Vielfältige Fleischfreuden
Auch wenn es der Name «Chappeli» nicht vermuten lassen würde: Ein Hauch Spanien liegt in der Luft. Die dunklen Tische, Stühle und Tischsets gepaart mit den rot-goldenen Dekoelementen verleihen dem Volketswiler Restaurant ein mediterranes Flair. Gleichzeitig herrscht an diesem Mittag bereits emsiges Treiben, als wir kurz nach 12 Uhr eintreffen – von Siesta und Sangria keine Spur. Fast alle Tische sind besetzt, das erste Tagesmenü bereits vergriffen, wie uns die Bedienung mitteilt. Sie nimmt dafür die Getränkebestellungen sofort auf, als wir unsere Plätze eingenommen haben.
Obwohl das erste Tagesmenü aus dem Rennen ist, bleiben uns immer noch sechs Menüs plus drei Spezialmenüs zur Auswahl. Zum Glück haben wir heute keinen Vegetarier in der Runde. Menü eins – Spaghetti Chappeli an Tomatensauce mit Zwiebeln, Oliven und gedörrten Tomaten für 22.50 Fr. – wäre seine einzige Chance gewesen. Neben einem Fisch-Menü für die Flexitarier, oder was es heute alles gibt. Doch wir freuen uns auf eine gute Portion Fleisch und bestellen sie gleich in fünf verschiedenen Varianten: Als Schweinsschnitzel mit Bärlauchrahmsauce und Butternudeln (23.50 Fr.), als Holzfällersteak vom Grill mit Kräuterbutter und Pommes Frites (23.50 Fr.), argentinisches Rindsentrecôte mit Café de Paris Sauce und Röstikroketten (39.50 Fr.), Schweins-Cordonbleu mit Pommes Frites und verschiedenen Saucen (32.50 Fr.) sowie Beefsteak Tatar (32.50 Fr.).
Die grosse Tatar-Frage
Als erstes wird uns eine Zwiebelsuppe serviert, die zum Mittagsmenü dazugehört. Der grosse Suppentopf, in dem die Vorspeise gewärmt wird, steht in Sichtweite und erinnert uns ein bisschen an Cafeteria oder Imbiss auf der Skipiste. Einige aus der Runde ordnen den Anblick auch einem Alterszentrum zu, doch eines haben alle Assoziationen gemeinsam: Sie wecken Erinnerungen an Orte, an denen man zusammenkommt.
Die Suppe selber ist cremig, einen klaren Zwiebelgeschmack vermissen wir allerdings. Ist vielleicht auch besser so, bei den sensiblen Schweizer Gaumen, die sich immer und überall vor zu viel Zwiebeln oder Knoblauch fürchten. Von mir aus hätten gerne einige Zwiebelringli in der Suppe schwimmen dürfen.
Zwiebelringe erhält der Kollege anschliessend zu seinem Tatar schön drapiert mit Kapern, Oliven und Toast. Doch plötzlich wird der vorher noch laute Macho, der mit Halbwissen über das korrekte Schlürfen einer Suppe um sich schlug, ziemlich kleinlaut. «Das ist ja kalt», sagt er mit einem schiefen Blick auf sein Tatar. Was er sich genau unter einem Tatar vorgestellt hatte, bleibt unbekannt. Nach einer kurzen Einführung, wie der Herr nun sein edles Fleisch essen soll – «wie ein Butterbrot auf Toast?!» – können auch wir uns unserem Essen zuwenden.
Die Gemüse-Klassiker
Das Argentinische Rindsentrecôte wurde von meinem Kollegen blutig gewünscht und wurde auch so serviert. «Die Sauce ist säuerlich – das ist etwas Gutes!», meint er zufrieden. Einzig er hat mit Peperoni und Zucchetti noch etwas zusätzlich angegrilltes Gemüse erhalten.
Auf den anderen Tellern findet sich der Klassiker wieder: Broccoli, Blumenkohl, Rüebli, Fenchel – alles gedämpft. Das Holzfällersteak kommt wie die Peperoni sichtlich direkt vom Grill, die knusprig-braunen Streifen zeugen vom heissen Rost. «Das Fleisch ist wunderbar zart und die Kräuterbutter überdeckt sein Geschmack nicht», schwärmt der andere Kollege. Auch die Kollegin mit den Nüdeli lobt besonders das Fleisch. «Von der Bärlauchsauce hätte ich mir noch mehr gewünscht.»
Die Hausspezialität
Das Cordonbleu, das auf der Website des Chappeli als Hausspezialität angepriesen wird, ist der Star der Runde. Dieses wird auf einem heissen Stein serviert, der wiederum auf einem Holzbrett liegt. Der Stein ist wohl nicht ganz so heiss wie bei den klassischen Fleischstücken, die man wirklich noch am Tisch brutzeln muss. Das Cordonbleu ist im Gegensatz zur klassischen Variante nicht flach, sondern als Roulade geformt und bereits superknusprig gebraten.
Das Fleisch ist zart und einige Käsefäden auf dem Stein zeugen von einer grosszügigen Füllung. Die vier Saucen, die zu den Pommes serviert werden, bringen noch mehr Abwechslung in das Gericht, das nicht ohne Grund als Spezialität im Chappeli bezeichnet wird. Gut gefüllt lehnen wir uns zurück. Sogar der Tatar-Neuling scheint die Premiere gut vertragen zu haben. «Es war schon sehr scharf. Aber so habe ich es ja auch bestellt», meint er mit einigen Schweissperlen auf der Stirn.
