Grösste Batterie der Schweiz ist in Betrieb
Das Stromnetz ist gesamteuropäisch von Lissabon bis Istanbul verknüpft. Werden in diesem Netz gleichzeitig Hunderte oder gar Tausende elektrische Geräte in Betrieb genommen oder abgeschaltet, dann hat das Auswirkungen auf das Stromnetz. Es kann instabil werden. Die Frequenz von 50 Herz kann zu- oder abnehmen. Reibungslos funktionieren kann das Netz nur, wenn Angebot und Nachfrage ausgeglichen sind. Dazu beitragen wird nun der grösste Batteriespeicher der Schweiz, der im Unterwerk der EKZ in Volketswil in Betrieb genommen wurde.
Die Grösse der Leistung des Speichers ist beeindruckend: Sie beträgt 18 Megawattstunden. Die Batterie kann 7500 Kilowattstunden Energie speichern. Da Laien mit solchen Zahlen nicht viel anfangen können, wurden an der Pressekonferenz vom Dienstag auch Vergleiche gezogen. Der Volketswiler Gemeindepräsident Jean-Philippe Pinto sagte, dass man mit der Leistung des Batteriespeichers 600 Haushalte einen Tag lang mit Strom versorgen könnte. Seitens der EKZ hiess es, dass man alle 18’500 Einwohner Volketswils acht bis zwölf Minuten mit Strom beliefern könnte.
Produktion und Verbrauch müssen sich Waage halten
Das aber wird nicht geschehen, denn der Speicher hat eine ganz andere Aufgabe. Er liefert sogenannte Regelenergie und trägt damit dazu bei, dass das Stromnetz stabilisiert wird und sich Produktion und Verbrauch die Waage halten. Längerfristig wird dies durch Speicherpumpwerke und Stauseen erreicht. Kurzfristig durch Betriebsspeicher, wie die EKZ nun einen in Volketswil in Betrieb genommen hat. Wie er funktioniert und welche Aufgaben er erfüllt, erklärte Marina Gonzáles Vayá, Leiterin Entwicklung Smart Solutions. Den Aufbau und die Funktionsweise der Anlage erläuterte der leitende Ingenieur Claudio Cerri.
Die Anlage besteht aus drei grossen, je 50 Tonnen schweren Batteriecontainern, sechs Stromrichtertransformatoren und sechs Stromrichtern. Wird Strom aus der Batterie ins Netz abgegeben, wird der gelieferte Gleichstrom in Wechselstrom umgewandelt und mit ihm wird dann in Sekunden das Gleichgewicht im Netz wieder hergestellt. «Die Menge Energie, die ins Netz eingespiesen wird, ist im Vergleich zur Kapazität der Batterien eher gering und bewegt sich in der Grössenordnung von etwa zehn Prozent der gespeicherten Strommenge. In der Regel sogar eher etwas weniger», wie Gonzáles erklärte.
Die EKZ erklären im Video, wie die Batterie funktioniert
Die Batterie soll die Netzstabilität des europäischen Stromnetzes verbessern (Video: Youtube/EKZ)
Batterien sind für kurzfristige und schnelle Einspeisungen geeignet. Die erste entsprechende Anlage hat die EKZ in Dietikon gebaut. Sie ist mit einer Leistung von 1,1 Megawatt deutlich kleiner als diejenige in Volketswil. Wie Cerri erklärte, wurde mit dem Engineering der Anlage in Dietikon 2011 begonnen. In Betrieb genommen wurde sie 2012. «Obwohl damals die Lebensdauer der Batterien auf fünf Jahre geschätzt wurden, läuft sie nun bereits störungsfrei seit sechs Jahren.» Die Lebensdauer der Batterien in Volketswil wird auf zehn Jahre veranschlagt. Erfreulich sei, dass die Batterien in den vergangenen Jahren deutlich billiger geworden seien und sich die Lebensdauer erhöht habe. Wurden die Kosten für die Anlage in Volketswil anfänglich auf rund acht Millionen Franken veranschlagt, hat die Anlage letzthin lediglich sechs Millionen gekostet.
Steigende Bedeutung
«Die Zahl der Batteriespeicher werden in Zukunft zunehmen», ist sich Gonzáles sicher. Die Bedeutung von Regelenergie steige mit zunehmendem Anteil an Wind- und Sonnenenergie im Netz. «Der Batteriespeicher ist ein wichtiges Stück Energiezukunft», sagte auch Urs Rengel, Geschäftsführer der EKZ. «Die Bereitstellung von Regelenergie ist für die EKZ auch wirtschaftlich interessant.» Dazu beitragen wird auch, dass die EKZ zum jetzigen Zeitpunkt in diesem Bereich eine führende Stellung einnimmt. (Eduard Gautschi)
