Politik

Die Natur zum Klassenzimmer umfunktionieren

In Wila errichtet der Verein Bienenschule einen Lehrpfad nach Grundsätzen der Permakultur. So sollen die Möglichkeiten des Geländes optimal genutzt werden. Ausserdem wurden Lerntafeln aufgestellt, die Schüler und andere Interessenten das Leben der Bienen näherbringen soll.

Die Natur zum Klassenzimmer umfunktionieren

Es ist plötzlich taghell im ausgehöhlten Baumstamm, und das ist ein Problem. Eine Biene nach der anderen kehrt zurück in den Bau, sekundenschnell füllt sich dieser mit einem energischen und lauten Summen, die Bienen scheinen zu überlegen, wie auf diese plötzliche Veränderung am besten reagiert werden soll.

«Das ist für die Bienen natürlich eine Stresssituation. Allzu lange nehme ich die Rückwand dieser Klotzbeute deshalb nie weg», erklärt Jojo Linder und setzt das Holzstück, das die durchsichtige Plexiglaswand verdecken soll, wieder auf.

Die Klotzbeute, ein traditionelles Bienenhaus aus einem ausgehöhlten Baumstamm, wie es im Mittelalter zur Imkerei genutzt wurde, ist Teil des Bienenlehrpfades der Bienenschule, die seit einem Jahr in Wila zu Hause ist.

Auf einem grosszügigen und idyllischen Grundstück am Waldrand hat die als Verein organisierte Bienenschule verschiedene Lern­­stationen mit Infotafeln eingerichtet. Damit will sie Schulklassen und weiteren Interessierten die Welt der Bienen näherbringen. Bewirtschaftet wird das Gelände nach Grundsätzen der Permakultur. «Wir möchten anhand der Bienen zeigen, dass wir mit dem Kreislauf der Natur leben können», sagt Linder.

Schauen, was das Land bietet

Linder ist Präsident des Vereins Bienenschule und beschäftigt sich schon lange mit Permakultur. «Permakultur bedeutet etwas vereinfacht gesagt, dass man auf der einen Seite festhält, was man für Bedürfnisse hat, und dass man auf der anderen Seite notiert, was ein Stück Land bietet. Dann versucht man, diese beiden Seiten möglichst ideal zu kombinieren», erklärt er und macht ein konkretes Beispiel: «Wir brauchen einen Ort, wo wir einer Klasse draussen etwas erzählen können, eine Art Klassenzimmer also. Zudem möchten wir verschiedene Blumen und Kräuter ziehen, um den Bienen vielfältige Nahrung zu bieten.»

Die Bienen geniessen einen vielfältigen Lebensraum:  

Auf der Angebotsseite biete das Grundstück eine natürliche, halbrunde Neigung. «Hier können wir mit wenig Aufwand eine Art römisches Theater aus grossen Steinen gestalten. Die Steine bilden eine Sonnenfalle, sie werden von der Sonne aufgewärmt, strahlen Hitze ab und dadurch entsteht ein mediterranes Klima – ideal für viele Wildblumen und Kräuter.»

«Wir brauchen einen Ort, wo wir einer Klasse draussen etwas erzählen können, eine Art Klassenzimmer also.»

Jojo Lindner, Präsident Verein Bienenschule

Auf diese Art haben Linder und seine Vereinskollegen das ganze Gelände analysiert und geplant. Einiges steht bereits, einiges ist noch im Planungsstadium. So wollen sie etwa den Lochbach, der im Moment noch im Untergrund verläuft, renaturieren und ein Biotop anlegen. «Wir bemühen uns im Moment um die dafür nötigen Bewilligungen.»

Weiter haben sie bereits verschiedene Klotzbeuten im Gelände platziert. Eine haben sie speziell mit einer durchsichtigen Plexiglasrückwand angefertigt. So können die Schüler sehen, wie sich ein Bienenvolk organisiert und wie eine natürlich gewachsene Bienenwabe mit Honig aussieht. «Wir haben südlich dieser Klotzbeute eine Art Anflugschneise mit vielen Wildblumen gepflanzt. So werden die Bienen regelrecht zum Bienenhaus gelotst.»

Permakultur sucht Lösungen

Permakultur ist für Linder mehr als nur ein Nutzen zum Zweck. Es ist eine Lebenseinstellung. Linder hat lange in der Entwicklungshilfe gearbeitet. «Gerade dort hat Permakultur als Konzept meiner Ansicht nach ein grosses Potenzial: Anstatt dass man darauf fokussiert, was alles schiefläuft, konzentriert sich die Permakultur auf Lösungen», sagt Linder enthusiastisch. Sie baue auf den örtlichen Gegebenheiten auf und schliesse Kreisläufe. «Das ist meiner Meinung nach das beste Mittel, dass die Menschen für sich selber sorgen können.»

Linder hat aber für sich selber gemerkt, dass er nicht längerfristig in der Entwicklungshilfe arbeiten möchte. «Um wirkliche Veränderungen bewirken zu können, muss man langfristig vor Ort involviert bleiben. Mein Lebensmittelpunkt ist aber in der Schweiz. Deshalb möchte ich hier Veränderungen anstossen.»

«Um wirkliche Veränderungen bewirken zu können, muss man langfristig vor Ort involviert bleiben.»

Jojo Lindner, setzte sich lange in der Entwicklungshilfe ein

Linder hat denn neben der Bienenschule noch ein zweites Projekt am Laufen, das ihn zeitlich im Moment sehr einspannt: das Kompotoi, ein mobiles Kompost-WC, das ähnlich wie ein Toitoi-WC an Veranstaltungen zum Einsatz kommen kann. «Deshalb konzentrieren wir uns mit der Bienenschule im Moment vor allem darauf, das Gelände zu gestalten. Anlässe und Workshops haben wir dann für nächstes Jahr wieder im Köcher.»

Die Bienen scheinen sich derweil auf dem Gelände wohlzufühlen. Und nachdem im Bienenstock wieder Dunkelheit und damit Normalität eingekehrt ist, schwärmen die Arbeiterbienen munter wieder aus, um auf der blühenden Wildblumenwiese Nahrung für den Nachwuchs zu sammeln. (Claudia Peter)

Weitere Informationen rund um das Bienen-Projekt finden Sie hier: www.bienen-schule.ch

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