Das illustre Restaurant Galerie des Alpes im Bundeshaus trägt an diesem Montagnachmittag Züge eines Kinderspielplatzes. Im hinteren Teil des Lokals wird gekrabbelt, entdeckt und mitunter auch mit kindlicher Unschuld gelärmt. Die Kindergruppe gehört zur Entourage von Daniel Frei, dem ersten Ustermer Nationalrat seit 71 Jahren. Gemeinsam mit der ehemaligen Ustermer SP-Gemeinderätin Claudia Wyssen lebt er in einer Patchworkfamilie mit fünf Kindern, vier davon haben zuvor Freis Vereidigung beigewohnt und von der Angehörigen-Tribüne aus kräftig zugewinkt.
«Macht‘s gut, es dauert ein bisschen, bis ich wieder zu Hause bin», sagt Frei zu seiner Familie, ehe er sich vom Restaurant auf den Weg Richtung Wandelhalle macht. Dabei wird klar: Das Nationalratsmandat bedeutet für den 39-Jährigen einen neuen Lebensabschnitt. Seinen Job als Geschäftsleiter der Sozialdienste des Bezirks Dielsdorf hat er von 80 auf 60 Prozent reduziert, sein Amt als Gemeinderat von Niederhasli hat er aufgegeben. Die blockweisen Aufenthalte an den Sessionen in Bern werden sich auf sein Familienleben allerdings trotzdem auswirken, wie Frei selbst sagt: «Mein neues Leben setzt viel Toleranz meiner Partnerin voraus. Diese wird mir zum Glück entgegengebracht.»
«Ich bin Ustermer aus Liebe.»
Daniel Frei, Nationalrat (SP)
Überhaupt seine Partnerin: Sie ist der Grund weshalb Uster nach Jahrzehnten der – zumindest in personeller Hinsicht – bundespolitischen Bedeutungslosigkeit wieder auf der grossen Bühne auftaucht. Denn eigentlich repräsentiert Daniel Frei eher das Zürcher Unterland als die Greifensee-Region. Die Primarschule besuchte er in Niederglatt, das Gymnasium in Bülach und die ersten politischen Gehversuche machte er in Dielsdorf und Niederhasli. Als er die Ustermerin Claudia Wyssen kennenlernte, wurde Uster erst zu seinem Zweit-, in diesem Herbst dann zu seinem Hauptwohnsitz. «Ich bin Ustermer aus Liebe», pflegt Frei zu sagen.
Beifall von der falschen Seite?

