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«Ich bin immer noch ein Lehrling»

Anton Muff (DGF) ist seit rund 100 Tagen Gemeindepräsident von Fehraltorf. Trotzdem brauche er noch etwas Zeit, um richtig im Amt anzukommen. Im Interview blickt Muff zurück und in die Zukunft.

Anton Muff (DGF) hat seine ersten drei Monate als neuer Gemeindepräsident hinter sich. , Durch seine frühere Tätigkeit im Gemeinderat ist Muff in Fehraltorf bekannt., Dieser Vertrauensvorschuss der Bevölkerung bringt einen gewissen Druck mit sich.

Seraina Boner

«Ich bin immer noch ein Lehrling»

Als einziger Kandidat wurde Anton Muff (DGF) im vergangenen März zum Gemeindepräsident von Fehraltorf gewählt. Er tritt in die Fussstapfen von Wilfried Ott (SVP), der das Amt während 16 Jahren innehatte. Nun blickt Muff auf die ersten drei Monate als höchster Fehraltorfer zurück.

Mit dem Herbst kommt auch die Wurstzeit. Kommen Sie als neuer Gemeindepräsident überhaupt noch dazu, Koch- und Trockenwürste herzustellen?
Anton Muff: (lacht) Der Tag hat zum Glück 24 Stunden. Ich teile mir meine Zeit gut ein und nehme mir die Stunden, die ich für die Wurstproduktion benötige. Es ist mir wichtig, einen Ausgleich zum Arbeitsalltag zu schaffen.

Sie sind jetzt seit etwas mehr als drei Monaten im Amt. Wie fällt Ihre erste Zwischenbilanz aus?
Gut. Ich fühle mich wohl im Amt, die letzten drei Monate waren sehr spannend. Trotzdem bin ich immer noch ein Lehrling (lacht) . Es sind viele neue Eindrücke, die ich verarbeiten und Abläufe, die ich lernen muss. Ich denke, mit der Zeit kommt auch das richtige Gespür für verschiedene Themengebiete. Richtig im Amt angekommen bin ich wahrscheinlich erst, wenn ich ein Jahr hinter mir habe und mit der Betreuung von Finanzplänen, dem Budget, Gemeindeversammlungen und so weiter richtig vertraut bin.

«Richtig im Amt angekommen bin ich wahrscheinlich erst, wenn ich ein Jahr hinter mir habe.»
Anton Muff, Gemeindepräsident von Fehraltorf

Ihr Vorgänger Wilfried Ott war 24 Jahre im Gemeinderat, 16 davon als Präsident. Das sind grosse Fussstapfen, in die Sie getreten sind. Wie sind Sie damit umgegangen?
Ganz pragmatisch: Ich erhielt den Schlüssel zum Büro und zog dort ein. Vor meinem Amtsantritt im Juli verbrachte ich jeweils einen halben Tag in der Woche mit Wilfried Ott und schaute ihm über die Schulter. Ich knüpfte so Kontakte und nahm mich verschiedenen Dingen an, zum Beispiel auch der Vorbereitung einer Gemeinderatssitzung.

Eine «schleichende» Übergabe also. Was wollen Sie künftig anders machen als Ott?  
Ich bin ein Mensch der zuerst hinschaut und zuhört. Wenn ich mir dann eine Meinung gebildet habe, packe ich die Sache zielstrebig an und führe sie zum Abschluss. Es ist mir deshalb auch wichtig, den Austausch mit der Bevölkerung, der Verwaltung und den Gemeinderäten und -Innen zu pflegen. Ein wichtiger Sparringpartner ist auch der Gemeindeschreiber Marcel Wehrli. Es wird sicher einige Dinge geben, die ich anders machen werde als Wilfried Ott. Was genau wird sich zeigen . Klar ist aber, dass ich ein Mensch einer anderen Generation und mit anderem Charakter bin. Anders heisst aber nicht schlechter oder besser. Jeder hat seine Stärken und Schwächen.

«Wenn ich mir dann eine Meinung gebildet habe, packe ich die Sache zielstrebig an und führe sie zum Abschluss.»
Anton Muff, seit drei Monaten im Amt des Gemeindepräsidenten

Vor Ihrer Wahl als Gemeindepräsident waren Sie Liegenschaftenvorstand und mussten ständig gemeinsam mit der Bevölkerung Lösungen finden. Inwiefern kommen Ihnen diese Erfahrungen in Ihrem neuen Amt entgegen?
Der Umgang mit der Bevölkerung, den ich bisher pflegte, ist sicher von Vorteil für mich. Die Fehraltorfer kennen mich und wissen, wie ich arbeite. Ich habe eine Art Vertrauensvorschuss, der aber auch Druck ausübt. Ich möchte den Erwartungen, die die Bewohner an mich haben, auf jeden Fall gerecht werden.

In Fehraltorf wird eine Politkultur gepflegt, die darauf ausgerichtet ist, mittels Partei- und Bevölkerungsinformationen sowie Workshops alle einzubinden, die von Entscheiden betroffen sind. Läuft man da nicht Gefahr, dass es viel zu lange geht, ehe eine Entscheidung fällt beziehungsweise eine Richtung eingeschlagen wird?
Nein, dem würde ich widersprechen. Das beste Beispiel ist der Neubau der Mehrzweckhalle mit Lehrschwimmbecken auf dem Schulareal Heiget. Dabei handelt es sich um ein Generationenprojekt, das grosse Investitionen mit sich bringt. Werden schnelle Entscheidungen gefällt, ohne die Meinung der Bevölkerung einfliessen zu lassen, steht diese womöglich nicht hinter dem Projekt. Es ist klar, dass wir nicht die Bedürfnisse jedes einzelnen Fehraltorfers berücksichtigen können. Umso wichtiger ist es, die Bevölkerung von A bis Z zu informieren.

Am 5. November wird der Projektierungskredit der neuen Mehrzweckhalle an einer Informationsveranstaltung vorgestellt. Wie machen Sie das Projekt der Bevölkerung schmackhaft?
Wichtig war sicher die Vorarbeit, wie Bevölkerungsinformationen. Dort wurde der Handlungsbedarf aufgezeigt. Nach der Zustandsanalyse war sehr schnell klar, dass das ganze Projekt auf einen Neubau herauslaufen wird. Jene Bewohner, die an den Informationsanlässen waren, sind also bereits auf dem neuesten Stand und wissen, was auf sie zukommt. Jetzt gilt es, diesen Neubau Schritt für Schritt zu realisieren; begonnen beim Projektierungskredit.

Ein anderes, grosses Projekt, das ansteht, ist die Sanierung der Kempttalstrasse. Einige Geschäftsbetreiber befürchten Umsatzeinbussen, der Verkehr wird stark eingeschränkt sein. Wie sehen Sie hier Ihre Rolle?
Es ist sicher von Vorteil, dass die Sanierung etappenweise umgesetzt wird. Uns ist bewusst, dass diese Zeit eine Herausforderung für das Gewerbe wird. Als Gemeinde tragen wir so viel bei wie wir können, um die Geschäfte in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen. Das Gespräch wird gesucht. Auf den Ablauf der Sanierung  können wir wenig bis keinen Einfluss nehmen, da es sich um ein Kantonsprojekt handelt. Fragen und Rückmeldungen werden deshalb direkt an den Kanton weitergeleitet.  Für die Bevölkerung wird die Zeit der Bauarbeiten sicherlich eine Herausforderung. Aus Erfahrung gehe ich davon aus, dass zwei bis drei Tage Chaos herrscht. Dann werden die Autofahrer ihre Wege finden, um die Sperrungen zu umfahren. Am Ende ist die Sanierung aber sicher eine Aufwertung für das Dorf. 

Sie leben seit  knapp 30 Jahren in Fehraltorf. Was hält Sie hier?
Das Dorf und seine Infrastruktur gefallen mir sehr. Ich habe meinen Bekanntenkreis hier und diverse Vereine, in denen ich aktiv bin. Ich fühle mich sehr wohl in Fehraltorf.

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