etwas trinken können.» Durch das Gastroangebot würden die rückläufigen Einnahmen aus den Filmvorführungen teilweise kompensiert, widerspricht Meier den Aussagen Berlis. Und ausserdem könne das «Orion» dadurch zusätzliche Kreise ansprechen. «In der Kosten-/Nutzen-Rechnung kann die Bar deshalb nicht isoliert betrachtet werden.»

«Das Kino Orion erreicht durch Eintritte und mit der Querfinanzierung durch den Gastronomiebetrieb eine beachtliche Eigenfinanzierung.»

Kantonale Fachstelle Kultur

Meier betont, dass bei einem Betrieb wie dem «Orion» ein bestimmtes Mass an Professionalisierung nötig sei. «Unsere fünf Mitarbeitenden mit total 300 Stellenprozent leisten enorme Arbeit.» Ohne Freiwilligenarbeit – im Jahr seien es gegen 2400 Stunden – wäre der Aufwand jedoch nicht zu bewältigen. Auch der Vorstand arbeite ehrenamtlich. «Diese Form der Organisation ist durchaus üblich.» Das anerkenne auch der Kanton Zürich. Tatsächlich schreibt die Fachstelle Kultur in ihrer Antwort auf den Antrag des Kinos, den jährlichen Betriebsbeitrag zu erhöhen: «Das Kino Orion erreicht durch Eintritte und mit der Querfinanzierung durch den Gastronomiebetrieb eine beachtliche Eigenfinanzierung, die andernorts nicht erreicht werden kann.»

Teure Anschaffungen

Die Preispolitik werde regelmässig hinterfragt, sagt Meier, sowohl was den laufenden Betrieb als auch die Mitgliederbeiträge anbelange. Der Vorstand befürchte jedoch, durch eine Anhebung der Preise Gäste und Mitglieder zu verlieren, was sich letztlich kontraproduktiv auswirken würde. Gleichzeitig sei es heute «extrem schwierig und aufwändig», Sponsoringbeiträge zu generieren. Deshalb habe man für die Anschaffung einer neuen Kaffeemaschine und neuer Kinosessel auf Crowdfunding gesetzt.

«Wir haben zwar einen super Vermieter, der unter anderem die ganze Digitalisierung finanziert hat», sagt Meier. «Doch vor zwei Jahren mussten wir die zugige Eingangsfront ersetzen. Und das gelang nur dank Beiträgen von Kulturstiftungen.» Nur mit einer genügenden Finanzierung durch die Stadt habe man die Möglichkeit, solche Projekte selbst zu finanzieren. Mit den 25‘000 Franken pro Jahr, die der Stadtrat dem Gemeinderat beantragt habe, wäre das gemäss Meier nicht möglich. «Und Abstriche beim Angebot wären mittelfristig wohl nicht zu vermeiden.»

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