Ihr Ehemann starb – und sofort kam das Steueramt
Heidi Staub aus Pfäffikon schüttelt den Kopf. «Das Verhalten des Steueramts ist rücksichtslos. Eine sehr geschmacklose Aktion.» Vor ihr auf dem Tisch liegen drei Steuerrechnungen der Gemeinde, eine für sie und zwei für ihren Mann Hanspeter. Dieser ist am 16. November verstorben. «Nur sieben Tage später kamen die Steuerrechnungen. Keine netten Worte oder Kondolenz. Ich finde das unverschämt», sagt die 72-Jährige.
«Alle Rechnungen waren auf den 21. November datiert.»
Heidi Staub, Witwe von Hanspeter Staub
Ein Blick zurück. Hanspeter Staub schlief am Freitag, 16. November, friedlich in seinem Zuhause in Pfäffikon ein. Nachdem sie sich von ihm verabschiedet hatte, nahm Heidi Staub die ganze Arbeit, die mit dem Tod ihres Mannes anfiel, in Angriff. «Ich ging am Montag nach seinem Tod, also am 19. November, zur Einwohnerkontrolle. Die Mitarbeitenden waren sehr freundlich und zuvorkommend.»
Umso grösser sei die Entrüstung gewesen, als sie am Freitag, 23. November, die Post entgegen nahm. «Eine Steuerrechnung richtet sich an meinen Mann und mich, bis zum Tag seines Todes. Bei der zweiten Rechnung handelt es sich um eine Einschätzung für mich alleine für den Rest des Jahres. Datiert sind alle auf den 21. November.»
Es sei für sie unbegreiflich, dass die Gemeinde demnach zwei Tage nach der Meldung von Hanspeter Staubs Tod diese Rechnungen bereits erstellt und versandt hat – ohne einen weiteren Kommentar.
Immer zahlungsfähig
«Solche Rechnungen kurz nach dem Tod des Ehepartners zu erhalten, dazu noch ohne ein Wort des Mitgefühls, kann einem schon zu denken geben», sagt Heidi Staub. Sie selber habe gefasst reagiert, da sie finanziell abgesichert sei. «Ich frage mich aber, wie das wohl für Leute ist, die nicht so ein finanzielles Polster haben.»
Sie würde die kurze Frist nachvollziehen können, wenn die Betroffenen regelmässig gemahnt hätten werden müssen. «Das war bei uns aber nicht der Fall. Mein Mann lebte seit 82 Jahren in Pfäffikon und geriet noch nie in Zahlungsschwierigkeiten.» Wenn die Steuerrechnungen drei bis vier Wochen nach dem Tod von Hanspeter eingetroffen wären, hätte Heidi Staub volles Verständnis gehabt. «Ein bisschen Luft um den Tod zu verarbeiten sollte man den Betroffenen aber lassen.»
Neue Software als Sündenbock?
Aufgrund des Amtsgeheimnisses kann Sandra Cacciavillani, Leiterin Steuern Pfäffikon, keine Stellung zum konkreten Fall nehmen. Sie weist jedoch darauf hin, dass die gesamte Gemeinde Pfäffikon, also auch das Steueramt, per 1. Januar die Hauptsoftware wechselt. «Im Steueramt wurden die definitiven Daten per Ende November 2018 übernommen. Dies setzte voraus, das vorher sämtliche pendenten Rechnungen möglichst zügig fakturiert werden mussten.» Es könne sein, dass es dabei «zu unglücklichen Überschneidungen kam.»
«Die neue Software setzte voraus, dass vorher sämtliche pendenten Rechnungen bis Ende November möglichst zügig fakturiert werden mussten.»
Sandra Cacciavillani, Leiterin Steuern Pfäffikon
Cacciavillani betont aber, dass sich betroffene Bewohner jederzeit bei ihr für ein Gespräch melden können. «Es ist uns wichtig, dass die Leute mit unserer Arbeit zufrieden sind und wir uns, bei allfälligen Fehlern, auch ehrlich dafür entschuldigen können.»
Die Gemeinde hat Regeln
Auch Hanspeter Thoma, Gemeindeschreiber von Pfäffikon, bedauert die Vorkommnisse. Er weist jedoch darauf hin, dass die Gemeinde in Todesfällen keine spezielle Kondolenz-Regelung pflegt. «Die Ämter erledigen ihre Arbeit, die bei verstorbenen Bewohnern anfällt. Persönlich kondoliert wird von unserer Seite aber nicht.»

