Yoga mit «Kuscheltier-Atmung»
Begriffe wie «Kieselstein» oder «zusammengerolltes Blatt» werden kaum als erstes mit Yoga in Verbindung gebracht. Doch bei Sarah Preisigs Yogastunden haben diese Ausdrücke ihren festen Bestandteil. Sie hat sich auf Kurse für Kinder spezialisiert, bei denen alle Anweisungen auch kindgerecht aufbereitet werden. «Die Annäherung an die Übungen und Prinzipien von Yoga erfolgt spielerisch», sagt sie. So wird etwa die Atemwahrnehmung mit der sogenannten «Kuscheltier-Atmung» eingeführt, bei der sich die Kinder ihr mitgebrachtes Tier auf den Bauch legen um so zu sehen und zu spüren, was durch die bewusste Ein- und Ausatmung geschieht. Zudem sind die Übungen auf Geschichten aufgebaut.
Anders als Erwachsene, die sich aus eigenem Antrieb für Yoga entscheiden, werden Kinder in einen solchen Kurs geschickt, die Motivation kommt also nicht von ihnen selber. «Trotzdem gab es bisher noch kein Kind, das nicht mitgemacht hat», sagt Preisig. «Wenn man auf die Bedürfnisse der Kinder eingeht, haben am Schluss alle Spass.»
In Indien verbreitet
In der Tanzschule Zwicky in Dübendorf bietet Sarah Preisig bereits Kinderyogakurse an, nun will sie sich in Volketswil ebenfalls ein Standbein aufbauen (siehe Box). «Die Nachahmung dessen, was die Grossen machen, ist Teil des kindlichen Alltages – und davon muss Yoga nicht ausgenommen werden.» So sei es etwa in Indien eine weit verbreitete Praxis, dass bereits mit Babys Übungen gemacht werden. An diversen Schulen in Deutschland, Österreich oder in den USA sei Yoga bereits ein fester Bestandteil im Schulalltag. Dies sollte laut Preisig auch in der Schweiz möglich sein.
«Die Kinder müssen lernen, sich selber spüren zu können – sowohl geistig als auch körperlich», sagt Preisig, die in Zürich und in Kindhausen Praxisräume für psychologische Beratungen hat. «Auf der körperlichen Ebene verbessert sich die Motorik, das Körpergefühl und die Körperwahrnehmung. Das macht Yoga attraktiv für die steigende Anzahl motorisch auffälliger Kinder.» Die Eltern der Kinder, die ihre Kurse besuchen, würden sich meist wünschen, dass das Yoga auch die Fähigkeit zur Konzentration verbessert und die Kinder dadurch lernfähiger werden. «Auch wenn sie noch nicht so sehr dem Alltagsstress ausgesetzt sind – Kinder müssen lernen, ihre Befindlichkeit selber zu steuern, um abschalten und sich entspannen zu können.»
Emotionalen Zugang
Bei Kindern laufe noch viel über die unbewusste Ebene, sie früh abzuholen sei wichtig. «Die emotionale und spirituelle Entwicklung, die durch fortlaufende Yoga-Praxis angeregt wird, ist für erwachsene Anfänger meist nicht primär von Bedeutung. Das entspricht zwar auch der Situation bei den Kindern, diese haben aber im Gegensatz zu den Erwachsenen einen hohen emotionalen Zugang zum Yoga.»
Laut Sarah Preisig ist Yoga weder Sport noch Trend. «Es ist ein sich-spüren-lernen um die innere Balance zu finden und das Selbstbewusstsein zu fördern.» In ihrem Familienalltag mit zwei Töchtern hat Yoga längst seinen festen Platz, auch ihr Mann mache gelegentlich mit. «Unsere Kinder wissen, wer sie sind und was sie wollen», sagt Preisig. Ihre Selbstwahrnehmung sei durch die spielerischen Übungen gestärkt worden.
Engagement in der Karibik
Anfang Woche ist die ganze Familie für vier Wochen in die Karibik gereist – nach Trinidad und Tobago, wo Preisigs Mutter ursprünglich herkommt. Auch diese Reise steht ganz im Zeichen von Yoga. «Dort ist kein Geld für Kurse vorhanden, darum biete ich mein Wissen kostenlos den Lehrern in den Schulen an und hoffe, dass ich dadurch wertvolle Impulse setzen kann.»
Kurs Kinderyoga
Vom 29. August bis am 19. Dezember bietet Sarah Preisig jeweils am Mittwoch von 14.15 bis 15 Uhr (Kinder im Alter von 4 bis 6 Jahren) und 15.15 bis 16.15 Uhr (Kinder im Alter von 7 bis 9 Jahren) einen Yogakurs im Gemeinschaftszentrum In der Au an. In den Herbstferien findet der Kurs nicht statt. Die Kosten für den Kurs betragen 255 Franken pro Kind. Anmeldung via Gemeinschaftszentrum. (zo)
