Das Projekt Stadtraum Uster 2035 ist auf der Prioritätenliste von Usters Polit-Betrieb längst ganz oben angekommen: Jüngst war es Stadtrat Stefan Feldmann (SP), der das Projekt vor seiner Einsetzung als neuer Ustermer Bauvorstand als Grund nannte, weshalb das Ressort Bau für ihn das «Wunschressort» gewesen sei. Und auch im letzten Wahlkampf spielte «Uster 2035» eine wichtige Rolle: «Alle Stadtratskandidaten setzten sich in irgendeiner Weise mit dem Thema Stadtentwicklung auseinander», sagt der Ustermer Stadtplaner Patrick Neuhaus, der das Projekt gemeinsam mit Feldmanns Vorgänger, dem ehemaligen Bauvorstand Thomas Kübler (FDP), ins Leben gerufen hat.
Überraschend ist das nicht: Denn bei «Stadtraum Uster 2035» geht es um die grossen Linien der Städteplanung. Um Zukunftsvisionen und damit auch um die Frage, in welcher Umgebung sich der Alltag der Ustermer in der drittgrössten Stadt des Kantons dereinst abspielen wird.
Ruf nach mehr Mut
7000 Einwohner muss Uster gemäss einer Vorgabe des Kantons bis 2035 integrieren. Die Stadt würde dann rund 42‘000 statt wie heute 35‘000 Einwohner zählen.
Im Rahmen des Projekts Stadtraum Uster 2035 wird in so genannten Echoräumen über dieses Szenario diskutiert. Dem «Echoraum 1» gehören unter anderem jene Ustermer Parlamentarier an, die Mitglieder der Kommission für Planung und Bau (KPB) sind. Im «Echoraum 2» sind die Vertreter verschiedener Interessenorganisationen dabei, zum Beispiel Exponenten der Quartiervereine oder von Wirtschafts- und Kulturverbänden.
Die Diskussion über das künftige Uster ist in vier Themenfelder untergliedert: «Verkehr», «Wohnen und Arbeiten», «Zentrum» und «Freiräume». Eine Klammer gibt es laut Patrick Neuhaus insofern, als dass die künftige Stadtplanung in sämtlichen Bereichen an die bisherige Entwicklung anschliesst. Heisst: Die vergangene Stadtplanung soll nicht auf den Kopf gestellt werden, sondern im Grossen und Ganzen sollen Entwicklungen, die schon in den vergangenen Jahren oder Jahrzehnten ihren Anfang genommen haben, weiter akzentuiert werden. «Wir planen lediglich die nächsten 20 Jahre einer längeren Geschichte», sagt Neuhaus.
Diese Zurückhaltung bedauert Gemeinderat Wolfgang Harder (CVP), der in den Echoräumen mitdiskutiert: «Mir fehlen ein wenig die ganz grossen Würfe, das Unvorhergesehene. Ich finde, man könnte mehr wagen.» Harder erwähnt zum Beispiel eine Untertunnelung der Stadt oder Strassen, die nur bestimmten Verkehrsteilnehmern offen stehen.

