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Volketswiler sagen Ja zu neuer Gemeindezeitung

Die Diskussion um die Bestimmung des Publikationsorgans der Gemeinde Volketswil dauerte an der Gemeindeversammlung am Freitag rund eineinhalb Stunden. Schliesslich sagte der Souverän Ja zur neuen Variante.

In Zukunft wird das amtliche Publikationsorgan der Gemeinde Volketswil von der Lokalinfo AG produziert. (Symbolbild: Züriost)

Volketswiler sagen Ja zu neuer Gemeindezeitung

«Das gab es noch nie», meinten einige Volketswiler, als an der Gemeindeversammlung zusätzliche Stühle aufgestellt werden mussten. In den letzten Jahren bewegte sich die Anzahl anwesender Stimmberechtigten jeweils zwischen 75 und 160, am Freitag strömten 358 Volketswiler in die Halle des Kultur- und Sportzentrum Gires, dazu waren auch die Zuschauerränge gut besetzt.

Sie alle kamen nicht etwa wegen der Jahresrechnung, den Genehmigungen der Bauabrechnung für die Innensanierung des Parkhotel Wallberg oder der Abrechnung des Kredits für den Projektwettbewerb des Pflegezentrum-Neubaus, die allesamt durchgewinkt wurden – sie kamen wegen der Bestimmung des amtlichen Publikationsorgans. 

Auch die Jahresrechnung 2017 der Politischen Gemeinde wurde genehmigt. Diese schliesst bei einem Aufwand von rund 56,59 Millionen und einem Ertrag von rund 55,19 Millionen mit einem Minus von rund 1,4 Millionen Franken. Das ist ein um 3,14 Millionen Franken besseres Resultat als budgetiert. Als zweites stand die Genehmigung der Bauabrechnung der Innensanierung des Parkhotel Wallberg an und als letztes Geschäft die Wahl des Wahlbüros für die Amtsdauer 2018 bis 2022. 

 

Heute wird der «Volketswiler», der einmal pro Woche als Zeitung verteilt wird, von der Zürcher Oberland Medien AG produziert. Dass die Volketswiler Bevölkerung mit dem Status Quo unzufrieden ist, zeigte sich unter anderem in der Diskussion, die ganze eineinhalb Stunden dauern sollte. 

Der Gemeinderat hat das amtliche Publikationsorgan Anfang Jahr im Submissionsverfahren neu ausgeschrieben. Den Zuschlag erhielt die Zürcher Lokalinfo AG, welche nur noch alle 14 Tage eine gedruckte Zeitung vorsieht – diese soll dafür mehr Seiten enthalten – und parallel ein ausgebautes Digitalangebot mit einer App plant. 

Verweis auf ältere Generation

Dass das Blatt nur noch alle 14 Tage erscheinen soll, war einer der Hauptkritikpunkte für viele Volketswiler, die sich sonst mit dem neuen Konzept hätten anfreunden können. «Wenn ein Verein das Pech hat, gerade in der falschen Woche seine Veranstaltung geplant zu haben, ist das ein grosses Problem», meinte ein Votant. Er schlug dem Gemeinderat darum vor, zusätzlich an den Ortseingängen Informationstafeln aufzustellen, die auf aktuelle Anlässe hinweisen.

Viele verwiesen auch auf die ältere Generation, die auf eine gedruckte Ausgabe angewiesen sei und mit den digitalen Kanälen nicht viel anfangen könne. Während sich SVP, CVP und FDP für das Angebot der Lokalinfo AG aussprachen, empfahl die BDP den Antrag des Gemeinderates zur Ablehnung. «Die Diskussion hinterlässt den faden Beigeschmack, dass Senioren nur noch ‹Einwohner zweiter Klasse› sind», sagte Raphael Banti, Präsident der BDP Volketswil. «Zudem ist eine höhere Anzahl Seiten nicht automatisch ein Garant für höhere Qualität.»

Die Kritik am zweiwöchigen Erscheinungsrhythmus ging so weit, dass ein Volketswiler einen Rückweisungsantrag stellte mit der Aufforderung, der Gemeinderat möge eine neue Variante mit der Lokalinfo AG ausarbeiten, bei der die Zeitung wöchentlich erscheint. Dieser wurde jedoch mit 210 Nein- zu 116 Ja-Stimmen abgelehnt. Zuvor hatte Gemeindepräsident Jean-Philippe Pinto (CVP) betont, dass eine Neuausschreibung viel Zeit in Anspruch nehme und der laufende Vertrag nicht per Ende Jahr gekündigt werden könnte. 

Übernahme zum Jahreswechsel

Weiterer Kritikpunkt am heutigen «Volketswiler» und damit für viele Anlass für einen Wechsel war die Präsenz der Vereine und Parteien, die in der Diskussion mehrfach als unzufriedenstellend bezeichnet wurde. «Eingesandte Texte werden stark gekürzt oder ohne Grund gar nicht publiziert», sagte ein Votant. «Wollen wir uns weiterhin wöchentlich der Illusion hingeben zu wissen, was in Volketswil läuft, oder wollen wir ein neues Experiment wagen?», meinte auch Thomas Brunner (SVP), Mitglied der Rechnungsprüfungskommission (RPK). Diese hatte das Geschäft zur Annahme empfohlen. «Allerdings aus rein finanziellen Gründen, die RPK gibt keine politische Einschätzung ab», sagte RPK-Präsidentin Petra Klaus (FDP). 

Die Schlussabstimmung zeigte schliesslich ein weniger deutliches Resultat, als man es aufgrund der Anzahl Voten hätte annehmen können, die für einen Wechsel sprachen. Mit 188 Ja- zu 144 Nein-Stimmen entschied sich die Volketswiler Bevölkerung für den Antrag des Gemeinderates. Damit wird der laufende Vertrag gekündigt und die Zürcher Lokalinfo AG übernimmt ab dem neuen Jahr. 

Abschied von Rosmarie Quadranti

«Haben Sie ein Glück, dass die Schulpflege das dritte Traktandum zurückgezogen hat, sonst wären wir noch ewig hier», sagte Schulpräsidentin Rosmarie Quadranti (BDP) um 23 Uhr am Schluss der Schulgemeindeversammlung, die erstmals getrennt von der Versammlung der Politischen Gemeinde stattfand. Da im Vorfeld viel Kritik an der neuen Schulgemeindeordnung aufkam, hatte die Schulpflege beschlossen, diese noch einmal zu überarbeiten und auf die Vorberatung an der Versammlung zu verzichten. Damit verblieben noch die Jahresrechnung 2017 sowie die Bauabrechnung des Schulhauses In der Höh auf der Geschäftsliste. Beide wurden von den verbleibenden 159 Stimmberechtigten genehmigt. Im Anschluss an die eigentliche Versammlung gab es für die abtretende Schulpräsidentin eine kleine Abschiedrede. Sie selber schloss ihre letzte Versammlung mit den Worten: «Hebed si mer minere Schuel Sorg!» (lcm)

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