«Haie brauchen mich dringender als Katzen»
«Ich hatte Jahre lang grosse Angst vor dem Ozean», sagt Yvonne Löffler. Schon als kleines Kind habe sie aber die Namen fast sämtlicher Fische gekannt. «Als mir Bekannte von ihren Tauchgängen erzählten, regten sie sich irgendwann fast darüber auf, dass ich besser über die Unterwasserwelt Bescheid wusste als sie», sagt Löffler und lacht. Und immer sei die Frage gekommen, warum sie selbst nicht tauche. Erst vor sechs Jahren hatte sich die heute 40-Jährige zum ersten Mal unter Wasser getraut. Als sie dann in Ägypten den Tauchschein gemacht und sich zwischen den farbenfrohen Fischen umgesehen hatte, sei ihr klar gewesen: «Ich bin zu Hause.»
Haifleisch in der Schweiz
Heute trägt sie einen silbernen Hammerhai als Kette um den Hals, in den Ohren stecken kleine Haifiguren. Löffler machte innert kurzer Zeit die 180-Grad-Drehung von der wasserscheuen Frau zur Hailiebhaberin. «Ich habe ein Urvertrauen in diese Tiere. Sie haben es nicht auf uns Menschen abgesehen und werden trotzdem verachtet.» Nachdem sie sich mit der Debatte um die umstrittenen Tiere tiefer auseinandergesetzt hatte, war für sie klar: «Die Haie brauchen eine Lobby, die für ihre Rechte kämpft.»
Die Flossen der Haie kommen zwar primär in asiatischen Ländern auf die Teller, stammen aber zu 30 Prozent von spanischen Fischereiflotten. Haifleisch ist zudem nicht nur in Asien eine Delikatesse. Auch in der Schweiz wird es als Steaks verkauft, in Deutschland ist es vor allem unter dem Begriff «Schillerlocken» verbreitet. «Viele Personen wissen nicht einmal, dass das geräucherte Stück Fisch, das sie gerade essen, von einem Hai stammt», sagt Yvonne Löffler. Von den rund 500 bekannten Haiarten stehen bereits 100 auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten, denn jedes Jahr werden zwischen 100 und 150 Millionen Haie als Opfer von gezielter Jagd oder als Beifang in Netzen getötet. Sie selbst habe nach ihren ersten Tauchgängen aufgehört, Meerestiere zu essen, lebt mittlerweile ganz vegetarisch.

