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Egger Pfarrstelle noch nicht neu ausgeschrieben

Louis Landolt war 40 Jahre lang Präsident der Katholischen Kirchgemeinde Egg. Nun hat er das Amt an Thomas Petermann übergeben. Noch gesucht wird ein Nachfolger für Pfarrer Fulvio Gamba, der im letzten Jahr grosser Kritik ausgesetzt war. Bisher ohne Stelleninserat.

Wann die Kirchgemeinde Egg einen neuen Pfarrer wählen kann, ist ungewiss. Momentan laufen Gespräche mit Generalvikar Josef Annen. (Archivfoto: Seraina Boner)

Egger Pfarrstelle noch nicht neu ausgeschrieben

4, 22, 30 und 40 Amtsjahre – an der Versammlung der Römisch-katholischen Kirchgemeinde Egg wurden vier Personen nach zum Teil jahrzehntelangem Engagement verabschiedet. Allen voran Louis Landolt, der nach 40 Jahren als Präsident der Kirchenpflege das Amt an Thomas Petermann weitergab. «Ich habe sehr viel gestalten, bewirken und ausserordentlich viel bauen können», sagt Landolt. «So ist es nach 40 Jahren Zeit, die Verantwortung der nächsten Generation geplant weiterzugeben.»

Verzicht auf Neuwahl

Nicht nur Landolts Engagement als Kirchenpräsident ging im Juni zu Ende, auch Fulvio Gambas Amtszeit als Pfarrer lief mit dem Monatswechsel aus. Bereits im letzten November teilte er mit, nicht für die neue Amtsdauer 2018 bis 2024 zur Wahl anzutreten. Die happigen Vorwürfe, die Anfang 2017 an den Pfarrer laut wurden, hätten mit diesem Entscheid nichts zu tun gehabt, betonte die Kirchenpflege damals in einer Stellungnahme (siehe Box). Gamba wolle sich nach 15 Jahren Tätigkeit in der Kirchgemeinde neu orientieren, stehe aber vorerst als Pfarradministrator weiter zur Verfügung. 

Happige Vorwürfe und eine Untersuchung

Im November 2016 wurde Fulvio Gamba mit 88 Ja- zu 52 Nein-Stimmen zum neuen Pfarrer der Kirchgemeinde gewählt. Zuvor hatte er als Pfarradministrator gearbeitet. Kurz nach der Wahl wurde von verschiedenen Seiten Kritik am neu gewählten Pfarrer laut. Die Vorwürfe reichen von Mobbing über Demütigung bis hin zu jähzornigem Verhalten. Es sei darum in der Kirchgemeinde bereits zu Kündigungen gekommen. Auch Louis Landolt geriet ins Kreuzfeuer der Kritik, besonders seine lange Amtszeit stiess einigen sauer auf. Er würde die Augen vor der Situation verschliessen und den Pfarrer schützen. Sowohl Gamba als auch Landolt wiesen die Vorwürfe zurück. 

Der Mönchaltorfer Jürg Simeon reichte im März 2017 eine Aufsichtsbeschwerde gegen die Kirchgemeinde bei der Rekurskommission der Römisch-katholischen Kirche des Kantons Zürich ein. Diese beinhaltete den Antrag, sowohl Fulvio Gamba als Pfarrer als auch Louis Landolt als Kirchenpflegepräsident ihres Amtes zu entheben. Ende Juni 2017 schliesslich schloss die Rekurskommission ihre Untersuchung ab und entkräftete dabei sämtliche Vorwürfe von Mobbing und verletzter Fürsorgepflicht. 

Dass die Stelle noch nicht öffentlich ausgeschrieben ist, stösst manche Kritiker des Pfarrers vor den Kopf. Doch Arnold Landtwing, Informationsbeauftragter des Generalvikariates für die Kantone Zürich und Glarus, erklärt: Der Prozess einer Nachfolgeregelung dauere, je nach Situation vor Ort und der Grösse des Seelsorgeraums, unterschiedlich lange, erfahrungsgemäss jedoch mindestens ein Jahr. «Es ist äusserst schwierig, für einen dermassen komplexen Seelsorgeraum,  zu dem auch die Gemeinden Maur, Mönchaltorf und Oetwil am See gehören, einen geeigneten Pfarrer zu finden – dies nicht zuletzt wegen der vergangenen Querelen in der Kirchgemeinde, welche in der Öffentlichkeit ausgetragen worden sind.»  

Im Gegensatz zur Privatwirtschaft, wo die neu zu besetzende Stelle meist so schnell wie möglich neu ausgeschrieben wird, gelten bei der Katholischen Kirche andere Gepflogenheiten. Eine Kirchgemeinde könne nicht aus eigener Initiative eine Stelle ausschreiben, alles laufe über den Bischof. «Die komplexen Abläufe sind oft schwer nachvollziehbar, auch für Mitarbeitende der Kirche», gibt Arnold Landtwing zu. 

«Bedürfnisse abklären»

Grundsätzlich werde die Planung der Nachfolge erst nach dem Ablauf der Amtszeit angepackt. Mit der Arbeit von Fulvio Gamba als Pfarreiadministrator sind die Seelsorge und die Leitung der Pfarrei gemäss Landtwing gewährleistet. «Ein Pfarradministrator ist mit allen Rechten und Pflichten eines Pfarrers ausgestattet und kann diesen Dienst bis zu zwei Jahren ausüben.» Sollte auch nach zwei Jahren noch kein Nachfolger gefunden sein, müsste nach neuen Lösungen gesucht werden. «Bisher konnten noch immer alle Stellen neu besetzt werden.» 

«Dass es noch kein Stelleninserat gibt, heisst nicht, dass die Nachfolgesuche auf Eis gelegt ist.»

Arnold Landtwing

In Absprache mit dem Bischofsrat sei Generalvikar Josef Annen in engem Kontakt mit Fulvio Gamba und wird zu gegebener Zeit festlegen, wann eine Ausschreibung erfolgen kann. «Zuerst werden die Bedürfnisse der beteiligten Parteien geklärt», sagt Arnold Landtwing. Dabei gelte es auch andere Kirchgemeinden im Auge zu behalten, um allenfalls einen geeigneten Nachfolger direkt auf die offene Stelle in Egg aufmerksam machen zu können. Dass zwei Priester ihr Tätigkeitsgebiet tauschen, wäre ein Idealfall, der aber bisher noch nicht vorgekommen sei. 

Ausgeschrieben werde die Stelle «zu gegebener Zeit» direkt  durch das Bistum. Gemäss Pfarrwahlreglement tritt der Generalvikar mit der Kirchenpflege in Kontakt, um eine Nachfolgeregelung zu besprechen und einzuleiten. «Dass es noch kein Stelleninserat gibt, heisst nicht, dass die Nachfolgesuche auf Eis gelegt ist», sagt Landtwing. 

Unterstützung versichert

Gegenüber den Kritikern von Fulvio Gamba steht eine Reihe von Befürwortern seiner Arbeit. An der Kirchgemeindeversammlung wurde denn auch mitgeteilt, dass über 200 Unterschriften gesammelt wurden, um Gamba die Unterstützung auszudrücken und ihn dazu zu bewegen, in der Kirchgemeinde zu bleiben. 

Thomas Petermann ist neuer Präsident

Anlässlich der Kirchgemeindeversammlung wurden neben Louis Landolt auch RPK-Präsident Mario Gobba nach 22 Jahren, RPK-Mitglied Anton Gadient nach 30 Amtsjahren und Kirchenpflegerin Tincy Kattuveettil nach 4 Jahren verabschiedet. Die bisherigen Kirchenpfleger Thomas Petermann (neu auch als Präsident), Manfred Assmann, Walter Oberli und Thomas Reichl wurden in ihrem Amt bestätigt. Neu in die Kirchenpflege gewählt wurden Dieter Blessing und Dominik Oberholzer. In der RPK wurde der bisherige Roland Kurtz als Präsident gewählt. Neu in der RPK sitzen Beat Rüegg und Nicolas Haas. Zudem wurde die  Rechnung 2017 bei einem Aufwand von rund 2,3 Millionen Franken und einem Ertrag von rund 2,4 Millionen Franken einstimmig genehmigt. 

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