Der verletzliche Dampfhammer
Es gehört zu den ehernen Geboten des seriösen Journalismus: Mit Superlativen gilt es sparsam zu sein. Bei Thomas Kübler, dem abtretenden Ustermer Bauvorstand, kommt man jedoch nicht darum herum. Ohne Frage – mit ihm geht Usters schillerndster Politiker. Und der widersprüchlichste.
17 Jahre war der FDP-Mann Stadtrat von Uster. Als «animal politique» bezeichnet ihn sein Parteikollege, Gemeinderat Richard Sägesser. «Thomas Kübler politisierte mit Herzblut, Sachverstand und riesigem Engagement.» Ähnlich klingt es bei Küblers Stadtratskollegen. «Der beste Stadtrat, den ich in meiner politischen Karriere kennengelernt habe», sagt Stadtpräsident Werner Egli (SVP). Und Stadtplaner Patrick Neuhaus bescheinigt seinem politischen Vorgesetzten: «Er war ein Macher. Bei der Umsetzung der Geschäfte hat er aber den Spezialisten der Verwaltung vertraut. Er trat uns interessiert und wertschätzend gegenüber und schaffte dadurch eine dynamische Arbeitsatmosphäre.»
«Einige verbale Entgleisungen»
Das Polittier konnte aber auch wüten. Vor allem im Parlament, das Kübler oft als Käfig zu empfinden schien. Ein Käfig, der ihn und seine Verwaltung eingrenzte und beschnitt. Schlagfertig und redegewandt, aber auch leicht reizbar, verhöhnte Anwalt Kübler Vorstösse schon mal als «Schnapsidee» und «Aprilscherz». Oder tat Forderungen als unausgegorenes Wunschdenken ab. Abseits von FDP und SVP wurde der bürgerliche Bauvorstand deshalb für viele Gemeinderäte zum roten Tuch: «Thomas Kübler hat sich vor allem in den letzten Jahren einige verbale Entgleisungen geleistet und liess politisch Andersdenkende nach Lust und Laune leerlaufen», sagt Gemeinderat Thomas Wüthrich (Grüne). «Er schien die Zusammenarbeit mit dem Parlament mehr und mehr als bemühend zu empfinden», sagt Gemeinderat Ivo Koller (BDP).

