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Der Hofladen ohne Hof in Uster

Seit einem Monat verkauft Florian Ambühl in seinem neuen Laden «KM13» in Uster Produkte, die aus höchstens 13 Kilometern Entfernung kommen. Es ist ein Sprung ins kalte Wasser für den Mönchaltorfer, der damit innerhalb weniger Monate komplettes Neuland betrat.

Florian Ambühl bietet nicht nur regionale Lebensmittel, sondern auch Spirituosen, Wein und Liköre in seinem Laden an.

Seraina Boner

Der Hofladen ohne Hof in Uster

Florian Ambühl spricht fast schneller als man zuhören kann. Dabei verhaspelt er sich nie. Auch nicht, wenn er während seiner Ausführungen durch den neuen Regionalladen an der Apothekerstrasse in Uster wirbelt und beiläufig da ein Paket oder dort eine Flasche zurechtrückt. «KM13» heisst sein Geschäft in den ehemaligen Räumen der Pferdemetzg. Das Prinzip ist simpel: Jegliche Produkte, die er anbietet, werden in einem Umkreis von maximal 13 Kilometer produziert. «Und das ziehe ich auch knallhart durch», betont er und sein strahlendes Gesicht wird schlagartig ernst. «Ich will nicht schon aufgeweicht anfangen.» So findet man im Laden etwa Salbeilimonade aus Riedikon, Dörrbohnen aus Esslingen, Bier aus Pfäffikon, Kürbiskerne aus Mönchaltorf, Eier aus Gossau, Hanföl aus Fehraltorf, Erdbeerlikör aus Maur oder Trüffelraclette aus Saland. 

Gegenseitige Unterstützung

Noch vor 20 Jahren hätte es mehr Bauernbetriebe für seinen Laden gegeben, ist sich Ambühl sicher. «Heute werden die wenigen verbleibenden Landwirte zu Massenabfertigungen gezwungen, es bleibt kaum Zeit, um eigene Produkte in kleiner Auflage zu produzieren.» Doch genau solche Bauern, die sich diese Zeit noch nehmen, will er mit seinem Laden unterstützen. Er nehme ihnen damit keine Kunden weg – im Gegenteil: «Jedes Produkt ist klar angeschrieben, woher es kommt. Damit steigere ich auch die Bekanntheit der Produzenten.» Er sehe sich als Erweiterung und Professionalisierung der einzelnen Hofläden. «Manche vermarkten sich nicht optimal», sagt er mit gerunzelter Stirn. «Dies war einer der Aufhänger, warum KM13 ins Leben gerufen wurde. Ein Lokal wie ein Hofladen – einfach ohne Hof.

«Sonst bin ich eigentlich ein Kopfmensch. Doch dieser Laden war ein Herzensentscheid.»

Florian Ambühl, Gründer «KM13»

Während seinen Ausführungen betritt eine Kundin den eigentlich geschlossenen Laden. «Chömed si nume ine!», ruft Ambühl erfreut. «Isch doch gliich dass eigetli zue isch, ich känn Sie ja.» In nur einem Monat hat er bereits einige Stammkunden gewinnen können. «Oft bleiben auch die Lieferanten noch etwas im Laden, so entstehen mit den Kunden wertvolle Gespräche», sagt er zufrieden. 

Partnerschaften aufbauen

Florian Ambühl ist Kontaktfreude in Person. Obwohl Begriffe wie «Tausendsassa» oder «Hansdampf in allen Gassen» inflationär verwendet werden, sind sie bei ihm ohne Zweifel angebracht. Egal, ob früher als Dachdecker, danach im Gastrobereich oder im letzten Frühling als Mönchaltorfer Gemeinderatskandidat – er will vernetzen, Symbiosen schaffen. Im 4000-Seelen-Dorf aufgewachsen, hat der heute 36-Jährige ein Netzwerk aus vielen Landwirten bis über die Gemeindegrenzen hinaus aufbauen können. 

Diese Bekanntschaften würden sich jetzt auszahlen, die Mund-zu-Mund-Propaganda unter den Produzenten funktioniere gut, sagt Ambühl. «Mittlerweile kommen manche sogar auf mich zu, da sie ihre Ware bei mir verkaufen wollen.» Noch vor der Eröffnung habe er viel Zeit investieren müssen, um interessierte Lieferanten zu finden. «Ich will Partnerschaften aufbauen und zusammen arbeiten – nicht einfach beziehen.» 

Herz siegt über Kopf

Dass er einen Laden mit regionalen Produkten wie Gemüse ausgerechnet im Winter eröffnet hat, sagt vieles über Florian Ambühls neues Leben aus. «Sonst bin ich eigentlich ein Kopfmensch. Doch dieser Laden war ein Herzensentscheid.» Er habe schon lange von der Selbstständigkeit geträumt. Als es dann mit seiner letzten Anstellung als Verkäufer im Innendienst nicht mehr funktioniert hatte, war für ihn schnell klar: Jetzt oder nie. Innerhalb weniger Monate war «Km13» geboren und eingerichtet. Auch wenn Ambühl offen zugibt, keine Ahnung von diesem Business zu haben.  «Aber schnurre und verchaufe chani!», sagt er und lacht. 

«Ich wollte bewusst nicht genau wissen, was auf mich zukommt, sonst hätte ich den Schritt wohl nicht gewagt.»

Florian Ambühl, Gründer «KM13»

Momentan sei er eine One-Man-Show. «Das Sortiment soll mit der Zeit viel grösser werden, aber in diesem Umfang kann ich mich langsam an die Herausforderung herantasten.» Dies gelte auch für finanzielle Angelegenheiten. «Am Anfang habe ich mit den Landwirten nicht über Preise verhandelt, denn sie müssen ja auch etwas verdienen.» Seitdem der Laden geöffnet ist, lege er den Fokus nun mehr auf die Zahlen. «Und die rosa Welt hat erste Dellen bekommen», gibt er zu. «Ich eröffne einen Laden in einer Zeit, in der alle anderen kleinen Player dichtmachen. Aber was solls. Ich bin zuversichtlich.»

Auf Expansionskurs

Von schwarzen Zahlen sei er einen Monat nach Eröffnung natürlich noch weit entfernt. Aber Ambühl ist mit den Entwicklungen in seinem Laden mehr als zufrieden. Sollten einmal alle Stricke reissen, würde er es als Worst-Case-Szenario mit einer Unterstützung durch Crowdfunding versuchen. «Doch so weit bin ich noch lange nicht», betont er. Mehr noch: Er will längerfristig mit der Marke «KM13» expandieren. «Das System ist schliesslich überall anwendbar und steht an jedem Ort für das Gut Regionalität.» Erste Interessenten gebe es bereits. 

Florian Ambühl sei erst zwei Mal in seinem Leben nervös gewesen, sagt er: einmal vor einer Podiumsveranstaltung als Gemeinderatskandidat in Mönchaltorf und einmal vor der Eröffnung des Ladens. «Aber ich wollte ja bewusst nicht genau wissen, was auf mich zukommt, sonst hätte ich den Schritt wohl nicht gewagt», sagt er und lacht. «Ich weiss dass ich etwas bekloppt bin – aber schreiben Sie das ja nicht in den Artikel!»

Weitere Informationen online unter www.km13.ch

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