Politik

Ustermer Oktoberfest ohne Uster-Bier

Die Brauerei Uster ist nicht mehr Bierlieferant des diesjährigen Oktoberfestes in Uster. Die Veranstalter haben sich für einen auswärtigen Lieferanten entschieden.

Ustermer Oktoberfest ohne Uster-Bier

Dirndl, Lederhosen und endlos lange Holztische, auf denen ausgelassen getanzt wird: Das alles gehört zu einem richtigen Oktoberfest. Auf keinen Fall fehlen darf auf der Wiesn auch das Mass Bier. In München, der Heimat des Volksfestes, ist es sogar Vorschrift, dass dieses von einer lokalen Traditionsbrauerei ausgeschenkt wird. Anders in Uster: Die Veranstalter haben sich entschieden, dass das Bier am diesjährigen Oktoberfest nicht mehr von der Brauerei Uster geliefert wird.

«Die Zusammenarbeit mit der Brauerei Uster wie auch die Qualität der Produkte waren voll und ganz in unserem Sinne und kaum passender für das Oktoberfest in Uster», heisst es in einer Stellungnahme, die der Organisator des Ustermer Oktoberfestes, die VF Entertainment GmbH, «Züriost» schriftlich zugestellt hat. Eine Partnerschaft wie jene mit der Ustermer Brauerei liege klar auf der Hand und wäre auch gerne weitergeführt worden. Aber:  « Im Frühling 2018 hat die Brauerei Uster nachweislich eine Veranstaltungs-Eingabe bei der Stadt Uster für ein eigenes Oktoberfest gemacht. Dieses Oktoberfest hätte unsere mit Herzblut aufgebaute Veranstaltung in der Landihalle ersetzen sollen.» Aus Sicht der Organisatoren ein unfaires Verhalten und ein «klarer Vertrauensbruch».

«Einige Wochen vor Eventstart mussten wir uns aus Zeitgründen anderweitig umschauen und haben uns nun entschieden, für dieses Jahr mit Haldengut zusammen zu arbeiten.»

VF Entertainment GmbH in einer Mitteilung

«Dies hat uns schwer getroffen, trotzdem haben wir das Gespräch mit der Brauerei Uster weiterhin gesucht, das dann im Sand verlaufen ist», schildert die VF Entertainment GmbH ihre Sicht der Dinge weiter. Obwohl man der Brauerei nochmals die Gelegenheit gegeben habe, sich einvernehmlich zu einigen – mit den bisherigen Lieferkonditionen sowie einer Wiedergutmachungs-Geste seitens der Brauerei –, sei diese nicht bereit gewesen einzulenken. «Einige Wochen vor Eventstart mussten wir uns aus Zeitgründen anderweitig umschauen und haben uns nun entschieden, für dieses Jahr mit Haldengut zusammen zu arbeiten.»

«Es gab jedes Jahr Diskussionen wegen der Preise»

Hanspeter Bucher, Präsident des Verwaltungsrates der Brauerei Uster, bestätigt, dass man zusammen mit drei anderen Lieferanten bei der Stadt eine Anfrage gemacht habe, um die Landihalle für den gleichen Zeitraum wie das Oktoberfest zu mieten – anstatt der jetzigen Organisatoren. «Unsere Preisvorstellungen deckten sich nicht mehr mit jenen des Organisators. Wir hätten zu hohe Rabatte und Leistungen gewähren müssen. Deshalb haben wir es in Betracht gezogen, ein eigenes Fest zu veranstalten.»

«Bei einem Oktoberfest sollte regionales Bier ausgeschenkt werden.»

Jürg Plüss aus Freudwil

Bucher versteht dass die Organisatoren verärgert sind : « Wir können die Reaktion nachvollziehen.» Doch es sei so, dass lokale Betreiber schlicht nicht mit den Angeboten der Grossanbieter konkurrieren könnten. «Und das müssen die jetzigen Veranstalter auch verstehen. Es gab jedes Jahr Diskussionen wegen der Preise.» Dem wollte man mit einer Anfrage an die Stadt einen Riegel schieben. «Wir hatten den Mut zu prüfen, ob sie sich für uns entscheiden würde», so Bucher . Dass die Entscheidung nun gegen die Brauerei Uster und die anderen drei Lieferanten ausgefallen ist, akzeptiere man. «Was wir aber nicht verantworten könne n , ist, dass die Organisatoren Wiedergutmachungs-Gesten verlange n.  Nur weil wir uns getraut haben, ebenfalls eine Anfrage zu starten.»

Die Brauerei Uster habe unzählige Reaktionen auf den Verlust des Auftrages erhalten. «Es gab Leute, die wollten einen Protestmarsch starten». Es tue ihm vor allem für die Aktionäre leid, dass diese am Oktoberfest nun nicht mehr offiziell den Anstich miterleben könnten. «Aber auch für die Ustermer Bevölkerung ist es schade, dass sie an den Wiesn kein Lokalbier mehr trinken kann.»

«Die sind zum Festen da»

Eine Umfrage von «Züriost» auf Usters Strassen zeigt, dass die meisten Passanten enttäuscht sind, dass am Ustermer Oktoberfest kein Usterbräu mehr ausgeschenkt wird. Jürg Plüss aus Freudwil sagt etwa, dass er es eine «Schweinerei» finde: «Bei einem Oktoberfest sollte regionales Bier ausgeschenkt werden.» Ins gleiche Horn stösst Sandra Hässig aus Wolfhausen: «Wenn das Oktoberfest in Uster ist, sollte auch Ustermer Bier ausgeschenkt werden.» Und auch Wilfried aus Uster meint: «Die Einheimischen werden Unverständnis zeigen, dass kein Uster-Bier ausgeschenkt wird.» Den Auswärtigen sei es vermutlich egal: «Die sind zum Festen da.»

Trotz der Uneinigkeit sagen beide Parteien, dass sie sich eine Zusammenarbeit wieder vorstellen können. «Es ist nicht so, dass nun die Gespräche auf Eis liegen. Wir stellen uns nicht quer, vielleicht nächstes Jahr wieder mit den Veranstaltern zusammenzuarbeiten», sagt Bucher.  Nicht ausschliessen will auch die VF Entertainment GmbH, ab nächstem Jahr wieder mit der Brauerei Uster zu kooperieren. «Für uns gehört Usterbräu zum Ustermer Oktoberfest.»

Die Strassenumfrage im Video:

(Video: Simon Grässle)

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