«Mädchen sollen sich trauen, Fussball zu spielen»
«Fussball ist keine reine Männersportart mehr. Das zeichnete sich während der letzten paar Jahre deutlich ab», sagt Fabienne Siegenthaler. Für die Vizepräsidentin und Juniorinnenverantwortliche des FC Effretikon ist es deshalb kein Wunder, dass sich auch bei ihrem Verein immer mehr Mädchen für ein Training anmelden.
Gleicher Meinung ist Vereinspräsident André Sahli. «Momentan erleben wir einen Boom, in fast jeder Alterskategorie können wir eine reine Mädchenmannschaft stellen. Trotzdem bemühen wir uns, noch mehr für den Mädchenfussball zu tun.
Von sieben auf 40 Mädchen
Nach der Fussballeuropameisterschaft vor zwei Jahren wurde der FC Effretikon von Mädchenanfragen überrannt. «Wir führten zwar seit 25 Jahren eine Mädchen- und Damenabteilung, diese war aber starken Schwankungen unterworfen. Je nach Alter mussten die Mädels zum Beispiel mit den Jungs zusammenspielen», sagt der Vereinspräsident.
«Vielen Mädchen wäre es unwohl gewesen, in einem gemischten Team zu spielen.»
André Sahli, Präsident FC Effretikon
Dementsprechend seien die interessierten Fussballerinnen enttäuscht gewesen. «Vielen von ihnen wäre es unwohl gewesen, in einem gemischten Team zu spielen», sagt Sahli. Seine eigene Tochter habe ihn schliesslich überzeugt, mehr Zeit in die Juniorinnenabteilung zu investieren. «Sie sprach mich darauf an und sagte mir, dass ich etwas auf die Beine stellen sollte. Das tat ich dann auch. Anfangs starteten wir mit sieben Mädchen – innerhalb von sechs Monaten hatten wir rund 40.
Mehr Überzeugung gebraucht
Mittlerweile zählt der FC Effretikon rund 120 Kickerinnen – und es sollen noch mehr werden. «Es ist uns wichtig, dass wir uns für beide Geschlechter einsetzen. Die Mädchenabteilung ist auf der gleichen Ebene wie die der Jungs, egal ob es um Weiterbildungen oder Trainingslager geht», sagt die Juniorinnenverantwortliche Fabienne Siegenthaler.
Trotz des momentanen Booms brauche es bei Mädchen aber immer noch ein bisschen mehr Überzeugung für einen Vereinsbeitritt als bei Buben. «Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass Verwandte zum Teil ein Hindernis sein können. Sie sehen in ihrer Tochter, Enkelin oder Nichte nicht immer eine Fussballerin. Zum Glück war dies bei mir nicht der Fall, meine Familie hat mich immer unterstützt.»
«Verwandte sehen in ihrer Tochter, Enkelin oder Nichte nicht immer eine Fussballerin.»
Fabienne Siegenthaler, Juniorinnenverantwortliche beim FC Effretikon
Ausserdem seien Mädchen eher die Teamplayer als die Buben. Sahli führt aus: «Die Mädels melden sich öfter gemeinsam mit einer Freundin oder gleich in der Gruppe an. Überhaupt interessierte Freundinnen zu finden, kann aber Zeit in Anspruch nehmen.»
Der FC Effretikon nehme es sich deshalb umso mehr zu Herzen, den Mädchen zu zeigen, dass sie immer willkommen seien. «Egal wie alt, egal wie viel Erfahrung, egal ob alleine oder zu zweit: Die Mädels dürfen jederzeit ein Probetraining absolvieren», sagt André Sahli.
Der Verein versuche dadurch, einen Mehrwert gegenüber anderen Fussballclubs zu schaffen. «An vielen Orten wird je nach Alter immer noch gemischt trainiert, bei uns in reinen Mädchenteams. Es macht uns stolz, diese Entwicklung zu beobachten», so Siegenthalter.
Fussballer im TV motivieren
Siegenthaler und Sahli glauben, dass die aktuelle Weltmeisterschaft das Interesse an Fussball noch mehr steigert. «Sehen Kinder im TV Fussballer, werden sie für den Sport motiviert. Es ist schön, wenn wir ihnen eine Möglichkeit geben können, ihr neues Hobby auszuleben», meint Sahli.
Weitere Informationen sowie Anmeldemöglichkeiten finden Sie unter: www.fceffretikon.ch

