Zwischen Bussen und Toleranz
In Hittnau ärgern sich Anwohner über Lärmbelästigung und nächtliche Feiern von Jugendlichen. Seit im Luppmenpark zwei Bänke und ein Tisch entfernt wurden (wir berichteten), haben sich die dortigen Partys gelegt – nicht aber in anderen Dorfteilen.
«Letzte Wochen hielten sich Jugendliche wieder auf dem Kirchenplatz auf und waren viel zu laut.»
Uwe Kleinschmidt, Anwohner nahe der Kirche
Uwe Kleinschmidt wohnt in der Nähe der Kirche. «Gerade letzte Woche kam es wieder vor, dass sich Jugendliche auf dem Kirchenplatz aufhielten, Musik hörten und viel zu laut waren», sagt er. Es sei für ihn unverständlich, weshalb sich die jungen Erwachsenen nicht an gewisse Regeln halten und die Nachtruhe anderer Bewohner stören. «Ich, aber auch andere Nachbarn, riefen schon öfter die Polizei. Sobald diese aber weg war, gingen die Partys weiter. So geht das doch nicht», ärgert er sich.
Von Meldungen überrascht
Gemeinderätin Claudia Schnyder (parteilos) hält fest, dass das Problem der Lärmbelästigung letzten Herbst sehr akut gewesen sei – darauf habe man aber reagiert. «Das Alter im Jugendschopf wurde auf 18 heruntergesetzt. Zudem patrouilliert die Firma Alpha Protect regelmässig an den Wochenenden in Hittnau», sagt die Gesundheitsvorsteherin.
«Die letzte Meldung ging Ende Mai bei der Polizei ein.»
Claudia Schnyder, Gemeinderätin von Hittnau
Seither habe sich die Situation verbessert. «Die letzte Beschwerde ging bei der Polizei Ende Mai ein. Auch die Protokolle von Alpha Protect zeigen nichts Aussergewöhnliches.» Es erstaune sie, zu hören, dass es seither wieder eine solche Welle an Nachtruhestörungen gegeben haben soll. «Es ist klar, dass Jugendliche teilweise etwas lauter sind. Je nach Situation ist das aber auch eine Frage der Toleranz.»
Namen notieren, Eltern beiziehen
Brigitte Wegmann, die an der Dürstelenstrasse wohnt, sagt, ihre Toleranz habe irgendwann ein Ende. «Ich werde wöchentlich von Lärm und Motorgeräuschen geweckt. Mittlerweile habe ich es aufgegeben, die Polizei zu rufen.»
Selbst wenn die Ordnungshüter vor Ort seien, würden sich die Jugendlichen davon nicht beeinflussen lassen. «Ich habe das Gefühl, sie nehmen die Polizei nicht ernst», sagt Wegmann. Sie schlage vor, die Namen der Verursacher zu notieren und deren Eltern beizuziehen. «Vielleicht lernen sie dadurch, Rücksicht zu nehmen.»
«Ich habe es aufgegeben, die Polizei zu rufen.»
Brigitte Wegmann, Hittnauer Bewohnerin
Uwe Kleinschmidt wünscht sich, dass die Gemeinde die Polizeiverordnung wirksam umsetzt. «Auch andere Bewohner sind dieser Meinung. Darin steht nämlich, dass unter anderem Bussen verteilt werden dürfen. Das wäre eine von verschiedenen Massnahmen, die man in Betracht ziehen könnte.»
Umgehend an die Polizei wenden
Claudia Schnyder widerspricht. «Nur die Kantonspolizei ist berechtigt ist, Ordnungsbussen zu verteilen. Die Kantonspolizei ist unser Ordnungshüter in Hittnau setzt somit unserer Polizeiverordnung um. Wir sind auf Aktenkundiges und nicht auf Gerüchte angewiesen.»
Deshalb appelliere sie an jeden einzelnen Anwohner, sich bei der nächsten Lärmbelästigung umgehend an die Polizei zu wenden. «Die Meldungen werden protokolliert. So haben wir einen genauen Überblick über den Verlauf der Belästigungen und können entsprechend reagieren.»
Rebecca Tilen, Mediensprecherin der Kantonspolizei Zürich, rät ebenfalls, sich bei einer Lärmbelästigung an die Polizei zu wenden. «Beim ersten Einsatz verwarnen wir die Verursacher, nehmen ihre Personalien auf und ermahnen sie, leise zu sein.»
«Wiederkehrender Lärm ist schlussendlich auch ein Problem der Gemeinde.»
Rebecca Tilen, Mediensprecherin der Kantonspolizei Zürich
Muss eine Patrouille zum zweiten Mal an den gleichen Ort ausrücken, werden Ordnungsbussen verteilt. «Beim dritten Mal gibt es eine Verzeigung», sagt Tilen. Wegen Lärmbelästigungen werden die Eltern der Verursacher in der Regel nicht benachrichtigt. «Wiederkehrender Lärm ist schlussendlich auch ein Problem der Gemeinde.»
Die Polizisten seien keine Erziehungsbeauftragten. «Handelt es sich immer wieder um die gleichen Lärmverursacher, sollte die Gemeinde auf die betroffenen Jugendlichen und deren Eltern zugehen und ein Machtwort sprechen.»

