Schweiss und Swarovski
Mittwochs treffen sich jeweils sowohl die Anfängerinnen wie die fortgeschrittenen Twirlerinnen des Majoretten-Twirling Club Volketswil in der Turnhalle des Sportztentrum Gries. Zuerst wird eine halbe Stunde lang unter den wachsamen Augen der Trainerin Dany Neu aufgewärmt, denn Spagat und Handstand gehören hier zum Standard-Repertoire. Majoretten-Twirling besteht nämlich aus gleichzeitigem Turnen und Jonglieren. Haupttrainerin Manuela Jäggli vergleicht den Sport am ehesten mit rhythmischer Sportgymnastik und meint: «Klar gibt es Mädchen, die beweglicher und talentierter sind und schneller lernen als andere. Aber wir geben auch den weniger Talentierten Zeit, um die Technik und akrobatischen Übungen zu erlernen.» Einige der Twirlerinnen besuchen zudem Ballett- oder Voltige-Unterricht, was auch im Twirling-Training helfe. Dabei ist Jäggli fest überzeugt: «Die Mädchen sollen aus Freude an der Sportart kommen und alle sind willkommen.» Sie selbst kommt ursprünglich vom Jazztanz. Ihre damalige Tanzlehrerin, Maja Jäger, gründete den MTCV, der erst der Harmonie Volketswil angegliedert war und seit 1978 ein eigenständiger Verein ist.
Vielfältige Sportart
Die Sportart «Twirling» kommt aus den USA, ist aber auch in Frankreich sehr bekannt. In Japan sei die Sportart sogar ein Schulfach. Während Majoretten vor allem tanzen und dabei schön auszusehen haben, stelle das zusätzliche sogenannte «Twirling» ein höheres Niveau dar: Die Athletinnen schleudern während des Tanzens einen etwa unterarmlangen Stab, den «Baton», in die Luft oder rollen ihn am Körper entlang. «Zu Beginn haben wir mit Velohelmen trainiert, falls einem der Baton auf den Kopf fällt», erzählt Twirlerin Céline lachend. Dabei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt, was viele Sportlerinnen zur Disziplin zieht. Auch für Trainerin Dany Neu aus Deutschland ist dies eine der besonderen Eigenschaften des Sportes. «Das Majoretten Twirling vereint Turnen, Akrobatik und rhythmische Sportgymnastik und bietet viele Möglichkeiten, denn jede Bewegung kann neu kombiniert werden». Die wöchentliche Reise von Deutschland nach Volketswil sei zwar viel Aufwand, lohne sich aber. Sichtbar wurde dies etwa an den vergangenen Schweizer Meisterschaften Anfangs Mai: Der MTCV sicherte sich im Team-Wettbewerb den dritten Platz und Twirlerin Giulia Giuditta sogar den ersten Rang in der Kategorie «Solo Dance Twirl».
Volles Programm
Dabei ist die Sportart nicht nur zeit-, sondern auch geldaufwändig. Der MTCV kann sich grösstenteils durch die Jugendförderung der Gemeinde Volketswil, Beiträge von Jugend und Sport Schweiz sowie eigens organisierte Sponsorenläufe finanzieren. Jäggli selbst verbringt zudem Stunden mit dem Ankleben der Swarovski-Steine auf die Trikots der Mädchen. «Die Dankbarkeit der Eltern und Kids ist aber Lohn genug», meint sie zu ihrem Aufwand. Letztes Wochenende verbrachte der MTCV im Trainingslager im Kanton Uri, als nächstes steht ein Auftritt am Frühlingsmarkt Volketswil und dann ein weiterer am Blasmusikfestival der Harmonie Volketswil an. Zudem findet im Juni ein weiterer Wettkampf vor Saisonende statt. Ein Highlight für die nächste Wettkampf-Saison steht überdies bereits fest: Die erste Qualifikation der Schweizer Meisterschaften im Twirling wird nämlich im Kultur- und Sportztentrum Gries stattfinden. (Noemi Ehrat)
